„Respektvoller Umgang miteinander“

„Wir würden uns wieder heiraten“, sind sich Alfred und Evamaria Schüttke auch nach 60 Ehejahren einig und sind etwas ratlos, als sie nach dem „Rezept“ gefragt werden: „Da gibt es keins. Das passt einfach.“ Foto: A. Wiese

Alfred und Evamaria Schüttke aus Abbensen feiern morgen diamantene Hochzeit

Abbensen (awi). „Unsere Ehe fing mit Sorgen an, wir hatten nichts, meine Mutter, bei der wir lebten, war sehr krank und wir nahmen die dreijährige Tochter meiner mit 23 Jahren verstorbenen Schwester bei uns auf“, schildert Evamaria Schüttke den Beginn einer Ehe, die morgen, am 27. Mai, 60 Jahre währt. Alfred (88) und Evamaria (82) Schüttke aus Abbensen empfinden es als ein Geschenk, das Fest der diamantenen Hochzeit am Donnerstag feiern zu können.
„Es prägt eine Ehe, wenn man nicht gleich aus dem Vollen schöpfen kann“, sagt die 82-Jährige nachdenklich, auch wenn die schweren Jahre heute lange hinter ihr liegen. Geboren sind beide in Ostpreußen. Sein Geburtsort Watenhöpen in der Elchniederung, wo er als Sohn eines Landwirtes mit fünf Geschwistern aufwuchs, lag nur40 Kilometer von Richau entfernt, wo Evamaria im Geschäftshaushalt ihrer Eltern aufwuchs. Getroffen haben sich beide jedoch erst 1949 in Neuwarmbüchen. Den Soldaten hatte es nach der Kriegsgefangenschaft zu seiner Schwester verschlagen, die angehende Säuglingsschwester, die ihre Ausbildung in der Heimat abbrechen musste, war mit dem Treck aus Ostpreußen geflohen und ebenfalls in Neuwarmbüchen gelandet, wo eine Tante der damals 17-Jährigen bereits lebte. Die Häuser der beiden Familien lagen nicht weit auseinander und als Alfred Schüttke, der zunächst als Möbelpacker arbeitete, beim Umzug ihrer Mutter half, begegneten sich beide. „Dann hat es sich so ergeben“, erzählen sie. Bereits am 27. Mai 1950 wurde in der Kirche in Großburgwedel geheiratet – „ganz in Weiß, das war meiner Mutter ganz wichtig“, erinnert sich Evamaria Schüttke.
Mit ihrer kleinen Nichte, die sie nach dem frühen Tod der Schwester aufnahmen, lebten die Frischvermählten zunächst bei ihren Verwandten. Sie fühlten sich wohl in Neuwarmbüchen, wo 1951 die Tochter und zwei Jahre später der Sohn geboren wurden. Alfred Schüttke hatte noch im Jahr der Hochzeit im VW-Werk am Band angefangen, seine Frau verdiente trotz Haushalts und Kindererziehung als Verkäuferin bei Karstadt dazu. 1968 beschlossen sie, sich ein Häuschen zu bauen. Auf der Suche nach einem erschwinglichen Bauplatz kamen sie nach Abbensen, wo es ihnen bis heute sehr gut gefällt. Ihr Haus und den gepflegten Garten halten beide ganz alleine in Ordnung und alles sieht tipptopp aus. „Ich müsste allerdings mal wieder Fenster putzen“, meint Evamaria Schüttke in diesem Zusammenhang stirnrunzelnd.
Langeweile kennen die rüstigen Rentner nicht. Alfred Schüttke ist förderndes Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr, liebt die Gartenarbeit und bastelt ausgesprochen gerne mit Holz. Er baut Möbel selber und hat auch die Terrassenbalustrade selbst gefertigt. Seine Frau ist
seit über 30 Jahren mit einigen anderen Damen in einem privaten Schwimm- und Handarbeitsclub aktiv. „Von wegen Handarbeiten. Da wird immer nur geklönt“, wirft ihre bessere Hälfte ein, erntet aber ein empörtes Veto. Im Dorf sieht man beide viel mit dem Fahrrad, obwohl Alfred Schüttke zum Einkaufen auch noch mit dem eigenen Auto fährt, aber nur noch kurze Streck-en. In ihre „zweite Heimat“ das ungarische Thermalbad Zalakaros fahren Alfred und Evamaria Schüttke mittlerweile nicht mehr mit dem eigenen Auto. Das hält sie jedoch nicht davon ab, wie bereits seit 20 Jahren zweimal im Jahr für mehrere Wochen das Heilwasser der ungarischen Solequelle in Anspruch zu nehmen und sie schwören da-rauf, dass hier das Geheimnis für ihre gute Gesundheit im hohen Alter liegt.
„Dass wir soviel gemeinsam gemacht haben und immer noch machen und dennoch jeder seinen persönlichen Freiraum hat, ist sicherlich auch ein Grund, warum unsere Ehe so harmonisch ist“, sind beide überzeugt. Der respektvolle Umgang miteinander ist ihnen sehr wichtig und sie haben stets darauf geachtet, ein gutes Vorbild für ihre Kinder zu sein. Und diese bestätigen ebenso wie die Schwiegerkinder, dass das gelungen ist. Die Familie hat einen sehr guten Zusammenhalt, alle Kinder, Enkel und Urenkel leben in der Wedemark und man sieht sich oft. Natürlich wird auch das Fest der diamantenen Hochzeit im großen Familienkreis gefeiert, im Gasthaus Knop in Abbensen. Darauf freuen sich die Jubilare bereits sehr.