Produktionsstätten als Sujet der Kunst

Der lange Flur der Firma Kreft Innenausbau wird Ausstellungsort für die „Produktionsstätten“ sein. Den stellten die Ausstellungsmacher schon mal vor. Foto: H. H. Schröder

Ausstellung bei Kreft Innenausbau in Mellendorf vom 31. Oktober bis 19. November

Mellendorf (hhs). Ein ganz besonderes Projekt stellten am Montag dieser Woche die Gemeinde Wedemark und der Mellendorfer Betrieb „Kreft Innenausbau“ vor. „Produktionsstätten“ heißt es, und das bedeutet nichts anderes als eine neue Form der öffentlichen Präsentation Wedemärker Betriebe. Diese werden zum Sujet, zum Inhalt der Kunst, und Anlass, Kunst und Wirtschaft der Gemeinde Wedemark bekannter zu machen, in einem neuem Blickwinkel erscheinen zu lassen und sich mit beiden stärker als bisher auseinander zu setzen. „Produktionsstätten“ ist ein Kooperationsprojekt der Ressorts Kultur und Wirtschaftsförderung der Gemeinde Wedemark mit dem Ziel, Unternehmen der Kommune auf ungewöhnliche, neue Weise zu präsentieren.
Die Idee dieses Projektes hatten der Wirtschaftsförderer
Carsten Niemann und die Kulturbeauftragte Angela von Mirbach schon vor eineinhalb Jahren. Ihre Intention lag darin, in einem Pilotprojekt Betriebe für das Projekt zu interessieren. Es sollte sich bei diesen um eine Auswahl handeln, die sich über möglichst viele Ortschaften erstreckte, „um anderen Betrieben zu dem Anstoß zu verhelfen, auch an so einer ungewöhnlichen Präsentation teilzunehmen“. Diese ersten sechs waren schnell gefunden: Asendorf Metalldesign in Brelingen, Hemme Milch in Berkhof, Fresh Breeze in Bissendorf, „Dr. Rimpler“ aus Elze, der Forellenhof in Hellendorf und Kreft Innenausbau in Mellendorf, wo die Ausstellung schließlich stattfinden wird.
Eine Künstlerin wurde auch gefunden: Sabine Glandorf, seit 2004 in Brelingen ansässig. Sie arbeitet dort als freischaffende Künstlerin mit Schwerpunkt Malerei und Druckgrafik, sie kann auf mehrere Ausstellungen verweisen und auf Lehrtätigkeit im eigenen Atelier. Im Zuge der Vorbereitung des Projektes besuchte die Künstlerin alle sechs Unternehmen, um sie sie zu erforschen und zu entdecken. Hunderte Fotos habe sie gemacht, sie sei unter Werktische und in Maschinen gekrabbelt und habe ungewohnte Perspektiven gesucht. Fotografie sei dabei ihr zentrales Dokumentationsmittel gewesen, erläuterte Angela von Mirbach. Sabine Glandorf habe im zweiten Schritt ihr gesammelten Eindrücke in Form von Skizzen, Frottagen und Fotos im Atelier weiter bearbeitet. Frottagen sind in der Kunst eine besondere Technik des Durchreibens, die die Struktur des Untergrunds zum Beispiel auf einem Pergamentbogen besonders hervorheben. Inzwischen wurden für jedes Unternehmen zwei Bildserien und eine Objekt-Bildserie angefertigt. Das Problem sei für sie die Frage gewesen, wie man eine Firma auf vier Platten so darstellen könne, dass der Produktionsablauf sichtbar und die Firma erkannt werden kann, so Sabine Glandorf. Für jeden Betrieb wird es drei Serien an Kunstwerken geben. Die erste Serie besteht aus Sprühbildern auf MDF-Platten, die zweite aus drei nachbearbeiteten Fotos, die von Hand coloriert neue Formen der Verfremdung und damit auch neue Sicht auf die Verbindung von Wirtschaft und Kunst bieten. Die dritte und letzte Serie besteht unterschiedlich aus zwei bis vier Werken aus Collage und Malerei. Hier soll die freie Arbeit der Künstlerin den Blick auf den Betrieb bieten. Man könnte dieses Projekt „Öffentlichkeitsarbeit einmal anders“ überschreiben. Es scheint beinahe einzigartig im Lande zu sein, und es ist ganz offensichtlich auf Wiederholung oder gar Weiterführung angelegt. Es könnte spannend werden, Einblick in die Zusammenarbeit von Wirtschaft und Kunst zu erhalten. Den Initiatoren war es zunächst wichtig, den Ausstellungsort bei Kreft Innenausbauvorzustellen, um auf die Besonderheit des Rahmens für die Kunstbegegnung aufmerksam zu machen. Der Betrieb liegt an der „Eitzer Föhre“ in Mellendorf, gleich hinter den Bahngleisen links hinter dem Getränkemarkt von famila. Es wird einen Ausstellungskatalog geben, „in der dritten Oktoberwoche“, wie es hieß. Finanziert wird dieser von der Gemeinde Wedemark und den teilnehmenden Betrieben.