Region verfügt: Zaun muss weg

Idylle Lönssee: Der Zaun, der den Zugang zum See zwischenzeitlich verwehrte, ist wieder entfernt. Der Investor hatte damit nach mehreren Diebstählen seine Baustelle (im Hintergrund) sichern wollen. Foto: A. Wiese

Zugang zum See stets im Konzept – Investor versteht Aufregung um Bauzaun nicht

Mellendorf (awi). Bauzäune verwehrten noch vor kurzem Spaziergängern den Rundweg um den Lönssee. Das brachte die Wedemärker Grünen auf die Barrikaden: Eine Rückfrage von Ratsmitglied Willi Lucka bei der Gemeinde ergab, dass diese dem Grundstücksbesitzer, der derzeit das ehemalige Naturfreundehaus zu Wohnungen ausbaut, zwar genehmigt hatte, die Baustelle abzusperren.
„Diese Genehmigung konnte ihn aber nicht berechtigen, die Absperrung schon am Zugang zum See aufzustellen“, sagt Regionsabgeordnete Kathrin Kuhfß, die sich an die Region Hannover als zuständige Waldbehörde gewandt hatte, in einer Pressemitteilung „Die Region als Waldbehörde hat umgehend gehandelt und den Investor angeschrieben“, freut sich Kathrin Kuhfß. „Dies hat dann offensichtlich zur Öffnung des Seegrundstücks geführt.“ „Es wäre sicher einfacher und bürgernäher gewesen, wenn sich Frau Kuhfß bei mir wegen des Bauzauns gemeldet hätte, um die Motivation in Erfahrung zu bringen warum dieser an der Grenze meines Eigentums aufgestellt wurde anstatt mit einer Anzeige bei der Region Hannover als „Waldbehörde“ mit Kanonen auf Spatzen zu schießen. Es scheint Wahlkampf der Grünen zu sein sich mit einem „Was bin ich toll Erlebnis“ mit Öffentlichkeitsarbeit zu profilieren“, kommentiert Grundstücksbesitzer und Investor Rainer de Groot aus Wennebostel die Thematik.
Die Grünen in der Wedemark begrüßen jedenfalls die Entfernung der Zäune am Lönssee. Wie wohl viele Wedemärker seien auch sie sehr überrascht gewesen, als plötzlich Zäune den Zugang zum Lönssee verwehrt hätten, heißt es in der Pressemitteilung von Jens Thursch, Beisitzer im Ortsvereinsvorstand. Da diese das in  §§ 14 Bundeswaldgesetz, 23 NWaldLG gewährte allgemeines Betretensrecht des Waldes einschränkten, hätten sie sich umgehend an die zuständigen Behörden gewandt.Den Grünen in der Wedemark gehe es dabei nicht allein um den Erholungswert. „Der See ist mittlerweile auch von erheblicher ökologischer Bedeutung“, sagt Sabine Lotz, Mitglied des Ortsrates Mellendorf. „Dort hat sich eine wertvolle und schützenswerte Flora und Fauna angesiedelt. Dies bedeutet natürlich eine entsprechende Verantwortung für den Investor und später die Erwerber der Wohnungen.“
Erst ein Jahr nach Baubeginn habe er den Zaun an der monierten Position aufgestellt, berichtet Rainer de Groot. Er habe als Eigentümer nach Räumung von Müll und sonstigem Unrat rund um den Lönssee nach dem Erwerb des Grundstücks eine Wiederholung dieser „bedauerlichen Umstände“ verhindern wollen. Die Kosten für seine Mitarbeiter, die immer wieder den See und das umliegende Grundstück von Bierdosen, abgekipptem Bauschutt und weiterem Müll befreien müssten, trage er, nicht die Partei der Grünen. „Ich bin der festen Überzeugung, dass auch Frau Kuhfß oder Frau Lotz dies auf ihrem Grundstück nicht begrüßen würden“, lobt de Groot um Verständnis und gibt noch mehr zu bedenken. Durch GPS- Messung habe er den Kanalverlauf ermitteln lassen und als erste Maßnahme zum Erhalt des Biotops die Einleitung von Abwasser aus zahlreichen früheren Duschen eingestellt. Ganz eindeutig seien früher die Abwasser aus Duschen ungehindert in den See eingeleitet worden. TV-Geräte, Asbest-Zement und vieles mehr habe er ebenso aufwändig wie kostenintensiv entfernt. Nur ein paar Meter vom Lönssee entfernt vergammelten alte Pkw und Campingwagen im Wald. Dieser Bereich des Landschaftsschutzgebietes interessiere ganz offensichtlich niemanden. De Groot kann auch nicht verstehen, warum es ganz offensichtlich als Selbstverständlichkeit angesehen wird, ein fremdes Grundstück zu betreten. Er liebe die Wedemark und ihre Landschaft wirklich, betont der Investor. Warum sonst habe er in den letzten Jahren einen achtstelligen Euro-Betrag in den Erhalt von Denkmälern und kulturhistorischen Gebäuden investiert. Mit dem Zaun habe er lediglich seine Baustelle sichern und seinen Besitz vor Vandalismus und Vermüllung schützen wollen. Er habe sich mit wilden Campern und Hundebesitzern auseinander setzen müssen, die es ganz normal fänden, dass ihre Hunde die Enten am See jagten. Das Entenhaus auf dem Lönssee, das noch aus Zeiten der Naturfreunde stamme, sei während des Winters, als man den vereisten See begehen konnte, zerstört worden. „Ich habe schon eine Zimmerei damit beauftragt für die Enten das Haus wieder herzustellen“, betont de Groot. Ein öffentlicher Zugang zum Lönssee auch nach Sanierung der Gebäude sei immer Bestandteil des Konzeptes gewesen.„Es ist gut das es grüne Politik gibt. Realitätsferne sollte jedoch nicht Einkehr halten“, meint der Grundstücksbesitzer. Nur mit der Bereitschaft auch die Verantwortung wie die Kosten für die Müllbeseitigung zu übernehmen oder besser mit körperlichem Einsatz für die Bewirtschaftung engagiert zu sein, sei Politik glaubhaft. „Es wäre sicher interessant abzuwarten was passiert, wenn ich den Lönssee auch – wenn er auch mein Eigentum ist – erstmal nicht weiter von Unrat, den Dritte hinterlassen, befreien. Ich bin sehr gespannt ob sodann die Partei der Grünen meiner Einladung „sauberer Lönssee für alle“ folgen wird“, sagt de Groot. Er bedauere, dass er die Genehmigung, seinen Grund und Boden während der Bauzeit zu sichern bis zu seiner Grundstücksgrenze ausgedehnt habe und gratuliert den Grünen, dass sie dies nun in rechtlich zulässiger Weise unterbunden hätten. Er sei aber immer noch der Meinung, dass man einen Investor der Region der zahlreiche Arbeitsplätze sichere, einen positiven Beitrag für die Erhaltung von historischen Gebäude leiste und dem ein anspruchsvolles Stadtbild vor Rendite gehe, hätte anrufen können. Zudem sei ein Weg gesperrt gewesen und nicht der See. Der Lönssee sei jederzeit erreichbar gewesen. Er arbeite bei seinen Projekten stets eng mit der Gemeinde Wedemark zusammen und sei auch immer gerne Ansprechpartner für etwas schwierigere Projekte, betont de Groot. Derzeit saniere er die ehemalige Villa Appel in der Scherenbosteler Straße und führe diese kostenintensiv in ihrer straßenbegleitenden Fassade auf den historischen Ursprung zurück. Andere hätten das Gebäude abreißen wollen, um durch einen Neubau mehr Ertrag zu generieren. Das Hotel Brunnenhof habe er – anstatt es in baurechtlich zulässiger Weise in Wohnungen umzubauen – erhalten und ausgebaut und sei damit dem politischen Willen der Wedemark gefolgt, führt de Groot an. Der ehemalige „Wiechenhof“ sei nach seiner Investition nun kein zunehmend verfallendes Anwesen mehr, sondern ein anspruchsvolles „Portal zur Wedemark“ wenn man diese aus Westen erschließe. Aus Leidenschaft zu Resthöfen und alter Bausubstanz, welche die Wedemark so lebenswert macht, sei seine Firma bereit, die „Wundertüte“ Sanierung der kostengünstigeren Variante Neubau vorzuziehen, so auch am Lönssee. Die Wohnungen am Lönssee habe seine Firma konträr zu ihrer sonstigen Strategie der Vermietung zum Kauf angeboten, um auch Dritte von dem Projekt Lönssee partizipieren zu lassen. Viele Wedemärker seien schon Partner des Projekts „Villa Lönssee“ geworden. Mit dieser Argumentationskette begründet de Groot sein Unverständnis dafür, dass die Grünen zu keinem Zeitpunkt das Gespräch mit ihm gesucht hätten, bevor sie Anzeige bei der Region erstattet hätten. Eine Strafe durch die Region Hannover habe er nicht erhalten, da er nach der Forderung zur Rücknahme des Bauzauns dieser Vorgabe sofort gefolgt sei.

