Pferdezucht in der Ortschaft Wiechendorf

Auch diese historische Aufnahme von Bernhard Mente findet sich in der Wiechendorfer Chronik.
 

Annemarie Buschbaum hat zu diesem Thema interessante Details zusammengetragen

Wiechendorf. Dass die Pferdezucht in Wiechendorf einen großen Stellenwert hatte, darauf stieß Annemarie Buschbaum bei ihren Nachforschungen immer wieder. Hier einige Auszüge aus dem Kapitel „Pferdezucht“: „Nach dem Kriege hatten Pferde weitgehend als landwirtschaftliche Helfer ausgedient. Allerdings waren auf den Höfen von Heinrich Mente, Bernhard Mente und H. Harke bis Mitte der 60er Jahre noch Pferde zuhause und 1967 kam bei Bernhard Mente noch ein Fohlen auf die Welt.
Doch auch danach wurden und werden in Wiechendorf Pferde gezüchtet: Auf dem Haasen-Hof – H. Göries – Bernhard Mernte, heute Hof-Nebe begannen 2003 Tatjana und Bernd-Henning Nebe wie die Vorfahren mit der Zucht von Hannoveranern. In den Boxen stehen: Zwei Zuchtstuten (sie stammen von den Celler Hengsten Wolkenstein-Bolero und Grandecru-Langau), zwei dreijährige Stuten, ein Jährling, ein sechsjähriger Wallach.
Weiter sind bei Nebe etwa 20 Pensionspferde (Pony u. Reitpferde) untergestellt und Tatjana erteilt – als Amateur-Reitlehrerin – vielseitigen Reitunterricht.
1982: Jacob`s begannen auf dem großen Grundstück zwischen Dis-telkamp und Ziegeleiweg mit der Zucht von Hannoveranern. Vor dem Einzug in die neu aufgebauten Gebäude (Wohnhaus, Hauptstall, Aufzuchtstall und Reitbahn) standen einige Stuten schon bei Heinrich Mente und das erste Fohlen wurde dort geboren. Nun wurde mit sechs Stuten gezüchtet, als Ziel ergab sich: Dressurpferde. In Aufzucht und Grundausbildung der Fohlen wurde mit Auszubildenden gearbeitet, Bereiter des Landgestütes Celle halfen bei der Ausbildung; die Vermarktung erfolgte vielfach über die Verdener Auktion. Außer Celler Hengsten deckten auch die hochwertigen Hengste vom Gestüt Wiechenhof /Freise die Stuten, viele Erfolge stellten sich ein, der größte ist wohl die Aufzucht des Hannoveraners Bonaparte (1993 geboren), der große Berühmheit erlangte. Er wurde als Fohlen vom Amselhof/Winsen (Joachim Kemmer) gekauft und von Heike Kemmer zu vielen Siegen geritten. Ein Beispiel: 2004 Mannschaftsgold Olympische Spiele Athen, 2008 Mannschaftsgold und Einzelbronze Olympische Spiele Hongkong. „Bonaparte“ steht 2009 in der Rangliste der 50 erfolgreichsten Dressurpferde an zweiter Stelle!
2004 wurde Monika Jacob-Goldek vom Nieders.ächsischen Ministerium für den ländlichen Raum, Ernährung, Landwirtschaft u. Verbraucherschutz mit der Goldenen Plakette als Züchterin eines erfolgreichen Hannoveraner Turnierpferdes ausgezeichnet. 2005 mußte der Zuchtbetrieb aus Gesundheitsgründen eingestellt werden. 1986 kaufte Horst Adolf Freise den Wessen-Hof von v.d. Wroge und errichtete dort das Gestüt Wiechenhof. Außer dem Stallgebäude und der Deckstation wurden Wohn- und Hotelräume ausgebaut und die Gastwirtschaft wieder hergerichtet. Die alte Hofanlage mit dem großen Innenhof bekam ein neues großzügiges Ansehen – da war nun wieder Betrieb. Feste wurden gefeiert, die Weiden waren voller Stuten und Fohlen. Freise besaß sechs Super-Hengste (zum Teil von H. Schockemöhle, so auch den Holsteiner Hengst „Landsdown“) und schon 1989 wurden 240 Stuten gedeckt (die Zahl erhöhte sich, auch nach Einrichtung der künstlichen Besamung). Das Gestüt fand nicht nur bei Züchterverbänden im In- und Ausland Interesse.
Auch Hunderte von Galloways (schottischen Fleischrinder) weideten bei Horst Freise auf gepachteten und gekauften Wiesen. Doch 1995 kam das große Aus für den „Automatenkönig“ Freise – Zwangsvollstreckung (Verdacht auf BSE in seinem Viehbestand). 1959 erwarb Petra Draper mit Ehemann David das Grundstück Am Taubenfelde 7; unter schwierigen Umständen entstanden bis 2000 das schöne Fachwerkhaus und die Garagen. Die Boxen für die Pferde befinden sich in der ehemaligen Schnehageschen Scheune, die zu diesem Zwecke fachgerecht umgebaut wurde, so dass Pferde und Hausbewohner immer in Kontakt miteinander sein können. 4 ½ ha Weideland sind in Wiechendorf gepachtet. Frau Draper (1959, Godshornerin) war von klein auf eine große Pferdeliebhaberin, die auf der Bult/Langenhagen oft als Pferdepflegerin half. Als 16-Jährige ritt sie ihr erstes Rennen als Amateurreiterin. Im Laufe der Zeit wurde sie zehnmal Niedersachsenmeister und einmal Deutsche Meisterin. Ihre Ausbildung: Amateur-Rennpferdezüchterin und Huforthopädin, auch pädagogische Mitarbeiterin in einer Mellendorfer Schule; tätig auf dem Flughafen Langenhagen. Hauptberuf heute: Huforthopädie (nach der Bienatlehre). Es werden Englische Vollblüter gezüchtet, Stammstute: Public Spirit, aus der bekannte Rennpferde mit Siegertrophäen hervorgingen – sie sind europaweit erfolgreich. Heute sind drei Rennpferde und zwei Mutterstuten in ihrem Besitz. Die Rennpferde stehen während der Rennsaison auf der Bult, die übrige Zeit aber genießen sie das Wiechendorfer Zuhause, die Weiden und das Zusammensein mit den Mutterstuten. Frau Draper trainiert ihre Pferde selbst. Eines ihrer Anliegen ist es, hufkranke Rennpferde gesund zu pflegen, was ihr mit großem Erfolg gelingt.“