Photovoltaikanlage setzt Dachstuhl in Brand

Von der Drehleiter aus bekämpften die Feuerwehrleute die Flammen, die aus dem Dach schlugen. Foto: A. Wiese
 
Es brannte die Dämmung unter der Photovoltaikanlage

120 Einsatzkräfte aus elf Ortswehren in Aktion – Haus ist nicht mehr bewohnbar

Brelingen (awi). Vier Tage zuvor hatte die Feuerwehr Wedemark beim Gemeindefeuerwehrtag in Brelingen ihre Einsatzstärke und -vielfalt in Übungsszenarien und Präsentationen demonstriert. CDU-Ortsbürgermeisterkandidat Hannes Euskirchen und seine Frau gehörten zu den interessierten Zuschauern, beeindruckt von den Möglichkeiten der Feuerwehr.
Wie schnell man die Hilfe der Feuerwehr tatsächlich benötigen kann, erfuhr die Familie am Donnerstagnachmittag real, als ihr Einfamlienhaus Hinter Kuhls Garten in Flammen stand. Vermutlich hatte ein Defekt in der Photovoltaikanlage den Dachstuhlbrand ausgelöst. Die Ermittlungen der Kriminalpolizei dauern noch an. Bei 33 Grad im Schatten kämpften 120 Feuerwehrleute aus elf Ortswehren stundenlang darum, das Feuer, das sich in der Dämmung ausgebreitet hatte, in den Griff zu bekommen.
Nach dem Brand einer Photovoltaikanlage eines Einfamilienhauses in Brelingen ist dieses vorerst nicht mehr bewohnbar. Personen sind nicht verletzt worden. So verhältnismäßig unspektakulär klingt die offizielle Polizeimeldung. Nachbarn hatten am Donnerstag gegen 15.10 Uhr die Einsatzkräfte alarmiert, als sie starke Rauchentwicklung im Bereich des Dachstuhls bemerkten. „Ich war gerade mit dem Hund, da seh ich den Qualm und denke noch so, warum heizen Euskirchens denn bei dem Wetter“, berichtet ein Nachbar, der inzwischen als Feuerwehrmann an der Brandstelle im Einsatz ist. Als er und seine Kameraden aus Brelingen Minuten später eintrafen, stand die Photovoltaikanlage bereits im Vollbrand. „Dieser konnte jedoch anschließend zügig unter Kontrolle gebracht und gelöscht werden“, heißt es in der Polizeimeldung. Zur Zeit des Ausbruchs des Feuers hielten sich keine Personen in dem Haus auf. Mutter und Tochter kamen mit dem Hund gerade nach Hause, als die Feuerwehrleute bereits mit den Löscharbeiten beschäftigt waren und starrten fassungslos auf das Szenario. „Hauptsache niemandem ist etwas passiert“, diese Aussage des rund eine halbe Stunde später eintreffenden Hannes Euskirchen, der sich an seinem freien Nachmittag ohnehin gerade auf dem Nachhauseweg befunden hatte, war trotz des mittlerweile auf 300.000 Euro bezifferten Schadens der Tenor aller am Donnerstagnachmittag. „Ein Haus“, so war man sich einig, „kann man ersetzen“. Noch gestern nachmittag meldete die Polizei, dass sich ein technischer Defekt im Dachbereich als Brandursache bestätigt habe. Das Haus werde nicht mehr bewohnt werden könnten. Nichtsdestotrotz arbeiteten die Einsatzkräfte der Feuerwehr im wahrsten Sinne des Wortes im Schweiße ihres Angesichts, um den Sachschaden so gering wie möglich, aber dennoch irgendwann zuverlässig „Feuer aus“ melden zu können. Ganz so einfach wie es in der Polizeimeldung klingt, war das aber nicht, das geht auch aus dem Einsatzbericht der Feuerwehr hervor. Um 15.10 Uhr trafen in der Leitstellein Hannover die ersten Meldungen über eine Rauchentwicklung aus dem Dachgeschoss eines Gebäudes in Brelingen ein. Daraufhin wurden zunächst die Feuerwehren Brelingen, Negenborn und Mellendorf alarmiert. Schon als die ersten Kräfte eintrafen, traten große Mengen Rauch aus dem Dachgeschoss aus, so dass die Alarmstufe sofort erhöht wurde. Im Laufe des Einsatzes kamen dann Abbensen, Berkhof, Bissendorf, Elze, Meitze, Resse, Wennebostel und Langenhagen mit einer zweiten Drehleiter dazu, außerdem Rettungsdienst und Polizei. Zu Beginn hatten die Einsatzkräfte Probleme bei der Löschwasserversorgung. Aufgrund des hohen Wasserbedarfs musste das Löschwasser zum Teil über lange Schlauchleitungen zur Einsatzstelle transportiert werden, da der in unmittelbarer Nähe befindliche Hydrant nicht genug hergab, so dass in den ersten Minuten von der Mellendorfer Drehleiter aus nicht mit Wasser gelöscht werden konnte. Als problematisch erwies sich außerdem die auf der Dachfläche verbaute Solarthermie-Anlage. Unterhalb der Anlage konnte sich das Feuer unbemerkt ausdehen und ein Entfernen der immer noch stromführenden Anlage war kaum möglich. Daher musste mti großem Aufwand und vielen Atemschutzgeräteträgern die Dachfläche von innen geöffnet werden, um an die Glutnester in der Dämmebene des Hauses zu kommen. Im Firstbereich des Daches wurde die Dachhaut auch von außen geöffnet, denn die sehr gut abgedichteten Ziegel des erst sieben Jahre alten Hauses ließen so gut wie kein Löschwasser durch, berichteten Einsatzkräfte. Die Maßnahmen zogen sich bis in die Abendstunden hinein. Von den Drehleitern aus Mellendorf und Langenhagen wurde Wasser und später auch Schaum auf das Dach gebracht, um das Feuer zu löschen. Immer wieder qualmte es jedoch aus Bereichen des Daches und erforderte erneut das Eingreifen der Feuerwehr. Die letzten Einsatzkräfte verließen die Einsatzstelle erst nach acht Stunden nach 23 Uhr. Soviel zu „zügig gelöscht“ aus dem Polizeibericht. Durch die für die Tageszeit unter der Woche recht gute Verfügbarkeit der Kräfte konnten die an vorderster Front eingesetzten nach relativ kurzen Intervallen abgelöst werden und waren dennoch vor allem auch aufgrund der extremen Temperaturen an der Grenze ihrer Leistungsfähigkeit. Dennoch gab jeder ohne zu fragen alles, auch wenn er hinterher völlig erledigt im Schatten seines Einsatzfahrzeuges saß und sich ein Kühlpack an die Stirn hielt. Bemerkenswert war die Hilfsbereitschaft der Anlieger aus dem Baugebiet. Kistenweise wurde Mineralwasser für die Einsatzkräfte und die betroffene Familie herbeigebracht und Hilfe angeboten. Für Hannes Euskirchen ist jedenfalls der Kommunalwahlkampf zunächst einmal in den Hintergrund gerückt.