Der Kommentar:
Man kann beide Seiten verstehen. Die Grünen, die eine kleine Idylle in der Wedemark für die Öffentlichkeit erhalten wollen und den Grundstückseigentümer, der viel Geld für ein Grundstück ausgegeben und noch mehr investiert hat und über Müll, Vandalismus und Diebstahl zu Recht verärgert ist. Beide Seiten haben triftige Argumente. Rechtlich sind die Grünen auf der sicheren Seite. Das bestreitet ja auch der Eigentümer nicht. Doch ein Kommunikationsversuch hätte ganz sicher nicht geschadet – im Gegenteilt. Zumal es sich ja nicht um einen unerreichbaren Baumagnaten irgendwo in der Ferne handelt, sondern um einen Wedemärker von nebenan, der tatsächlich mehrfach unter Beweis gestellt hat, dass er einen Sinn für Natur und Ästhetik besitzt. Also, gute Absichten, liebe Grüne, aber vielleicht ein wenig übers Ziel hinaus geschossen. Kann man nur hoffen, dass die Fronten jetzt nicht verhärtet sind und beide Seiten noch in den Dialog einsteigen. Denn da wird es sicher noch öfter einen Grund zum Reden geben. Vielleicht sind die Grünen ja auch tatsächlich bereit, eine Art Patenschaft für den Lönssee zu übernehmen und ab und zu eine Müllsammelaktion dort zu initiieren – in Absprache mit dem Eigentümer. Und dem fällt dann nach der Instandsetzung des Entenhauses vielleicht noch das eine oder andere ein, was man dort mit nicht allzu großem Aufwand für Flora und Fauna tun könnte. Also, einfach ab und zu ein bisschen miteinander reden. Dann wird das schon! Anke Wiese