Positive Rückmeldung fördert individuelle Entwicklung

Erzieherin Kristin Lemke liest Katharina in intimer Atmosphäre deren erste Lerngeschichte vor. Das Kind darf alleine entscheiden, wer den Bericht lesen darf. (Foto: Silvan Birkner)

Kindergarten Spatzennest führt turnusmäßige Lerngeschichten ein

(sb). In der Hellendorfer Kindertagesstätte Spatzennest ist es vor Kurzem zur Regel geworden, dass für jedes betreute Kind regelmäßig eine individuelle Lerngeschichte verfasst wird. Infolge einer Entscheidung des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) sollen die Erzieher das Verhalten ihrer Schützlinge über einen Zeitraum von maximal zwei Wochen genau betrachten und mithilfe ihrer Beobachtung eine Lerngeschichte anfertigen, die den Kindern eine positive Rückmeldung über ihr Verhalten gibt. Mit visueller Gestaltung durch Fotos und das Vorlesen der Geschichte sind die Inhalte für jeden Schützling des Spatzennests genau nachvollziehbar. „Anfangs haben wir dieses System sehr skeptisch betrachtet, weil wir nicht wussten, wie die Kinder es aufnehmen würden, so genau beobachtet zu werden“, erklärt die Leiterin der Kindertagesstätte, Anne Fuhrberg. Nach zweijähriger Erprobungsphase, die kürzlich zu Ende gegangen ist, sieht sie das Projekt nun aber rundum positiv. „Die Kinder empfinden es inzwischen keineswegs mehr als störend, von uns genau unter die Lupe genommen zu werden“, sagt sie. Vom pädagogischen Aspekt her seien die Lerngeschichten eine hilfreiche Unterstützung, die Lernprozesse und -fortschritte in der sozialen Einrichtung zu dokumentieren. Hintergrund für das Rote Kreuz war es, nicht nur die Stärken der Kinder aufzudecken, sondern auch mögliche Schwächen zu enttarnen und die Kinder in diesen Bereichen gezielt zu fördern. Innerhalb der vergangenen zwei Jahre hatte das Personal der Kindertagesstätte um Fuhrberg und ihre Kolleginnen Heike Vöse und Kristin Lemke an verschiedenen Fortbildungen und Lehrgängen teilgenommen, um das Prinzip der Lerngeschichten zu verinnerlichen und umsetzen zu können. Im Jahr 2001 war das Prinzip der Lerngeschichten von der Australierin Magaret Carr entwickelt worden. Inzwischen sind auch die Eltern im Rahmen einer eigenen Informationsveranstaltung aufgeklärt worden und begrüßen die Idee. Wie Fuhrberg und ihre Kolleginnen erläutern, gehört es für die Kinder es zu den spannendsten Momenten des Kindergartenjahres, die persönliche Lerngeschichte mit den zugehörigen Fotos im Empfang zu nehmen. „Sie entscheiden dann selbst, wer die Geschichte lesen darf. Es ist schließlich ihr ganz eigener Bericht“, sagte Fuhrberg. Aufgrund der positiven Resonanz der Kinder und der tatsächlich besseren Beobachtung der Lernentwicklung sei die Integration des Konzepts in den Spatzennest-Alltag als rundum positiv und vollkommen gelungen zu bewerten. Als einzige DRK-Kindertagesstätte in der Wedemark ist das Spatzennest auch die einzige Institution, die den Service der Lerngeschichten anbietet.