Organspende in ein positives Licht rücken

Manuela Knigge hat ihren Internetblog über Organspende in einem Buch verarbeitet. Foto: Th. Schirmer

Wedemärkerin veröffentlicht Buch aus der Betroffenen-Perspektive

Wedemark (sch). Der aktuelle Manipulationsskandal um die Vergabepraxis von Organspenden hat eine breite Diskussion ausgelöst. Dabei ist die willkürliche Vergabepraxis einzelner Ärzte und Krankenhäuser nur ein Symptom für ein viel größeres Problem: Es gibt viel zu wenig Organspenden in Deutschland. Wie es sich anfühlt, seit Jahren vergeblich auf ein Spenderorgan zu warten, weiß Manuela Knigge aus Elze nur allzu gut. Seit vier Jahren ist sie für eine Leber- und Nierenspende gelistet und hat ihre persönliche Betroffenheit durch die Einrichtung eines Internetblogs zum Thema Organspende aufgearbeitet. „Mit der Unterschrift für die Transplantation bin ich erst einmal in ein Loch gefallen, aus dem ich über Monate nicht rausgekommen bin“, schildert Manuela Knigge den Beginn ihrer ganz persönlichen Leidensgeschichte. Durch Zufall entdeckte sie schließlich im Internet verschiedene Foren, in denen sich Betroffene über ihre Krankheitsbilder austauschen. Spontan beschloss sie, einen Blog für Organspendepatienten einzurichten, um mit diesem Hilfsmittel Kontakt zu Menschen mit ähnlichem Schicksal zu knüpfen. Dabei wollte sich Manuela Knigge vor allem auch „selbst wieder aus dem Sumpf ziehen“. Sehr überrascht sei sie nach dem Start ihres Angebotes gewesen, wie viel Resonanz auf ihren Blog gleich in der Startphase erfolgte. Mittlerweile habe sich ihr Internetblog unter der Web-Adresse www.transplantationundandereprobleme.blogspot.com zu einer bundesweit frequentierten Plattform entwickelt, über die sich Betroffene, Angehörige und Interessierte austauschen. „Sogar aus dem Ausland loggen sich Nutzer des Blogs ein“, erläutert Manuela Knigge. Der Erfolg ihrer Initiative schlägt sich nun auch in der Verarbeitung ausgesuchter Blogbeiträge in einem Buch nieder. Unter dem Titel „Bitte warten…! Plötzlich Wartepatient…und was sich dadurch alles ändert.“ fasst sie das Thema Organspende aus Sicht der Betroffenen ebenso authentisch wie lebendig zusammen. Zunächst habe sie dem Angebot des Verlages, der sich auf Bücher über Internetblogs spezialisiert hat, mit gewissem Misstrauen gegenüber gestanden. Schließlich habe sie eine Freundin jedoch davon überzeugen können, den Schritt einer Veröffentlichung in Buchform zu gehen. Danach kam erst einmal eine Menge Arbeit auf sie zu, bevor das fertige Werk in seiner nun erhältlichen Form entstand. Blogs mussten gesichtet, ausgewählt, kommentiert und redigiert werden. Wie wichtig es ihr ist, aus der Passivität des Wartens auszubrechen und das Thema Organspende öffentlich zu machen, betont sie insbesondere vor dem Hintergrund der aktuellen Missbrauchsvorwürfe. „Das ist etwas, was nicht hätte passieren dürfen“, urteilt Manuela Knigge. „Man wartet so schon lange genug. Mit diesem Skandal wird sich für viele vermutlich alles noch weiter nach hinten verschieben“, bedauert sie die momentane Verunsicherung in der Bevölkerung. „Wenn man weiß, dass es eigentlich nur um Geld geht, wird man wütend. Es darf meiner Meinung nach keine finanziellen Anreize in Sachen Transplantationen geben. Immer wenn Geld im Spiel ist, kann auch so ein Missbrauch passieren“, kritisiert sie. Wie zäh das Warten und die Einstufung als Patient sein kann, schildert Manuela Knigge an ihrem eigenen Fall. Obwohl sie bereits seit vier Jahren für eine Kombitransplantation gelistet ist, hat sie erst im Februar mit dem Beginn ihrer Dialyse einen neuen Status erhalten. „Ich bin damit quasi neu gelistet“, erklärt sie und kritisiert die Verfahrensweise: „Ich verstehe den Sinn dahinter nicht, dass es den Menschen erst einmal so schlecht gehen muss, dass es nicht mehr ohne Transplantation geht, bevor etwas passiert.“ Prinzipiell sollte den Menschen aus ihrer Sicht früher geholfen werden, um den Transplantationserfolg nicht zu gefährden. Oftmals seien die Patienten am Ende in einem so schlechten Zustand, dass sich ihre Überlebenschancen dadurch deutlich mindern. Innerhalb der Bevölkerung sieht Manuela Knigge noch zu wenig Verständnis für das schwierige Thema. Auch die Perspektive der Betroffenen scheinen viele Menschen nicht einnehmen zu wollen. „ Es ist auch für mich nicht einfach, Organe von verstorbenen Menschen anzunehmen“, betont sie. Die derzeitige Diskussion um den Manipulationsskandal mache viele Betroffene wütend, wie in ihrem Blog nachzulesen sei. Manuela Knigge zeigt sich aber auch überzeugt, dass die Wartenden mit solch einer Haltung nicht weiterkommen. Es ist ihr ein besonderes Anliegen, das Thema Organspende wieder in ein positives Licht zu rücken. Mit ihrer offenen und positiven Haltung ist die Elzerin ein lebendiges Beispiel dafür, wie gesund die ehrliche und öffentliche Auseinandersetzung mit einem ebenso schwierigen wie oft verdrängten Thema sein kann. Ihr Buch ist im Verlag Bloggingbooks unter der ISBN-Nummer 978-3841770660 erschienen und kostet 22,90 Euro.