Polizei erhöht den Kontrolldruck

Einsatz- und Streifendienstleiter Peter Wengler (links) sah sich mit seinem Kollegen Carsten Bertram, dem Sachbearbeiter Verkehr bei der Polizeiinspektion Burgdorf, am Freitag die Kreuzung der L 190 in Schlage-Ickhorst an, die sich mit sechs Abbiegeunfällen mit Verletzten in den letzten drei Jahren als Unfallhäufungspunkt herauskristallisiert. Eine Linksabbiegespur in Richtung Bissendorf wäre optimal, meint auch Experte Bertram. Foto: A. Wiese

Unfallzahlen in der Wedemark sind gestiegen – mehr Schwerverletzte in 2014

Wedemark (awi). Das Jahr 2014 war auch in der Wedemark geprägt von einem allgemeinen Anstieg der Unfallzahlen. Insbesondere die Zunahme der schweren Verkehrsunfälle im Gebiet der Polizeidirektion ist auffällig, erklärten Mellendorfs Einsatz- und Streifendienstleiter Peter Wengler und Kommissariatsleiter Klaus Waschkewitz am Donnerstag bei der Vorstellung der Unfallstatistik für das abgelaufene Jahr.
Die gestiegenen Unfallzahlen sind Grund dafür, dass die Beamten der Polizeidirektion Hannover und somit auch die Polizei in der Wedemark ein verstärktes Augenmerk auf die Einhaltung der Verkehrsregeln legen wird. Für das Jahr 2015 sind viele Sonderaktionen im Rahmen der Verkehrssicherheit eingeplant, die auch zur Senkung der Unfallzahlen beitragen sollen. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Gesamtzahl der Verkehrsunfälle in der Wedemark deutlich angestiegen, nämlich von 570 im Jahr 2013 auf 633 im Jahr 2014. Diese unerfreuliche Entwicklung war allerdings nicht nur im Bereich der PI Burgdorf, sondern in ganz Niedersachsen zu verzeichnen. Von den 633 Unfällen wurden von den Beschäftigten des Polizeikommissariats Mellendorf 360 Unfälle im vereinfachten Verfahren, vor Ort abschließend, aufgenommen. Das entspricht einem prozentualen Anteil von 56,87 Prozent. Die darin enthaltenen Verkehrsverstöße werden von der Polizei vor Ort oder postalisch von der Bußgeldstelle geahndet. Danach werden diese Unfälle noch für statistische Zwecke ausgewertet.
Leider musste in 2014 auch ein tödlicher Verkehrsunfall von den Beamten des Verkehrsunfall-
dienstes aufgenommen werden. Im November war ein Junge nach dem Aussteigen aus einem Bus an der Haltestelle „Paul-Linke-Weg“ in Abbensen hinter dem Bus hervor auf die Straße gelaufen und von einem Auto angefahren worden. Der Junge erlag im Krankenhaus seinen Verletzungen (das ECHO berichtete).
Die Anzahl der Verkehrsunfälle, bei denen Personen schwer beziehungsweise leicht verletzt wurden, stieg ebenfalls proportional zu der Gesamtzahl an. Im Jahr 2014 wurden bei neun Verkehrsunfällen insgesamt elf Personen schwer verletzt ( 2013 waren es bei sieben Unfällen acht Personen), bei 93 Verkehrsunfällen erlitten 122 Personen leichte Verletzungen (2013 bei 71 Unfällen 86 Personen). Die Unfallorte befanden sich überwiegend innerhalb geschlossener Ortschaften, stellte Einsatz- und Streifendienstleiter Peter Wengler fest: „Dort, wo der Verkehr am dichtesten ist, finden auch die meisten Kollisionen statt. Hingegen finden Verkehrsunfälle mit schweren Folgen überwiegend außerhalb geschlossener Ortschaften statt. Hier werden in aller Regel höhere Geschwindigkeiten gefahren.