Neue Highlights im Heimatmuseum

Gespannt lauschen Bürgermeister Helge Zychlinski und die Bildungsausschussvorsitzende Christa Bogenschütz dem Beitrag über die Eiszeit an der neuen Videostation. Foto: A. Wiese

Museumsteam stellt neue Struktur vor und sucht noch Verstärkung

Bissendorf (awi). Bürgermeister Helge Zychlinski richtete ein herzliches Dankeschön an die ehrenamtlichen Mitglieder des Arbeitskreises Heimatmuseum: „Ihre Arbeit ist Gold wert. Was Sie leisten, könnten wir als kleine Gemeinde nicht auffangen.“ Der Bürgermeis-ter und die Bildungsausschussvorsitzende Christa Bogenschütz, die zugleich auch Ortsbürgermeis-
terin ist, bestaunten am Donnerstag die neu gestaltete Dauerausstellung im Dachgeschoss des Büchereigebäudes, dem alten Amtskrug.
Neu ist die Darstellung der Lebenssituation der Menschen im Gebiet der heutigen Wedemark seit dem Ende der letzten Eiszeit vor 13.000 Jahren. Auf einem Zeitstrahl werden unter anderem Klimakurve, Bewuchs, Tierwelt und Leben der damaligen Menschen dargestellt. Anhand von zwei Karten zeigen wir auf, aus welchen Teilen Nordeuropas die Gesteine an den Brelinger Bergen kommen, die mit dem Eis hierher geschoben wurden und aus welchen südlichen Gebirgen wie Thüringer Wald und Rheinisches Schiefergebirge Gerölle mit der Weser hierher verfrachtet wurden; die Weser verlief früher deutlich weiter östlich, in unserem Bereich. Ein Modell der Brelinger Berge vervollständigt diesen Bereich. Anschaulich werden dann die Herstellung des Feuers, der Bekleidung und der Ernährung in den Epochen der Steinzeit dargestellt. Daran schließen sich die Funde und Ausgrabungen aus den Epochen der Steinzeit der Bronzezeit und der Eisenzeit an. Mit einer Videostation über die Eiszeit in Norddeutschland und die Herstellung von Steinwerkzeugen bietet das Museum erstmals ein neues Medium an. Für diesen Bereich ist Gotthelf Schwidurski aus Oegenbostel verantwortlich, der sich seit mehreren Jahrzehnten mit der Geologie der Brelinger Berge beschäftigt und auch Initiator des dortigen Geopfades ist. Den Bereich des bäuerlichen Lebens haben die Mitglieder des Arbeitskreises neu gegliedert und sich dabei auf einige Schwerpunkte beschränkt. Der Bereich „Vom Flachs zum Leinen“ ist durch die Gestaltung des Fußbodens herausgehoben worden. Im Bereich „Moor“ wird jetzt eine Moorpumpe gezeigt, mit der das Wasser aus den vollgelaufenen Torfkuhlen gepumpt wurde, um den Torfstich fortführen zu können. Daran soll sich eine nachgebaute Feuerstelle eines Bauernhauses anschließen, die zurzeit allerdings noch im Bau ist. Hierum kümmert sich im Museumsteam, das sich übrigens noch über personelle Verstärkung freuen würde, vorrangig Peter Schulze.
Den Bereich „Schule“ haben die Arbeitskreismitglieder deutlich ausgedehnt und versucht, einen Schulraum mit Tafel, Karten und ausgestopften Tieren nachzuempfinden. Der Bereich „Kultur“ beginnt mit dem Modell der Bissendorfer Kirche und Hinweisen zu ihrer Geschichte. Auch das Modell der „Allgemeinen Krankenanstalt Bissendorf“ ist hier zu sehen. Als bedeutende Persönlichkeiten unserer Gemeinde werden der Maler und Kupferstecher Georg Heinrich Busse und der Lehrer Hinrich Braasch behandelt, der sich mit seinen selbst gebastelten Kasperlepuppen von Schule zu Schule zog, um dort seine Stücke vorzuführen und der für seinen Einsatz für die plattdeutsche Sprache geehrt wurde. Einen besonderen Platz nimmt der Dichter Gottfried August Bürger ein, der zwei