Rat beschließt den Schulneubau

Den Umweltpreis der Gemeinde Wedemark hatte Gisela Müller (l.) in der Dezemberratssitzung nicht entgegen nehmen können. Daher wurde ihr der Scheck über 375 Euro, das halbe erste Preisgeld, am Montagabend von Bürgermeister Tjark Bartels und der Umweltbeauf

Bürgermeister Tjark Bartels: „Wedemark wird Schulstandort Nummer 1“

Wedemark (awi). Der offizielle Startschuss für den Neubau eines Schulzentrums ist am Montagabend im Rat gefallen: SPD, Grüne und FDP beschlossen gegen die Stimmen der CDU bei Enthaltung eines anwesenden WGW-Ratsherrn die Vergabe des alles in allem 30,7 Millionen Euro teuren Bauprojekts an einen Bieter aus Wiesbaden. Die Mehrheit der zahlreichen noch anwesenden Zuhörer, die fast drei Stunden bis zu
diesem Beschluss ausgeharrt hatten, quittierten den Beschluss mit kräftigem Beifall. Gegangen waren zu diesem Zeitpunkt schon die Vertreter von Sportring und Vereinen, die sich zu Beginn der Sitzung in der Bürgerfragestunde nach der neuen Sporthalle erkundigt und nicht mit Kritik gespart hatten, als ihnen Bürgermeister Tjark Bartels antwortete, „zurzeit ist der Bau aus logistischen Gründen nicht möglich, weil der geplante Standort für die Zwischenlagerung der Baumaterialien fürs Schulzentrum benötigt wird. Danach werden wir prüfen, wie der Bedarf bei Schulen und Vereinen ist.“ Bartels bestätigte, dass die rund 800.000 Euro aus dem Konjunkturpaket II, die ursprünglich für den Sporthallenbau bewilligt worden waren, jetzt zunächst für den Schulbau verwendet würden.
Bartels ließ jedoch bei der Beantwortung diverser Anfragen zu dem Thema, zum Beispiel vom Sportringvorsitzenden Joachim Brandt, dem MTV-Vorsitzenden Günther Stechmann, dem TC Bissendorf-Vorsitzenden Joachim Schulz und Turnclub-Vorstandsmitglied Gabi Ochmann keinen Zweifel daran, dass die Gemeinde Wedemark als Schulträger die Priorität auf den Schulsport lege und die Versorgung der Schulen als Kriterium anlegen werde. Die Vereine könnten natürlich gern eine eigene Halle bauen und dazu Gespräche mit der Verwaltung führen, regte Bartels an. Die Verwaltung habe bezüglich des Sporthallenbaus viele Möglichkeiten erwogen, doch noch ein Großbauvorhaben parallel funktioniere nicht. Der Bürgermeister warnte jedoch davor, den Sporthallenbau emotional gegen andere Bauten wie beispielsweise das Verwaltungsgebäude auszuspielen. Was das Verwaltungsgebäude betreffe, gebe es dringenden Handlungsbedarf, die jetzigen Gebäude seien seit 1974 eigentlich nur als Übergangslösung gedacht gewesen und verursachten hohe Unterhaltskosten. Die Verwaltung bemühe sich nach Kräften, den Vereinen Hallenzeiten zur Verfügung zu stellen. Bartels betonte: „Wir stellen Ihnen anders als andere Kommunen die Hallen kostenfrei zur Verfügung und das für Sportarten, die beträchtliche Beanspruchungen für die Hallen nach sich ziehen!“ Dass für die Ratsmehrheit und Verwaltung die neue Halle schon „gestorben“ sei, wies Bartels als Unterstellung zurück. Die Verwaltung habe dem Sportring die Gründe für die Zurückstellung des Hallenbaus dargelegt und sei auf Verständnis gestoßen. Dem Tagesordnungspunkt „Vergabe der Bauleistung Schulzentrum“ ging der Antrag der CDU voraus, den Bau des Verwaltungsgebäudes zurückzustellen. Christiane Lüßmann begründete für die CDU ausführlich, warum die CDU diesen Antag gestellt habe, „obwohl der Gedanke eines neuen Verwaltungsgebäudes eigentlich unser Kind ist“. Sie skizzierte den Werdegang der Diskussion nach, in deren Verlauf die CDU dem gemeinsam von Schulen, Eltern, Politik und Verwaltung erarbeiteten Raumkonzept zugestimmt habe und der Planung eines Schulneubaus in Höhe von 20 Millionen Euro zugestimmt habe. Auch den „nebenbei erwähnten und mit Synergieeffekten begründeten