“ Auffällig ist die Veränderung bei den Altersgruppen der Verletzten: Bei den 18- bis 24-Jährigen gab es drei Schwer- und 23 Leichtverletzte, im Jahr zuvor einen Schwer- und 14 Leichtverletzte. Ähnlich alarmierend sind die Zahlen auch bei den Senioren: Die Zahl der Verletzten zwischen 65 und 75 Jahren sind von 16 in 2013 auf 26 in 2014 gestiegen, bei den Senioren ab 75 Jahren erhöhte sich die Zahl der Verletzten von elf auf 16. Im Jahr 2013 waren es in dieser Altersgruppe nur zwei Verletzte und in der zehn Jahre jüngeren Gruppe nur acht. Um Unfallhäufungspunkte aufzuspüren, wertet der Verkehrssachbearbeiter bei der PI Burgdorf, Carsten Bertram, jedes Jahr die Unfallzahlen der Kommissariate in der Region aus und markiert die Unfallorte mit Stecknadeln. Passieren auf einer bestimmten Strecke oder an einem bestimmten Ort innerhalb von drei Jahren fünf Unfälle gleicher Art mit Personenschaden, gilt dies als Unfallhäufung. Einen solchen Punkt hat Carsten Bertram in der Wedemark im Kreuzungsbereich der L190 in Schlage-Ickhorst ausgemacht. Hier wurden in drei Jahren bei sechs Abbiegeunfällen Personen verletzt. „Die Unfälle sind zwar atypisch, dennoch fällt die Häufung an dieser Stelle auf“, so Bertram, der die Kreuzung gestern vormittag zusammen mit Peter Wengler in Augenschein nahm und feststellte, dass unter anderem im Straßenseitenraum dringend Löcher aufgefüllt werden müssen. Zudem stellte er fest, dass eine Linksabbiegespur in Richtung Gewerbegebiet Bissendorf die Situation deutlich entzerren würde, allerdings müsste die Straße dafür verbreitert und die Ampelschaltung verändert werden. Die Polizei werde sich aber mit der Landesstraßenmeisterei in Verbindung setzen, kündigte der Sachbearbeiter Verkehr an.
Die Wildunfälle verteilen sich fast gleichmäßig auf den gesamten Zuständigkeitsbereich des PK Mellendorf und sind mit einem Anteil von 27 Prozent am Gesamtaufkommen für einen ländlichen Bereich als normal zu bezeichnen. Um vielleicht schwerere Schäden zu minimieren, ist es für Verkehrsteilnehmer wichtig, sich auf solche Situationen gedanklich einzustellen. Bemerkt man am Straßenrand das Verkehrszeichen 142 (Wildwechsel), sollte man sich diesen Umstand bewusst machen, natürlich seine Geschwindigkeit anpassen und ganz wichtig, seine Reaktion für den „entscheidenden Moment“ durchdenken, empfiehlt Kommissariatsleiter Klaus Waschkewitz den Autofahrern, die zudem in den besonders gefährdeten Gebieten möglichst mit Fernlicht fahren sollten, um früh auf das Wild aufmerksam zu werden. Auf keinen Fall sollte man vor Schreck das Lenkrad verreißen und dadurch im schlimmsten Fall von der Fahrbahn abkommen, warnt der Kommissariatschef. Um zu verdeutlichen, warum man seine Geschwindigkeit anpassen sollte, bringt er ein Beispiel: Mit 100 Stundenkil0metern bringt man sein Fahrzeug bei normaler Reaktion nach 80 Metern zum Stillstand. Bei 70 Stundenkilometern (gilt häufig außerorts bei Wildwechselgefahr) steht man schon nach 45,5 Metern. Speziell bei Dunkelheit können das die entscheidenden Meter sein, pflichtet ihm auch Peter Wengler bei.
Bei der Betrachtung des Unfallgeschehens darf ein besonderes Augenmerk für Verkehrsunfälle, an dem Fußgängerund Radfahrer beteiligt waren, nicht fehlen. 2014 waren an Verkehrsunfällen in der Wedemark 32 Radfahrer und 13 Fußgänger beteiligt, wenn auch nicht in allen Fällen Verursacher. Bei diesen Unfällen wurden drei Radfahrer schwer und 23 leicht verletzt sowie sieben Fußgänger leicht verletzt. Dazu kommt der tödliche Unfall in Abbensen. Nach wie vor entfernen sich übermäßig viele Unfallbeteiligte unerlaubt von der Unfallstelle. Die Polizei weist noch einmal ausdrücklich darauf hin, dass Unfallflucht kein Allerweltsdelikt, sondern eine Straftat ist. Aufmerksame Passanten helfen oft, die Flüchtigen zu ermitteln.