Ohne Humor geht es nicht

Hat seinen Platz am Schreibtisch im Chefbüro gut gelaunt eingenommen: Mellendorf neuer Kommissariatsleiter Knut Hallmann. Foto: A. Wiese

Knut Hallmann ist „der Neue" bei der Polizei Mellendorf

Mellendorf (awi). Seit gestern sitzt er offiziell auf dem Stuhl am Schreibtisch im „Chefbüro“ des Polizeikommissariats Mellendorf: Knut Hallmann, Erster Hauptkommissar, wurde am Dienstag von Polizeipräsident Axel Brockmann offiziell zum Kommissariatsleiter und Nachfolger von Wolfgang Just ernannt, der zeitgleich in den verdienten Ruhestand verabschiedet wurde (das ECHO berichtete). Mittlerweile ist Just aus seinem Büro aus- und Knut Hallmann dort eingezogen – mit der Palme, die ihm seine Mellendorfer Kollegen zum Abschied geschenkt haben, als er vor fünf Jahren seine Position als Leiter des Kriminalermittlungsdienstes in Mellendorf mit einer im Stab des Einsatzdezernats der Polizeidirektion tauschte. „Wolfgang Just hat mich damals vom Hof gejagt", erzählte Hallmann am Dienstag bei seiner Ernennung schmunzelnd: „Ich sollte Erfahrungen sammeln und erst wieder kommen, wenn ich PK-Leiter werden will." Und da ist er nun wieder. Doch planbar sei dies nicht gewesen, betont der 53-Jährige ausdrücklich. „PK-Leiter, das ist eine ganz besondere Position im gehobenen Dienst und großes Glück. Die Stellen sind handverlesen. Natürlich muss auch die fachliche Leistung dahinterstehen, aber man muss auch zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein", gibt der neue PK-Leiter offen zu. Justs Empfehlung damals sei richtig gewesen, die Stabsarbeit wichtig. Er habe seine Qualitäten unter Beweis stellen können. „Bei der Polizei ist es wichtig, eine positive Grundeinstellung zum Beruf und zum Leben mitzubringen", weiß Hallmann. Er hat seine Führungsqualitäten in der Vergangenheit mehrfach bewiesen, zuletzt bei der Autobahnpolizei, einem unruhigen, schwierigen und verantwortungsvollen Posten. Bei seinem Freund und Kollegen Thomas Wahrendorff im Kommissariat Seelze habe er damals gelernt, dass das Sprichwort „Wer führt, ist einsam", nicht unbedingt zutreffen muss, erzählte Knut Hallmann beim offiziellen Zeremoniell am Dienstag seinen Gästen. Dennoch sei etwas dran, dass man immer mehr Nähe verliere, je höher man komme. „Das ist schade, aber dem System geschuldet. Ein Chef braucht eine gewisse Distanz, um gerecht entscheiden zu können", sieht Hallmann ein.
Kein Hehl macht er daraus, dass das Büro, das er jetzt bezogen hat, „in einem der schönsten Polizeigebäude in der PD Hannover" angesiedelt ist. Ein Gebäude, das unter der Leitung seines Bruder Dirk Hallmann errichtet und eingeweiht wurde. Denn sein Zwillingsbruder hat dieses Kommissariat auch schon einmal geleitet: von 2003 bis 2006. Es gibt einige Berührungspunkte auf den beruflichen Wegen der Zwiilinge, die in Hannover geboren wurden und beide 1976 zur Polizei gingen. Bis 1985 verlief ihre Ausbildung parallel. Auch das Praktikum in Neustadt absolvierten sie noch Seite an Seite. Dann jedoch übernahmen sie verschiedene Dienstabteilungen: Knut Hallmann ging zur SPI in Garbsen, dann zurück nach Neustadt, nach Nienburg, als Leiter ESD nach Seelze, als KED-Leiter nach Mellendorf, zum Stab, zur Autobahnpolizei und hat jetzt in Mellendorf einen Posten übernommen, den