Nur eine Stammzellenspende hilft

Stephan aus Lindwedel, der zurzeit in Hamburg lebt, hat Blutkrebs. Sein einziger Halt ist seine Frau Doreen, die er vor einem Jahr im Krankenhaus geheiratet hat. Am 17. Dezember organisieren seine Familie und seine Freunde in der KGS Schwarmstedt von 10 bis 16 Uhr eine Stammzellspender-Registrierung, um einen passenden Spender für Stephan oder einen anderen Krebskranken zu finden. Foto: Privat

Registrierungsaktion für Stephan am 17. Dezember in Schwarmstedt

Lindwedel/Schwarmstedt. Der 39-jährige Stephan aus Lindwedel, der jahrelang aktiv in der Freiwilligen Feuerwehr und bei der Johanniter Unfallhilfe war, ist jetzt selbst auf Hilfe angewiesen. „Im Oktober 2015 wurde ich von einem Tag auf den anderen aus meinem gewohnten Leben gerissen. Die sterile Umgebung eines Krankenhauszimmers und die Tortur der Chemotherapie sind jetzt mein Alltag.“ Stephan leidet an Blutkrebs und nur eine Stammzelltransplantation kann sein Leben retten. Doch bislang wurde weltweit kein passender Spender für ihn gefunden.
Um Stephan und anderen Patienten zu helfen, planen seine Familie und Freunde gemeinsam mit der DKMS eine Aktion zur Gewinnung neuer potenzieller Stammzellspender. Die Schirmherrschaft für die Aktion übernimmt Samtgemeindebürgermeister Björn Gehrs. Die Aktion startet am Sonnabend, 17. Dezember, von 10 bis 16 Uhr in der KGS Schwarmstedt, Am Beu 2. Da diese Untersuchungen auch finanziert werden müssen, ist ein Spendenkonto eingerichtet worden: Kreissparkasse Soltau, IBAN DE75 2585 1660 0055 0387 49 BIC NOLADE21SOL, Stichwort: Stephan. Der 39-jährige Stephan Leonhard erinnert sich genau an den Moment, der sein Leben dramatisch veränderte. Es war Sonnabend, der 17. Oktober 2015 gegen Mittag, als der Fachinformatiker die Diagnose Leukämie erhielt. Bis dahin hatte Stephan sein Leben gelebt: Marathon in Hamburg, Tanzen in Hong Kong, Schnorcheln mit Mantas, Fotos über den Wolken oder Zelten in Norwegen. Doch seit dem schicksalhaften Tag im Herbst letzten Jahres hat Stephan nur noch ein Ziel: Überleben. Alles begann wie eine harmlose Erkältung. Unwohlsein, Fieber und Herzrasen. Als die Antibiotika nicht anschlugen begab sich Stephan in die Klinik. „In den nächs-ten Tagen überschlugen sich die Ereignisse und die Diagnosen waren ein Schock“, erinnert er sich. Der faustgroße Tumor, der auf Herz und Herzarterie drückte, ist häufig eine Begleiterscheinung einer Leukämie. Nach einer Knochenmarkpunktion am Beckenkamm in der Harburger Klinik Mariahilf gab es wenige Tage später Gewissheit: Stephan leidet unter einer akuten lymphatischen Leukämie (T-ALL). Die Art Leukä-mie wird selten bei jungen Erwachsenen diagnostiziert. „Eine T-ALL betrifft häufig Menschen über 60 und Kleinkinder. Somit bin ich eine Rarität. Leider mit der Folge, dass die Ärzte wenig darüber wissen, wie eine Therapie bei mir anschlagen könnte“ analysiert er sachlich. Umgehend wurde Stephan in die Onkologie des Universitätsklinik Hamburg Eppendorf (UKE) eingewiesen. Ein erster Therapieplan war auf 3,5 Jahre ausgelegt. Die ersten 52 Wochen würde Stephan nahezu komplett im UKE verbringen müssen. „Von einen Tag auf den anderen wurde ich aus meinem gewohnten Leben gerissen. Im Tausch erhielt ich die sterile Umgebung eines Krankenhauszimmers und die Tortur der Chemotherapie.“ Diese war hart, die Nächte häufig einsam und zu oft mit quälenden Gedanken erfüllt. Aber ein Tag im UKE war, nicht nur für ihn, etwas ganz Besonderes und wird für immer in positiver Erinnerung bleiben. Am 1. Dezember des letzten Jahres heiratete Stephan seine langjährige Freundin Doreen. Seine Lebensfreude hat er nicht verloren, dabei galt es vor wenigen Wochen eine weitere Diagnose zu verkraften. Trotz verschiedener Therapien bessert sich seit rund einem halben Jahr Stephans Blutbild nicht. Die Ursache dafür ist die unheilbare Zweitkrankheit MDS. „Ich brauche einen Knochenmarkspende, wenn ich weiterleben will“, sagt Stephan. „MDS tritt häufig als Ersterkrankung auf, aus der sich später die akute myeloische Leukämie (AML) entwickelt“. Ob der Komplexität der Erkrankung, sind Prognosen zu ihrem weiteren Verlauf schwierig. Stephan sieht also mehr denn je einer ungewissen Zukunft entgegen. Er und seine Lieben glauben jedoch fest daran, dass es wieder einen Tag geben wird, der alles verändert. Dann allerdings zum Guten. Und alle potenziellen Stammzellenspender, die sich am 17. Dezember in Schwarmstedt registrieren lassen, tragen möglicherweise dazu bei. Und auch die Wedemark Scorpions wollen etwas für Stephan tun: Beim Derby gegen die Hannover Indians am morgigen Sonntag um 18.30 Uhr im Eisstadion Mellendorf sammeln die kleinen Scorpione in den Drittelpausen Spenden für die DKMS. Außerdem stellen die Scorpions ein von allen Spielern signiertes Trikot zur Verfügung, das bei der großen Typisierungsaktion am 17. Dezember im Rahmen einer Tombola verlost wird.