Projekt Erinnerungskultur nimmt Fahrt auf

Stehen für das Projekt Erinnerungskultur in der Gemeinde Wedemark ein: Bürgermeister Helge Zychlinski (links), Historikerin Christiane Schröder, Wissenschaftlerin Sabine Paehr, Geschichtslehrerin Kathleen Möbius, Martin Stöber vom Institut für Regionalgeschichte und Franz-Rainer Enste, Koordinator des Projekts. Foto: A. Wiese

Wissenschaftler Sabine Paehr und Christiane Schröder bringen sich ein

Wedemark (awi). „Unser Projekt Erinnerungskultur nimmt jetzt Fahrt auf und wir wollten mal eine Wasserstandsmeldung geben“, erklärte Bürgermeister Helge Zychlinski als Auftakt zur Präsentation von zwei neuen Honorarkräften: Historikerin Christiane Schröder wird in den nächsten Wochen und Monaten Zeitzeugen interviewen, um die Aufarbeitung der Zeit zwischen 1939 und 1950 in der Wedemark authentisch zu machen.
Sie komplementiert damit die Arbeit der Wissenschaftlerin Sabine Paehr, die sich bemüht, im Archiv Belege für die Geschehnisse in der fraglichen Zeit zu finden. Die beiden Frauen ergänzen damit die Arbeit des Seminarfachs von Kathleen Möbius, die mit ihren Oberstufenschülern am Gymnasium ebenfalls an dem Projekt arbeitet. In einem Seminarfach lernen die Schüler wissenschaftlich zu arbeiten, in diesem Fall spezialisiert auf Geschichte. Sabine Paehr wird sie darin unterstützen. Schröder hingegen sei die absolute Expertin für Zeitzeugenbefragungen, so Koordinator Franz Rainer Enste. Die Gemeinde präsentiert das Projekt und seinen jeweiligen Stand auf ihrer Internetseite, die mit Unterstützung von Martin Stöber vom Institut für Regionalgeschichte erstellt wurde. Sie ist dynamisch gedacht und wird laufend mit aktuellen Ergebnissen ergänzt. Einfach unter www.wedemark.de den Unterpunkt „Unsere Gemeinde“ und dort die Zeit 1930 bis 1950 aufrufen. Hier wird in kurzer prägnanter Form eingestellt, was im Laufe des nächsten Jahres auch als Printversion in ausführlicherer Form veröffentlicht werden soll. Projektkoordinator Franz-Rainer Enste hofft, dass die finanziellen Mittel auch für eine solche Publikation reichen werden. Die Finanzierung steht, die Hauptförderung in Höhe von 30.000 Euro kommt von der Klosterkammer, die auch eine vorzeitige Maßnahmengenehmigung abgesegnet hat, damit die Honorarkräfte bereits arbeiten können. Die Gemeinde setzt mit der VGH-Stiftung außerdem auf einen zweiten Zustifter. Schwerpunkte der Arbeit in den nächsten Wochen sollen die Erforschung der Situation von Zwangsarbeitern, Kriegsgefangenen und jüdischen Familien in der Wedemark in der fraglichen Zeit sein. Vermutlich würden sich daraus dann weitere Ansätze zum Forschen ergeben, beispielsweise zum Schicksal von Sinti und Roma, zur Verfolgung Homosexueller, zu Euthanasie und politischer Verfolgung. Doch das sei erst der zweite und dritte Schritt, um den es jetzt noch nicht gehe, so Franz-Rainer Enste. Für die Schüler sei es faszinierend, direkt an der Geschichte ihres eigenen Umfeldes zu arbeiten, findet auch Bürgermeister Helge Zychlinski. Das sei viel spannender als trockenes Wissen aus Geschichtsbüchern in sich hineinzupauken. Schließlich handele es sich „um die schwierigste Zeit unserer Geschichte“, und er sei sehr gespannt auf die Ergebnisse, so der Bürgermeister. „Wir wollen an das lebendige Wissen herankommen“, bestätigte Historikerin Christiane Schröder. Sie wolle herausfinden, was in der Nachbarschaft passiert sei. Dabei gehe es jedoch nicht darum, einzelne oder ihre Familien zu diffamieren, sondern darum, Informationen zu gewinnen.