Anbau eines Verwaltungsgebäudes haben wir zunächst als sinnvoll erachtet“, so Lüßmann. Doch die Summe, die mittlerweile im Raum stehe, könne die CDU nicht mehr verantworten, der Aussage, es gebe keine Einschnitte bei den freiwilligen Leistungen keinen Glauben schenken, „weil einfach kein Geld mehr da sein wird“. Wenn in der Raumplanung nicht allzu sehr abgespeckt werden solle, sei die Zurückstellung des Verwaltungsneubaus die einzige Möglichkeit, die Kosten zunächst zu begrenzen, betonte Lüßmann. Die Zustimmung ihrer Fraktion zum grundsätzlichen Verfahren könnte nicht „Ja zu jeder Summe heißen.“ SPD, Grüne und FDP lehnten mit ihren Stimmen den Antrag der CDU ab, WGW-Ratsherr Patrick Cordes enthielt sich. SPD-Sprecher Helge Zychlinski verwies darauf, dass der Bürgermeister beim
nächsten Tagesordnungspunkt die tatsächlichen Zahlen offenlegen und damit dem „Zahlenwirrwarr, das durch die Presse geistert, ein Ende bereiten wird“.
Bürgermeister Tjark Bartels schlüsselte die Gesamtkosten von 30,7 Millionen Euro folgendermaßen auf: 23.426.000 Euro für den Neubau des Schulzentrums (18,997 Millionen Euro Baukosten plus Mehrwertsteuer, Bauzeitfinanzierung und Einmalkosten), 2.412.000 Euro für Fertigstellung der Außenanlage und Abriss des alten Schulkomplexes (1,891 Millionen Euro zuzüglich Mehrwert-
steuer, Finanzierung und Einmalkosten) sowie 4.865.000 Euro für das Verwaltungsgebäude (reine Baukosten 4.044.000 Euro). „Das Entscheidende ist, dass Zins und Tilgung durch Einsparungen, die durch den Verkauf der bisher von der Verwaltung genutzten Gebäude, den wegfallenden Mietzins und Unterhaltskosten erzielt werden, aufgefangen werden“, betonte der Bürgermeister. Die geringe Differenz zu den ursprünglich geplanten Baukosten – Bartels sprach in der Ratssitzung in diesem Zusammenhang von einem „Delta“ – sei es nicht wert, dass man das Raumprogramm abspecke und eine Nullvariante gebe es nicht. Die Finanzierung über 66 Jahre ergebe sich daraus, „dass wir in einer doppischen Welt leben“, es stehe der Gemeinde jedoch jederzeit frei, Sondertilgungen zu leisten. „Wenn es nur danach geht, was wir uns leisten können, können wir uns auch keine 20 Millionen Euro leisten, aber können wir es uns leisten, uns als Standort unmöglich zu machen? Wir sind als Gemeinde nun mal für die Daseinsfürsorge zuständig“, so der Bürgermeister.
Er wolle in ein paar Jahren nicht gezwungen sein, einen Kindergarten nach dem anderen zu schließen, „weil sich Menschen für andere Kommunen entscheiden, wie man es im Harz erlebt hat.“ Bartels schloss mit den Worten: „Natürlich kann es sein, dass wir uns das eine oder andere nicht mehr leisten können. Eine Entscheidung für etwas bedeutet auch immer eine Entscheidung gegen etwas!“ Doch junge Familien sicherten die Zukunft der Wedemark. Die Gemeinde sei bereits der Kinderstandort Nummer eins und werde bald auch der Schulstandort Nummer eins sein. SPD-Sprecher Helge Zychlinski erklärte nach einem umfangreichen Rückblick, für ihn sei dieser Tag ein unheimlich wichtiger und schöner. Er warte seit seiner ersten Schulbereisung 1998 darauf, dass etwas passiere. Schulreformen seien nie abgeschlossen, eine Kommune müsse sich ihre Flexibilität erhalten und müsse trotzdem Entscheidungen treffen. Ingemar Becker von den Grünen kritisierte im Zusammenhang mit dem Raumprogramm für die neue Schule den von der Opposition aufgebrachten Begriff „Wunschkonzert“. Es sei nur das Notwendigste berücksichtigt worden. Die Grünen hielten dies für vertretbar und könnten auch die Argumentation für ein neues Verwaltungsgebäude nachvollziehen. WGW-Ratsherr Patrick Cordes erklärte, der Schule stimme die WGW zu, nicht jedoch dem Verwaltungsgebäude. Die FDP trägt beide Neubauvorhaben voll mit.