„Nimm das Beste mit aus der Wedemark“

Mit Wilfried Willers (von links), Tjark Bartels und Helge Zychlinski verabschiedeten gleich drei ehemalige Dienstherren Konstanze Beckedorf. Foto: Th. Schirmer
 
Überraschung der besonderen Art. Eine „Regionslaus“ für Konstanze Beckedorf von Bürgermeister Helge Zychlinski. Foto: Th. Schirmer

Feierliche Verabschiedung von Konstanze Beckedorf durch die Gemeinde

Wedemark (sch). Öffentliche Lobeshymnen auf ihre Person sind Konstanze Beckedorf nach eigenem Bekunden eher unangenehm, sodass Bürgermeister Helge Zychlinski nicht wenig Überzeugungsarbeit leisten musste, um schließlich doch noch eine feierliche Verabschiedung seiner ehemaligen Ersten Gemeinderätin realisieren zu können.
Am Mittwochabend hatte die Gemeinde ins Bürgerhaus eingeladen, um ihr in Anwesenheit zahlreicher Gäste aus Verwaltung, Politik und öffentlichem Leben für ein Jahrzehnt erfolgreicher Arbeit im Dienst der Wedemark zu danken. Neben Helge Zychlinski waren mit Tjark Bartels und Wilfried Willers alle ehemaligen Dienstherren
Beckedorfs versammelt, um ihr Wirken in einer Feierstunde Revue passieren zu lassen. „Was mich in meinen ersten Tagen gerettet hat, war, dass du da warst“, gestand
Zychlinski im Rückblick auf seine Amtseinführung als Bürger-
meister ein. So offenherzig und vertrauensvoll ihr Dienstverhältnis als Chef und Stellvertreterin der Gemeindeverwaltung auch begann, so unterkühlt war die erste Begegnung der beiden vor rund zehn Jahren, wie sich Zychlinski erinnerte. „Wir haben keinen ganz einfachen Start gehabt“, betonte der Bürgermeister im Rückblick auf die damalige politische Situation. Beckedorf stand als Kandidatin der damaligen Ratsmehrheit aus CDU und FDP kurz vor ihrer Wahl zur Ersten Gemeinderätin, was die Wedemärker SPD dazu veranlasste, ihr in einem Brief den Verzicht auf die Kandidatur bis nach der bevorstehenden Kommunalwahl nahezulegen. Beckedorf ließ sich dennoch wählen und stand wenig später unter neuen politischen Vorzeichen Tjark Bartels als Bürgermeister aus den Reihen der SPD gegenüber. „Es ist nicht selbstverständlich, wie du das Wort Loyalität mit Leben füllst“, lautete aber das Fazit
Zychlinskis über die langjährige Zusammenarbeit mit Beckedorf. Ein Urteil, dem sich auch sein Vorgänger Tjark Bartels in seiner Laudatio anschloss. Beide ehemaligen Dienstherren stellten übereinstimmend fest, was das Wirken Beckedorfs für die Gemeinde auszeichnete. Neben dem Gebäudemanagement hoben sie besonders die Gründung der IGS Wedemark als Meilenstein in der Amtszeit ihrer ehemaligen Gemeinderätin hervor. Beckedorf habe sich mit großer Leidenschaft und Überzeugung für die Realisierung dieses ehrgeizigen Schulprojekts eingesetzt. „Ein Erfolg, der bleibenden Wert hat“, bekräftigte Zych-
linski. Bartels blickte auf die gemeinsame Zeit im Rathaus zurück, wobei er besonders auf die sehr speziellen Arbeitsbedingungen im alten Ratshausbau an der Berliner Straße einging. Mangels Barrierefreiheit des als Mehrfamilienhaus konzipierten alten Verwaltungssitzes mussten damals Dokumente durch ein Fenster an die Bürger ausgegeben werden. „Ich hatte immerhin einen Balkon“, erinnerte sich Bartels mit leiser Ironie.
„Ich hatte dafür das Schlafzimmer“, kontere Beckedorf spontan. „Nimm das Beste mit aus der Wedemark, und bleibe im Wesentlichen, wie du bist“, gab ihr Bartels schließlich mit auf den Weg. Dass ihr Wirken weit über die Gemeindegrenzen ausstrahlte, betonte Monika Kotzes-Karrasch in ihrer Ansprache. Die Erste Stadträtin Langenhagens würdigte Beckedorf aus Sicht einer Kollegin und freute sich besonders, wie groß der Anteil von Frauen in den Führungspositionen der Regionskommunen mittlerweile geworden sei. In den wohlwollenden und anerkennenden Grundton aller Laudatoren mischte sich immer wieder ein leiser Humor. Dieser drückte sich auch in den Geschenken des Abends an die Geehrte aus. Neben einem Feuerwehrhelm aus der Hand des stellvertretenden Gemeindebrandmeisters Jens Kahlmeyer erhielt sie vom Bürgermeis-ter eine jener großen, knallgrünen „Regionsläuse“, die das Bürgerhaus wie auch viele weitere öffentliche Gebäude in der Region schmücken. Beckerdorf hatte sich wohl einmal in gemeinsamer Runde über die nicht ganz unumstrittene PR-Aktion der Region Hannover ausgelassen und ironisch den Wunsch nach einem der Rieseninsekten geäußert. „Man sollte nie unterschätzen, welche Wünsche man in solchen Sitzungen äußert“, erklärte der Bürgermeister mit einem Augenzwinkern bei der Enthüllung des ungewöhnlichen Abschiedsgeschenks. Dass Konstanze Beckedorf trotz anfänglichen Zauderns die heiteren wie ernsten Noten der Veranstaltung am Ende doch sehr gefallen haben, räumte sie in ihrem Schlusswort an Helge Zychlinski ein: „Danke, dass du dir das hier nicht hast ausreden lassen.“