Bissendorfer Frauen liebte und beide nacheinander heiratete. Neben seinen Gedichten ist er heute vor allem durch seine Fassung der Lügengeschichten des Barons Münchhausen bekannt, die auch heute – nach 250 Jahren – noch von Kindern gelesen werden. Als Dokumente vergangener Zeit werden unter anderem die Kopie eines so genannten Wiesenkaufbriefes aus dem Jahr 1591 und ein ausgefülltes Verwaltungsformular aus dem Jahre 1802 gezeigt – schon damals gab es eine funktionierende Bürokratie. Um diesen Bereich kümmern sich vorrangig Brigitte Dörfler und Marga Hetzel.
Als kleine Sonderausstellung in diesem Jahr zeigt das Museum unter dem Titel „100 Jahre Ausbruch des 1. Weltkrieges – Erinnerung und Mahnung“ Exponate aus dieser Zeit. So werden auch die alten Namenstafeln aus der ehemaligen Gaststätte Zur Eiche in Bissendorf des Kriegervereins Bissendorf und Umgebung wieder zugänglich gemacht. Mit der Hilfe eines Leihgebers werden unter anderem Original-Ausrüstungsgegenstände eines Soldaten aus dieser Zeit präsentiert. Um diesen Bereich habe sich Peter Schulze sehr gekümmert, trug Karl-Hans Konert vor. Schulze bereitet zudem eine Sonderausstellung mit Postkarten vor, die von April bis Juni gezeigt wird. Für den Bereich der Dauerausstellung arbeiten die Museumsfreunde noch an einem großen Vorhaben: „Wir wollen eine „Zentrale Präsentation der Wedemark“ von der Zeit nach der Saale-Eiszeit bis zur heutigen Industriegeschichte aufbauen. Anhand von alten Karten soll die Entwicklung unserer Region dargestellt, anhand von Videosequenzen die Siedlungsgeschichte unserer Dörfer aufgezeigt und die politischen Strukturen bis in die heutige Zeit dargestellt werden“, verriet Konert. Ein zweiter Teil soll Geschichten aus all unseren Dörfern in Videoaufnahmen von Zeitzeugen präsentieren, seien es überlieferte Geschichten, plattdeutsche Döneken oder eigene Erlebnisse zum Beispiel aus der Zeit nach dem letzten Krieg, als eine große Anzahl von Vertriebenen und Flüchtlingen in unsere Region strömte. Für diesen zweiten Part der Präsentation bereitet der Arbeitskreis eine Kooperation mit der IGS Wedemark vor. Um den Bereich der konzeptionellen Arbeit kümmert sich im Museumsteam insbesondere Karin Bock.
Uhren um Kavaliershaus
Teilweise neugeordnet wurde aber auch die Ausstellung im Kavaliershaus. Durch den Umzug der Funde und Ausgrabungen aus der Steinzeit und später in die Dauerausstellung wurde Platz dafür gewonnen, die Uhrenausstellung von Reimer Timm und Manfred Hulacz deutlich auszuweiten und besser zu präsentieren. Während Timm als Uhrmachermeister seinen Schwerpunkt auf die Werkzeuge gelegt hat, zeigt Hulacz als Sammler die Vielfalt der Uhren von der Taschenuhr über die Nachtwächteruhr bis zur Weltuhr. Auch die Fossiliensammlung des Ehepaars Sommer ist umgestaltet worden, um mehr an Erläuterungen für die Besucher geben zu können. Hier hat Lutz Kaecke vom Arbeitskreis Paläontologie Hannover viel Zeit investiert, um die Sammlung auf den Stand zu bringen. Die Gemälde von Ursula Greve werden jetzt auch in einer kleinen Galerie gezeigt; sie werden ergänzt durch einige Gemälde und Skulpturen von ihrem Ehemann, dem Maler und Bildhauer Peter Greve, die der Sohn des Ehepaars, Henning Greve, aus Syke als Leihgaben zur Verfügung gestellt hat. Das gesamte Musemsteam hat im letzten halben Jahr viel Arbeit investiert, nachdem die Gemeinde den Neuanstrich im Dachgeschoss und Teilen des Kavalierhauses hat durchführen lassen.