Respektpreis für Christoph, Lukas und Vincent

MIT-Vorsitzender Dietmar Reddig, Yvonne Wille (DB), die Schulleiter Wilfried Osing, Swantje Klapper und Karen Rotter sowie die Landtagsabgeordnete Editha Lorberg gratulierten den Schülern Lukas Kissing (4. v.r.), Vincent Lubbe und Christoph Hennigs. (Foto: A. Wiese)

MIT vergibt Auszeichnung an Schüler zum achten Mal

Bissendorf (awi). Respekt für und vor Christoph, Lukas und Vincent, die drei Schüler der Realschule, der Konrad-Adenauer-Schule und des Gymnasiums, haben am Donnerstagabend aus den Händen des MIT-Vorsitzenden Dietmar Reddig und der CDU-Landtagsabgeordneten Editha Lorberg den achten Respektpreis der MIT entgegen genommen. Neben den Preisen bekam jeder einen Scheck über 150 Euro vom Sponsor Deutsche Bank, Geschäftsstelle Langenhagen, überreicht von Geschäftsstellenleiterin Yvonne Wille.
Seit sieben Jahren erhält jedes Jahr im Frühjahr der Zehntklässler jeder Schulform, der sich im Vergleich zum Halbjahreszeugnis davor am meisten verbessert hat, diesen Preis. Gymnasiast Vincent Lubbe aus Wennebostel hat seinen Schnitt von 3,3 auf 2,5 verbessert. Der 15-jährige erklärte, er habe sich das Ziel gesetzt, Zahnmedizin zu studieren und begriffen, dass er rechtzeitig etwas unternehmen müsse, um diesen Wunsch später in die Tat umsetzen zu können. Er bedankte sich ausdrücklich für die Unterstützung siener Eltern. Die Hobbys Chorsingen, Klavier und Basketball seien darüber aber nicht zu kurz gekommen. Der 17-jährige Hauptschüler Lukas Kissing aus Bissendorf hat seinen Schnitt in dem betreffenden Jahr von 3,5 auf 2,8 verbessert und sich nebenbei noch intensiv seinem Hobby, Schlagzeug und Gitarre, gewidmet. Lukas möchte Mediengestalter oder Einzelhandelskaufmann der Fachrichtung Musik werden und war dadurch motiviert, sich auf den sprichtwörtlichen Hosenboden zu setzen. Der 15-jährige Realschüler Christoph Hennigs aus Bissendorf hat jetzt einen Schnitt von 2,33. Vor einem Jahr waren es noch 3,4."Ich will meinen Berufswunsch Mechatroniker verwirklichen. Da brauche ich einen guten Abschluss, um einen Ausbildungsplatz zu bekommen", so Christoph im Gespräch mit dem ECHO. Alle drei freuten sich ehrlich über die Auszeichnung samt begleitender Finanzspritze.
Sowohl MIT-Vorsitzender Dietmar Reddig in seiner Begrüßung als auch die CDU-Landtagsabgeordnete Editha Lorberg in ihrem Grußwort und die Hauptrednerin Gymnasiumsleiterin Swantje Klapper betonten, wie wichtig es sei, dass bei den Jugendlichen irgendwann der „berühmte Knoten platze" und sie verstünden, wofür sie lernten. Alle drei gingen in ihren Reden auch darauf ein, dass es erstmals in der Geschichte des Wedemärker Respektpreises drei Jungen wären, die sich die Auszeichnungen verdient hätten. Bislang hatten die Mädchen dominiert. So würde jedoch das Vorurteil von den langsameren und dümmeren Jungen widerlegt, freute sich Dietmar Reddig, der auch für die musikalische Untermalung einen jungen Mann engagiert hatte: Der blinde Geiger David Allesandro Günther hatte bereits beim Neujahrsempfang der Gemeinde das Publikum mit seinem modernen Spiel beeindruckt.
In seiner Begrüßung ging Reddig auf eine Nachricht ein, die in den letzten Wochen durch die Medien geisterte:Jeder zweite Schulabgänger gilt als nicht ausbildungsfähig. Erschreckend sei dies und Grund genug, dies nicht einfach hinzunehmen. Er als MIT-Vorsitzender wisse, wieviele Betriebe mangelnde schulische Qualifikation beklagten. „Die Grundrecharten fallen den Abgängern schwer, die Rechtschreibkenntnisse lasen zu wünschen übrig und das Allgemeinwissen hat große Lücken", so Reddig, und doch habe er den Eindruck, dass die heutige Jugend schon offener geworden sei: „Alte Tugenden sind wieder im Trend wie Pünktlichkeit, Höflichkeit und Freundlichkeit. Das war nicht immer so." Reddig kommt zu dem Schluss: „Man soll die junge Generation nicht fallen lassen." Die drei Schüler, die an diesem Abend ausgezeichnet würden, seien ein positives Beispiel. Ihre Einsicht und ihr Fleiß hätten ihnen den Erfolg beschwert. Reddig wandte sich aber auch an die Eltern. Sie müssten sich mehr ihres Bildungsauftrages in der Erziehung bewusst werden. Aber auch die Wirtschaft entwickele sich immer schneller. „Wir müssen daran arbeiten, dass Schule und Wirtschaft nicht aneinander vorbei agieren", mahnte Reddig.
Auch Bürgermeister Tjark Bartels war der Einladung der MIT gefolgt und hatte um die Möglichkeit gebeten, ein Grußwort halten zu dürfen, das dann zu einem recht emotionalen Statement zur Schulpolitik wurde. Kein Weg sei mehr vorgezeichnet. Die Schüler hätten Angst, in dieser hochkomplexen Welt nicht zu funktionieren. Keiner könne mehr damit rechnen, mit dem, was er nach der Schule lerne, ein Leben lang sein Brot zu verdienen. Vor allem aber herrsche keine Bildungs- und Chancengleichheit. Die Herkunft bestimme den Abschluss und das sei beschämend. Das Abitur nach zwölf Jahren sei „außerordentlich kontraproduktiv". „Die Lehrpläne sind zusammengestaucht, die Schüler haben ein abartiges Pensum zu absolvieren", so der Bürgermeister. Auch vor diesem Hintergrund sei es um so wichtiger, dass die Wedemark mit ihrem Schulneubau sehr gut aufgestellt sei. „Sie finden in der Region keinen, der mit uns mithalten kann", so Bartels.
Die Landtagsabgeordnete Editha Lorberg sah sich in ihrem Grußwort veranlasst, zu betonen, „dass doch nicht alles so schlecht ist, wie es hier dargestellt wird". Sie verlas ein Grußwort der Kultusministerin Elisabeth Heister-Neumann, philosophierte ein wenig über die Bedeutung des Zeitbegriffs, insbesondere auch für die Schüler und brachte den ausgezeichneten Schülern ausdrücklich ihre Anerkennung und ihren Respekt entgegen. Ihr Engagement zeige, dass eiserner Wille Energie frei setze und sich in der Folge Zensuren verbesserten. „Und ist es nicht ein wunderbares Gefühl, dass sich Leistungen messbar verbessern lassen?", fragte Lorberg. Sie sei sicher, dass die Zukunft gar nicht so düster aussehe. Nach den anschließenden Worten von Schulleiterin Swantje Klapper, die sich traditionell mit den anderen Schulleitern Karen Rotter und Wilfried Osing von Jahr zu Jahr abwechselt, kam es dann zur ersehnten Preisverleihung und einem Imbiss, der von verschiedenen Sponsoren der MIT ermöglicht wurde.