Pippa Bartels trainiert auch nachts

Das Inklusionsteam „Special Unified Lions“ beim Fototermin in Lindwedel mit Teamchef Lutz Tantow (von links), Philippa, Henrik und Katrin Bartels sowie weiteren Mitgliedern. Foto: B. Stache

Mit dem Inklusions-Radteam „Special Unified Lions“ quer durch Amerika

Lindwedel (st). Das ausgiebige Frühstück im Café der Bäckerei Vatter in Buchholz (Aller) hatten sich alle, Radrennfahrer wie Betreuer, redlich verdient. Davor lagen mehr als 250 Kilometer im Sattel beziehungsweise im Begleitfahrzeug – bei Nacht! Vergangenen Freitagabend starteten die acht Radrennfahrer des Inklusions-Radteams „Special Unified Lions“ in Lindwedel zur nächtlichen Trainingsfahrt. „Wir sind gestern von 21 Uhr bis heute früh sieben Uhr mit den Rädern unterwegs gewesen. Das dient der Gewöhnung an den geänderten Schlafrhythmus während des Rennens in den USA mit seinen Tag- und Nachtfahrten“, erklärte Teamchef Lutz Tantow. Die „Special Unified Lions“ hatten sich für die anspruchsvolle Trainingseinheit im Hause der Familie Katrin und Henrik Bartels in Lindwedel getroffen. „Dem Team gehören die Hobby-Radrennfahrer Katrin Bartels, Kathrin Schlieter aus Hamburg sowie die Braunschweiger Torsten Bierwisch und Roland Holz an. Die vier Fahrradfahrer mit geistiger Behinderung sind Pippa Bartels aus Lindwedel, Matthias Dangl aus Mindelheim im Allgäu, David Pancke aus Birkendorf/Schwarzwald und Andreas Winter aus Hamburg-Bergedorf“, zählte Lutz Tantow auf. Philippa Bartels, die auch von ihren Sportkameraden freundschaftlich Pippa genannt wird, hatte 2015 mit dem nationalen Radteam von Special Olympics Deutschland an den Special Olympics World Games in Los Angeles teilgenommen und jeweils Gold, Silber sowie Bronze gewonnen. Jetzt trainiert sie mit den „Special Unified Lions“ für die Teilnahme am Race Across America (RAAM), einem zirka 5000 Kilometer langen Radrennen von Oceanside/San Diego an der Westküste Amerikas bis zur Ostküste nach Annapolis, Maryland. Pippa startet mit ihrem 20-köpfigen Team am 18. Juni in das amerikanische Rennen, das seit 1983 nun zum 35. Mal stattfindet. In diesem Jahr sollen 138 Mannschaften aus 23 Nationen daran teilnehmen. Die Strecke führt unter anderem durch das Monument Valley, über die Rocky Mountains, durch 600 Kilometer Prärie und über den Mississippi River. Für die 3000 Meilen lange Strecke unterliegen die Einzelfahrer einem Zeitlimit von zwölf Tagen, Teams wie die „Special Unified Lions“, von denen ein Fahrer immer im Sattel sein muss – Tag und Nacht – haben eine Vorgabe von acht Tagen. Die Betreuung der Fahrer wird unter anderem durch einen eigenen Koch und Physiotherapeuten sichergestellt. „Unser Kamerateam dreht über das Rennen einen Film, der im Herbst in Kinos der Region Hannover, Hamburg und Braunschweig kommt“, kündigte Lutz Tantow an. Zwei zehn Meter lange Wohnmobile und zwei Vans, die als Verfolgerfahrzeuge den Radrennfahrern den Rücken freihalten, gehören zum Tross. „Die Strecke führt unter anderem entlang viel befahrener Hauptverkehrsstraßen und Highways von zwölf Bundesstaaten durch je vier Zeit- und Klimazonen“, berichtete der Teamchef. Europa Haus Invest GmbH aus Hannover ist seit 2011 der Hauptsponsor der gemischten Radgruppe „Special Unified Lions“, die auch durch Rufin cosmetic Hannover und weitere Sponsoren aus dem Raum Braunschweig gefördert wird. Während der USA-Rennteilnahme des Teams besteht die Möglichkeit sich als Sponsor einzubringen. Hierbei können für insgesamt 55 Kontrollpunkte, sogenannte Time Stations, die entlang der Strecke aufgebaut sind, Spenden abgegeben werden. „Es wird dann ein Namensschild mit Dank an den Spender werbewirksam am entsprechenden Kontrollpunkt aufgestellt, fotografiert und ins Internet gestellt“, gab Lutz Tantow bekannt. Dieser Spendenbetrag kommt der Evangelischen Stiftung Neuerkerode im Landkreis Wolfenbüttel zugute. Dort soll eine Fahrradschule für Menschen mit geistiger Behinderung eingerichtet werden. Kontaktdaten für diese Spendenaktion finden sich im Internet unter www.sull-raam.de. „Das Inklusionsteam möchte beweisen, dass Menschen mit und ohne Behinderung auch gemeinsam zu außergewöhnlichen Leistungen fähig sind. Wir möchten aber auch anderen Menschen mit Behinderung durch diese Aktion Mut machen“, sagte der „Special Unified Lions“-Teamchef Lutz Tantow.