Orgel und Gesang in St.-Georgs-Kirche

Kirchenvorstandsmitglied Wilfried Bruch (links) bedankt sich bei Marit und Alexander Kuhlo für ihr großartiges Konzert in der St.-Georgs-Kirche. Foto: B. Stache
 
Rolf Barth (von rechts) nimmt Dank und Wein von Wilfried Bruch entgegen. Alexander und Marit Kuhlo freuen sich. Foto: B. Stache

Feierliches Konzert mit Marit und Alexander Kuhlo am Erntedanksonntag

Mellendorf (st). Die Evangelisch-lutherische St.-Georgs-Kirchengemeinde Mellendorf hatte am Erntedanksonntag zum Orgelkonzert in ihre Kirche eingeladen. Es war dies das 40. Konzert einer Veranstaltungsreihe, die auf Anregung von Professor Ulrich Bremsteller vor 13 Jahren ins Leben gerufen wurde – 2003 feierte die Kirchengemeinde das 25-jährige Jubiläum ihrer Schuke-Orgel. Für das neunzigminütige Konzert konnten die Sopranistin Marit Kuhlo und ihr Ehemann und Organist Alexander Kuhlo gewonnen werden. Dieser begann mit einer virtuosen Konzertbearbeitung des Concerto in d-Moll von Johann Sebastian Bach nach Antonio Vivaldi, dessen Musik Bach kongenial auf die Orgel übertragen hat. Die eingangs (Tempo ordinario) schnellen Tempowechsel gingen ins Grave über, gefolgt von einer kraftvollen Fuge. Getragen dann das Largo e spiccato, mit leichter Figuration, sowie ein ebenso gefälliges Allegro. Nach diesem ersten Orgelspiel, das den gesamten Kirchenraum erfüllte, stellten sich die beiden Künstler ihrem Publikum vor. Marit Kuhlo wurde in der Hansestadt Greifswald geboren. Begleitend zu ihrem Jurastudium absolvierte sie an der Georg-August-Universität Göttingen eine private Gesangsausbildung. Bereits während des Studiums war sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin an einem Lehrstuhl für Medizinrecht tätig. Gemeinsam mit ihrem Mann Alexander Kuhlo erarbeitete sich die Sopranistin ein breites Repertoire mit vornehmlich geistlicher Musik. Alexander Kuhlo stammt aus Herford und studierte Evangelische Kirchenmusik an der Hochschule für Musik und Theater in Hannover. Nach weiteren Aufbaustudien mit Schwerpunkt „Französische Orgelmusik“ war er vier Jahre lang Kantor in der Trinitatisgemeinde Reichenbach im Vogtland. 2006 wechselte er auf die Kreiskantorenstelle in der Stephanusgemeinde Göttingen. Nach zweieinhalb Jahren als freischaffender Konzertorganist und Chorleiter in Göttingen nahm Alexander Kuhlo 2012 die A-Kreiskantorenstelle im Kirchenkreis Altenkirchen/Westerwald an. Bis 2016 spielte er das gesamte Orgelwerk von Johann Sebastian Bach an den Orgeln seines Kirchenkreises. Zum September 2016 trat er die A-Stelle als Dekanats-Kantor im Kirchenkreis Stuttgart-Nord (KGM Zuffenhausen) an und setzt dort sein kantorales Wirken fort. Beim Konzert in der St.-Georgs-Kirche sang Marit Kuhlo die berühmten „Biblischen Lieder“ op. 99 von Antonin Dvorák – in einer für Orgel bearbeiteten Fassung von Alexander Kuhlo, der seine Ehefrau auf der Schuke-Orgel begleitete. Die Sopranistin brachte mit ihrer wunderbaren, klaren Stimme die tiefsinnigen Psalmtexte eindrucksvoll zum Klingen. Der Organist hatte sein Orgelspiel harmonisch auf die Gesangsstücke abgestimmt. War es der Tod seines Vaters, der Dvorak 1894 zu diesen tief empfundenen Gesängen über Psalmverse inspirierte? Dvoráks Biblische Lieder Opus 99 entstanden im März 1894 in New York. Mit Klage, Fürbitte, Angst, Zuversicht, Lob Gottes und Vertrauen auf dessen Hilfe formulierte der Komponist in seinem Werk ein persönliches Bekenntnis in beklemmender Situation weit weg von der böhmischen Heimat. Nach dem ersten Liedbeitrag seiner Ehefrau spielte Alexander Kuhlo Variationen in E-Dur über das Volkslied „Heil dir im Siegerkranz“ von August Gottfried Ritter. Der Organist erweckte mit kraftvollem Spiel und den Klangfarben der Schuke-Orgel das Musikstück scheinbar zu neuem Leben – mal mächtig und dann wieder sanft interpretiert. Sein drittes Orgelspiel, Ernst Pepping Concerto I in C für Orgel, kündigte er besonders an. „Man muss sich in die Klanglichkeit von Ernst Pepping einhören.“ Trotz einiger harmonischer Dissonanzen zeigte sich das Werk schließlich doch als musikalische, hörenswerte Einheit. Als Zugabe sang Marit Kuhlo das Requiem von Andrew Lloyd Webber, erneut von Ehemann Alexander an der Orgel begleitet. Kirchenvorstandsmitglied Wilfried Bruch dankte den beiden Künstlern für ihre großartigen Beiträge und überreichte Blumen und Wein. Dank und eine Flasche gab es auch für Rolf Barth, den langjährigen Organisator der Orgelkonzertreihe. Im Anschluss hatte der Kirchenvorstand zum Plaudern bei einem Glas Wein ins Gemeindehaus eingeladen.