Respekt vor dem Wolf, aber keine Angst

So sieht ein Wolf aus: helle Maske unter den Augen, dreieckige, leicht abgerundete Ohren. Foto: NABU/Jürgen Borris

Einzelner Wolf am Montagmorgen in Meitze und Bissendorf-Wietze gesichtet

Meitze/Bissendorf-Wietze (awi). Ein einzelner Wolf hat ganz offensichtlich am Montagmorgen die Wedemark durchquert. Mehrere Beobachtungen unabhängig voneinander sowie Fotos und Filmaufnahmen mit Handy sprechen dafür, dass es sich bei dem Tier, das gegen 6.30 Uhr am Fuhrberger Weg bei Meitze und im Laufe des späteren Vormittags am Natelsheideweg in Bissendorf-Wietze gesehen wurde, tatsächlich um einen Wolf handelt. Das bestätigte die Wolfsbeauftragte des Landes, Britta Habbe, gegenüber dem ECHO. Und auch NABU-Wolfsbeobachter Peter Griemberg aus der Wedemark kommt nach Sichtung der Fotos und des kurzen Videos, das ein Wedemärker Autofahrer am Montagmorgen auf dem Weg zur Arbeit am AHE-Steinwerk in Meitze aufnahm, zu dem Schluss: „Ich tendiere zum Wolf.“
Laut Griemberg sprechen einige Merkmale für einen Wolf, nämlich die helle Maske unterhalb der Augen, die dreieckigen leicht abgerundeten Ohren, die entspannte Haltung der Rute sowie die dunkle Rutenspitze. Auch das Laufbild auf dem Video deute auf einen Wolf hin. „Das können manche Hunde aber auch“, schränkt Griemberg auch gleich wieder ein.
Ein anderes Identifizierungsmerkmal sei ein heller Sattelfleck mit dunkler Linie dahinter - auf dem Rücken. Den habe er auf den Fotos und dem Video aus Meitze aber nicht erkennen können. „Wölfe sind dämmerungsaktiv. 6.30 Uhr passt also, und vorsichtig, aber auch neugierig und stets unterwegs“, erklärt der NABU-Wolfsbeoabachter. Wölfe können in einer Nacht durchaus Laufwege von bis zu 70 km in einer Nacht zurücklegen. Am Rand von Siedlungen streiften sie häufiger vorbei, ohne dass sie zwangsläufig stets bemerkt würden. Autos oder Trecker sind laut Griemberg also nicht im „Feindbild“ von Wild, also auch
nicht von Wölfen. „Mit einem Auto können Sie zum Beispiel die Fluchtdistanz von Kranichen locker um 200 Meter herunterschrauben und jede Safari findet mit dem Auto statt“, gibt Griemberg zu bedenken. Das passt also durchaus zu den Beobachtungen der Wedemärker am Montagmorgen. Gegen 6.30 Uhr war der Wolf ganz entspannt auf dem Fuhrberger Weg erst neben einem Auto hergelaufen, hatte dann vor dem Auto die Fahrbahn überquert und war über das Feld Richtung Gailhof davon galoppiert. Es gibt zudem den Bericht einer Radfahrerin, die etwa um die gleiche Uhrzeit in diesem Bereich mit ihrem Hund unterwegs war. Der Wolf habe den Hund angegriffen, ins Ohr gebissen, sich nicht von Schreien und fuchtelnden Armen einschüchtern lassen und sei ihr bis ins Dorf gefolgt, heißt es. Gegen 9.20 Uhr meldete ein Bissendorf-Wietzer, dass ein Wolf erst auf dem Natelsheideweg vor ihm hergelaufen und dann auf den Regeldamm abgebogen sei. Er habe sehr zielgerichtet gewirkt. Ein Brelinger hat in einem dazu passenden Zeitraum einen Wolf auf der L383 bei Bissendorf beobachtet und gefilmt. „Wir wissen, dass sich im Bereich Bannetze, Ovelgönne, Fuhrberg, Forst Rundshorn in 2014 ein Wolfspaar angesiedelt hat, das eventuell jetzt Nachwuchs erwartet“, so NABU-Wolfsbeobachter Peter Griemberg. In Elze und Meitze seien Brücken über die A7, auf denen nachts „nichts los ist“, daher spreche auch nichts gegen Streifzüge eines Wolfs westlich der Autobahn. Fähe und Rüde vereinigten sich im Januar/Februar. Die Tragezeit ist 62 bis 63 Tage, also sei die Fähe jetzt in der Wurfhöhle, eventuell schon mit Welpen. In dieser Zeit werde sie vom Rüden mit Nahrung versorgt. Der Wolf in Meitze und Bissendorf-Wietze könnte also durchaus auch der Rüde dieses Rudels sein, schließt Griemberg nicht aus. Ebenso möglich sei aber auch, dass ein Jungtier aus Sachsen, Sachsen-Anhalt oder Brandenburg auf der Suche nach einem eigenen Revier durch die Wedemark gelaufen ist. „Wir liegen genau auf dieser Route nach Nordwesten, es kann aber auch ein Jungtier aus einem der fünf niedersächsischen Rudel in Munster, Bergen, Unterlüss, Eschede oder Gartow sein“, so Griemberg. Auf die Frage ,Was tue ich, wenn ich einem Wolf begegne‘ hat er folgende Antwort:
1. Respekt haben - wie vor jedem Wildtier!
2. stehen bleiben, nicht weglaufen, nicht hinterherlaufen!
3. langsam zurückziehen, Dominanz zeigen
4. laut ansprechen, eventuell in die Hände klatschen, mit den Armen wedeln
5. niemals anfassen und niemals füttern!
und wenn dann noch Zeit ist:
6. fotografieren!