er eigentlich erst mit seiner Pensionierung wieder verlassen möchte. Dirk Hallmann hingegen war Mitte der 80er Jahre zunächst Dienstabteilungsleiter bei der Autobahnpolizei, dann bei der Polizei Garbsen, zwischendurch freigestellter Personalrat, Einsatz- und Streifendienstleiter bei der Autobahnpolizei, PK-Leiter in Mellendorf, bei der Pressestelle der PD-Hannover, im Ministerium und zuletzt jetzt wieder Leiter der Pressestelle der PD. Keine Frage, dass er in dieser Funktion auch an dem feierlichen Akt am Dienstag teilnahm, mit der Kamera in der Hand, was nicht verhinderte, dass er prompt wieder mit seinem Bruder verwechselt wurde. Aber das sind die beiden von Kindesbeinen an gewöhnt.
Mellendorfs neuer PK-Leiter Knut Hallmann lebt seit 23 Jahren in Rodewald, ist seit 1983 glücklich mit seiner Ulrike verheiratet und hat eine Tochter, die politische Kommunikation in Bielefeld studiert. „Ich hätte sie gern bei der Polizei gesehen und hab mich auch gefreut, dass sie reingeschnuppert hat, aber ihre berufliche Entscheidung in eine andere Richtung, akzeptiere ich natürlich voll und ganz", betont Hallmann, der nicht nur mit Leib und Seele, wie man so schön sagt, Polizist ist, sondern auch leidenschaftlicher Gewerkschaftler. Auch im Personalrat im Ministerium ist er nach wie vor vertreten, seinen Sitz im örtlichen Personalrat bei der PD Hannover hat er allerdings zum 31. Dezember niedergelegt. „Ist ja ein bisschen schwierig, wenn sich meine Mitarbeiter zum Beispiel beim Personalrat über mich beschweren wollen", meint er mit einem Augenzwinkern und lässt dabei etwas von dem ruhigen Humor durchblicken, der so typisch für ihn ist. „Es ist ganz wichtig, dass man Spaß am Leben und Freude an seinen Aufgaben hat, dann kommt die Leistung von ganz allein", ist er überzeugt und skizziert seinen Führungsstil: „Konsequent in der Umsetzung von Zielen unter der Prämisse, die Mitarbeiter mitzunehmen und zu überzeugen statt anzuordnen". Ein gutes Betriebsklima hat für ihn oberste Priorität. Mit dem hervorragenden Gebäude und einem Kollegium, das schon jetzt sehr gute Arbeit leiste, finde er da sehr gute Rahmenbedingungen vor, freut sich der neue Polizeichef. Wichtig sei, im Zusammenleben immer gewisse Regeln zu beachten, sich vor allem mit gegenseitigem Respekt zu begegnen. In Mellendorf will Hallmann jetzt in den nächsten Tagen und Wochen erst mal „ankommen", erste Sondierungsgespräche mit Bürgermeister Tjark Bartels und Gemeindebrandmeister Michael Hahn führen. Und auch zur politischen Ebene will Hallmann die Kontakte pflegen und Gespräche mit der Landtagsabgeordneten Editha Lorberg und Bundestagsabgeordneten Caren Marks führen. „Ich denke, ein Jahr braucht man, um die wichtigsten Netzwerke geknüpft zu haben und effektiv arbeiten zu können", mutmaßt der neue PK-Leiter. Und natürlich hofft er, auch seinem Hobby, dem Sport, weiter umfassend nachkommen zu können. Das aktive Fußballspielen hat er zwar im vergangenen Jahr aufgegeben, legt jedoch großen Wert auf sportliche Fitness, die er mit Laufen und Schwimmen trainiert. Beim SSV Rodewald legt er regelmäßig das Sportabzeichen ab. Wedemarks Gauner sollten sich also vorsehen: Zur Not sprintet der Polizeichef höchstpersönlich hinter ihnen her und die Chancen, dass er sie einholt, stehen gut!