„Politik mit Ecken und Kanten“

Ex-Verteidigungsminister Peter Struck las aus seinem Buch

Bissendorf. Am Mittwoch las Bundesverteidigungsminister a.D., Peter Struck, auf Einladung der SPD Bissendorf-Wennebostel aus seinem Buch „So läuft das - Politik mit Ecken und Kanten -“ im ausgebuchten Bürgerhaus in Bissendorf. Struck traf auf ein politisch und literarisch interessiertes Publikum und dieses einen gut aufgelegten Politiker der Spitzenklasse. Die SPD Bissendorf-Wennebostel, mit ihrem Vorsitzenden Walter Wilke, hatte Anfang des Jahres mit ihrem literarischen Angebot gleich zwei Mal Glück. Erstens konnte sie den ehemaligen Bundesverteidigungsminister und Vorsitzenden der SPD Bundestagsfraktion am 25. Januar für eine Lesung seines Buches in Bissendorf gewinnen. Zweitens gelang es ihr ungewöhnlich schnell einen Ersatztermin mit Struck zu vereinbaren als dieser am 25. Januar wegen der Witterungsverhältnisse absagen musste. Am 9. Februar konnte Walter Wilke dann den populären Gast begrüßen. Trotz des zeitgleich im Fernsehen übertragenen Länderspiels zwischen Deutschland und Italien war der Bürgersaal bis auf den letzten Platz besetzt.
Neben einigen vorgelesenen Passagen aus seinem Buch, verstand es Struck, mit im Plauderton vorgetragenen Details aus dem politischen Machtzentrum in Berlin die Zuhörer in seinen Bann zu ziehen. Spannend schildert Struck die Zeit nach dem Wahlsieg der SPD 1998. Unmittelbar danach brachen allerdings auch die Spannungen in der Führungsriege der Sozialdemokraten aus, die schließlich mit der „Flucht“ von Lafontaine aus der Regierung und der SPD ihren Höhepunkt erreichte. Einiges wurde noch einmal deutlich: Nach wie vor steht er zum Afghanistaneinsatz der Bundeswehr „Deutschland wird auch am Hindukusch verteidigt.“ Im Gegensatz zu seiner Zeit als Verteidigungsminister scheut er heute das Wort „Krieg“ beim Afghanistaneinsatz der Bundeswehr nicht mehr. Allerdings macht er heute keinen Hehl mehr aus seinem kritischen Verhältnis zur damaligen und heutigen politischen Elite in Afghanistan. Auch über das vor und während des zweiten Irakkrieges nicht gerade freundschaftliches Verhältnis zwischen ihm und dem damaligen US Verteidigungsminister Donald Rumsfeld sprach Struck in aller Offenheit, geschmückt mit im Gegensatz zu damals erheiternden Anekdoten. Es ist dem ungedienten Verteidigungsminister a.D. noch heute anzumerken, das ihm die Aufgabe und die Zuständigkeit für 250 000 Menschen in der Bundeswehr nicht nur ausgefüllt, sondern auch fasziniert hat. Leicht ist Struck der Abschied vom Amt des Verteidigungsministers zu Beginn der Großen Koalition 2005 nicht gefallen. Die Rückkehr als Fraktionsvorsitzenden - das Amt hatte er bis zu seiner Vereidigung als Verteidigungsminister schon einmal inne - hat ihm diese sicher erleichtert. Damit saß er wieder an einer der wichtigsten politischen Stellschrauben der Macht. Zu seinem CDU-Kollegen Volker Kauder fällt Struck sowohl in seinem Buch als auch im Gespräch in Bissendorf nur positives ein. Zwischen beiden hat die Chemie gestimmt. In Fragen und Antworten mit den Teilnehmern begründete und erklärte Peter Struck auch seinen Ausspruch „Opposition ist Scheiße“. So ungeschminkt und offen beantwortete er alle Fragen dieses Abends, auch zu aktuellen politischen Themen, aus seiner 30-jährigen politischen Erfahrung.
Fazit: Ein gelungener Abend für die Zuhörer, für die SPD Bissendorf-Wennebostel und auch für Peter Struck, der heute als Politrentner und Buchautor in Uelzen lebt. So läuft das eben - auch bei einem der letzten Politiker mit Ecken und Kanten. Reiner Fischer