Obdachlose müssen um Geschenke losen

Thomas Schenk (rechts), Gemeindereferent der katholischen Kirche und Lehrerin Astrid Müller-Jago mit Schülern der Realschule und den liebevoll weihnachtlich verpackten Geschenken für die Obdachlosenhilfe in Hannover.

Realschule und katholische Kirche bescheren als einzige noch den Mecki-Laden

Wedemark (awi). Auch in diesem Jahr haben die Schüler und Lehrer der Realschule Wedemark eine tolle Weihnachtsaktion für die Obdachlosen in Hannover auf die Beine gestellt: 75 liebevoll verpackte Päckchen mit Weihnachtsgrüßen und Dingen, die die Obdachlosen dringend benötigen händigten die Schüler von Astrid Müller-Jago am Donnerstag dem katholischen Gemeindereferenten Thomas Schenk aus.
Der musste der Freude der engagierten jungen Leute allerdings einen Dämpfer verpassen: Anders als in den Vorjahren sind Realschule und katholische Kirche der Wedemark in diesem Jahr die einzigen, die den Mecki-Laden in am Raschplatz in Hannover bedenken. In diesem Jahr sind für frühere Spender viele neue Projekte hinzugekommen, für die gespendet wird, weiß Schenk. Selbst wenn es noch insgesamt 100 Päckchen werden, die er am Montag nach Hannover bringt, wird diesmal bei der Weihnachtsfeier im Mecki-Laden erstmals darum gelost werden müssen, denn mindestens 130 Obdachlose werden erwartet. Einige von ihnen werden in diesem Jahr leer ausgehen. Schenk setzt seine Hoffnung jetzt in einen kurzfristigen Aufruf: Bis Montagmittag können bei der katholischen Kirche noch Päckchen für die Obdachlosen abgegeben werden. Vielleicht kommen doch noch soviele zusammen, dass kein Obdachloser am Heiligen Abend leer ausgeht.
Benötigt werden festlich eingepackte Geschenkpäckchen, etwa in Schuhkartongröße. Sie sollten keine Süßigkeiten, Kekse, Alkohol oder verderbliche Sachen enthalten. Bedarf besteht für Dosenwurst, Minisalamis, Papiertaschentücher, Deo, Einmalrasierer, Rasierschaum, After Shave, Zahnbürsten, Zahnpasta, Vitamintabletten, losen Tabak und Blättchen, Socken (mit Größenangabe), Handschuhe, Schals, Mützen, Gürtel, aber auch Üstra-Fahrkarten oder Taschenlampen mit Batterien. „Bitte von allem immer nur ein Teil, keine größeren Mengen einpacken, da die Wohnungslosen nichts lagern können“, so der Hinweis von Thomas Schenk, dem die aktuelle Situation großes Kopfzerbrechen bereitet. Seit 20 Jahren unterstützt die katholische Kirchengemeinde die Obdachlosenhilfe und den Mecki-Laden, seit 16 Jahren ist die Realschule Wedemark mit im Boot. Der Kontaktladen am Raschplatz ist eine niedrigschwellige Anlauf- und Vermittlungsstelle für Personal in besonderen sozialen Schwierigkeiten.
Der Kontaktladen bietet eine Kombination aus Anlaufstelle, Straßensozialarbeit und medizinischer Grundversorgung. Am Heiligen Abend gibt es im Kontaktladen traditionell eine Weihnachtsfeier, bei der die Geschenke für die Obdachlosen verteilt werden. „Ich habe mit dem Team im Kontaktladen gesprochen. Sie können einschätzen, dass rund 130 Personen erwartet werden. Und wenn nicht genügend Geschenke da sind, soll diesmal mit Fädenziehen gelost werden.“ Eine Vorstellung, die nicht nur Thomas Schenk Bauchschmerzen bereitet, s0ndern auch den Realschülern. Sie haben viel Zeit und Mühe darauf verwendet, die Päckchenaktion optimal zu organisieren. Ganz nach ihren Möglichkeiten haben die Schüler mit ihren Familien ein Päckchen gepackt oder sich zu zweit zusammengetan und auch die Lehrer haben sich beteiligt. Da gibt es Päckchen mit der Aufschrift „Für einen Mann“ oder “Für eine Frau“ oder „Für Damen und Herren“ und auch „Für Hundehalter“. „Man muss bedenken, dass dieses Geschenk das einzige ist, das so ein Wohnungsloser im Jahr bekommt“, sagt Thomas Schenk ernst. Er würde sich freuen, wenn bis Montagmittag noch das eine oder andere Päckchen bei der katholischen Kirche am Karpatenweg abgegeben werden würde.