„Rechne mit Baumaßnahmen in den nächsten zwei Jahren“

Arbeiten neben anderen engagiert in der Projektgruppe „Willkommenskultur": Bürgermeister Tjark Bartels (v. l.), die Gleichstellungsbeauftragte Mona Achterberg, Ernst Pobloth, Sabine Wurst und Eva-Maria Jennert. Foto: A. Wiese

Bürgermeister will adäquate Wohnsituation für Asylbewerber schaffen

Wedemark (awi). Das Projekt trägt den Titel „Willkommenskultur“: Mitarbeiter der Gemeindeverwaltung und Ehrenamtliche vom Interkulturellen Treff beschäftigen sich bereits seit einiger Zeit mit der Situation von ausländischen Mitbürgern in der Wedemark. Dabei gebe es zwei Hauptgruppen, deren Probleme unterschiedlich gelagert seien, erklärte Projektleiterin Sabine Wurst am Mittwoch gegenüber der Presse. Die Asylbewerber befänden sich sicherlich in einer ganz anderen Situation als der spanische Ingenieur oder der südafrikanische Arzt, war sich Wurst mit Bürgermeister Tjark Bartels, Ernst Pobloth und Eva Jennert vom Interkulturellen Treff sowie Claudia Kaminski vom Team Soziales und Nicole Foth aus dem Bürgerbüro einig. Der Interkulturelle Treff in der Wedemark zeichnet sich vor allem durch freie Angebote für ausländische Mitbürger aus: Er bietet Sprachkurse an und Hilfe bei Behördengängen. Er weist auf lokale Angebote hin und fördert vor allem die Bildung der ausländischen Familien. In der dritten Projektsitzung am Mittwoch stand das Thema Unterbringung und Wohnen im Mittelpunkt. „Wir haben große Probleme auf dem freien Wohnungsmarkt Wohnungen für die Unterbringung zum Beispiel der Asylbewerber anzumieten", machte Bürgermeister Tjark Bartels deutlich. Das liege sicherlich auch daran, dass diese Wohnungen möglichst zentral gelegen sein sollten, weil sonst keine Teilhabe für die ausländischen Mitbürger möglich sei. Tatsache sei aber auch, dass Wohnungsbesitzer ihre Wohnungen nicht gerne für diesen Zweck an die Gemeinde vermieteten. Zwar seien die Mietzahlungen durch die Gemeinde garantiert, aber die Gemeinde könne im Vorfeld oft keine Angaben zu Personenzahl, Nationalität und Verweildauer der Asylbewerber machen. „Wir haben einen heiß umkämpften und völlig leergefegten Wohnungsmarkt und müssen neue Unterkunftsformen finden", erklärte der Bürgermeister am Mittwoch vor der Presse. Zurzeit sei die Wohnsituation der ausländischen Mitbürger nicht gut gelöst. Er gehe davon aus, dass die Gemeinde in den nächsten zwei Jahren um bauliche Maßnahmen in zentraler Lage in der Nähe von S-Bahn und Schulen nicht herumkomme und dafür dann andere zurzeit genutzte Objekte aufgebe, in die sich bauliche Investitionen nicht mehr lohnten. „Ich möchte nicht in den nächsten zwei Jahren Container irgendwo hinstellen müssen. Das wäre ganz schrecklich", so der Bürgermeister. Grundsätzlich gelte das auch für die Unterbringung von Obdachlosen. Im Gegensatz zu Asylbewerbern, deren Zahl in den vergangenen Monaten wieder angestiegen sei, sei die Zahl der Obdachlosen jedoch eher rückläufig. In den hierfür vorgesehenen Quartieren gebe es Leerstände. Wer der Gemeinde Wohnungen zur Verfügung stellen möchte oder sich in anderer Form einbringen möchte, wird gebeten, sich bei Sabine Wurst unter Telefon (0 51 30) 581-277 zu melden. „Wir haben hier in der Wedemark mit ihrer guten Vereinsstruktur und auch den Feuerwehren sehr gute Voraussetzungen für die Integration unserer ausländischen Mitbürger. Dies gilt es zu nutzen", so der Bürgermeister. Er wies in diesem Zusammenhang daraufhin, dass das Bildungs- und Teilhabepaket auch für Asylbewerber gelte, diese aber selbstverständlich darüber informiert werden müssten.
Willkommenskultur, so war einem Arbeitspapier der Projektgruppe zu entnehmen, meine nicht nur Unterstützung der Neuankömmlinge bei ihrer Ankunft in der Wedemark. Willkommenskultur bedeute auch den Neuankömmlingen das Einleben in die neue Gesellschaft und das Erlernen der deutschen Sprache zu erleichtern. Dazu gehöre der generelle Umgang mit Vielfalt in einer Gesellschaft. Das beziehe sich auf Toleranz und Achtung gegenüber Menschen auch mit anderen kulturellen Wurzeln. Der freundliche und respektvolle Umgang miteinander fordere, einander zu respektieren. Die Projektgruppe „Willkommenskultur” heißt daher alle Menschen willkommen und begrüßt diese Neuankömmlinge angemessen. Die Dazukommenden würden sich nur dann für ein Leben in der Wedemark entscheiden, wenn es neben guten Aussichten auf dem Arbeitsmarkt auch attraktive Lebensbedingungen für sie und ihre Familien gebe. Daher wolle die Projektgruppe konkrete Hilfen bei der Eingliederung unterstützen und über diese möglichst barrierefrei informieren. Aufgrund des demografischen Wandels sei die Gesellschaft auf Zuwanderer angewiesen, betonten sowohl Bürgermeister Tjark Bartels als auch Projektleiterin Sabine Wurst.