Pfarrer Hesse verlässt die Gemeinde

Pfarrer Stefan Hesse hat eine Entscheidung getroffen und verlässt Mellendorf. Foto: A. Wiese

Priester wechselt zur alt-katholischen Kirche in den Schwarzwald

Mellendorf/Schwarmstedt (awi). Die Katholischen Kirchengemeinden St. Maria Immaculata Wedemark und Heilig Geist Schwarmstedt teilen mit, dass Pfarrer Stefan Hesse mit Wirkung vom 13. Februar von Bischof Norbert Trelle auf eigenen Wunsch hin von allen Pflichten in den Pfarreien in der Wedemark und Schwarmstedt entbunden wurde. Ursache dafür sei seine Entscheidung, ins Katholische Bistum der alt-katholischen Kirche zu wechseln. Zum 1. Mai tritt er eine neue Stelle in Blumberg im Schwarzwald an. Neben vielen anderen Gründen sei der Hauptauslöser, dass er sich für eine feste Partnerschaft mit einer Frau entschieden habe, die mit dem Zölibat nicht vereinbar sei. Das Amt als Pfarrer der Gemeinden in der römisch-katholischen Kirche muss er damit also niederlegen. Um weiter als Priester und Pfarrer arbeiten zu können, habe er sich mit seiner Partnerin zu diesem wesentlichen und durchaus nicht einfachen Schritt entschlossen. Der Entscheidung sei ein langer, oft schmerzhafter Prozess vorausgegangen. Hesse sagt in seiner Einstellung zur alt-katholischen, dass dort ein Arbeiten in einer Struktur möglich sei, die ganz normale, für heute selbstverständliche Formen der Mitbestimmung und Kommunikation pflege, die er im Umgang mit dem Bistum an einigen Punkten vermisst habe. Dies sei etwas, was er hier in den Gemeinden nach Kräften aufgebaut habe. Er sei sich im Klaren darüber, dass der eine oder andere diesen Entschluss nicht nachvollziehen könne, möglicherweise darüber auch enttäuscht sei. Eine solche Reaktion kann Pfarrer Hesse verstehen. Zugleich bittet er um Verständnis dafür, dass er nicht dauerhaft in einem Gewissenskonflikt leben könne, sondern die nötigen Konsequenzen ziehen musste. In den vergangenen zehn Jahren, in denen er als Diakon und Priester in verschiedenen Gemeinden im Bistum Hildesheim arbeiten durfte, habe er diesen Dienst bis zum Schluss mit großer Freude und innerer Beteiligung getan, so Hesse. „Nun tue ich ihn an anderer Stelle in einer anderen katholischen Kirche weiter.“

Der Kommentar:
Respekt vor dem Mut von Pfarrer Stefan Hesse! Er hat eine Entscheidung getroffen und öffentlich vertreten, bei der er weder seine Gefühle verleugnen noch seinen Beruf aufgeben muss. Zwar als Pfarrer für die römisch-katholische Kirche, aber er kann weiter Priester sein und als solcher in einer Gemeinde arbeiten. Die Alt-Katholiken begründen die Freigabe, ob ihre Geistlichen und Mitarbeiter in Ehe und Familie leben wollen, damit, dass das neue Testament beide Lebensformen kennt. Offensichtlich ist sie schon vor 135 Jahren an einem Punkt gewesen, an dem ihre römisch-katholische Schwester erst ankommt, wenn sie gar keinen Priesternachwuchs mehr hat. Anke Wiese