Resser wollen auch schnelles DSL

Wollen nicht als einzige Wedemärker Gemeinde bei VDSL auf der Strecke bleiben: Ortsbürgermeister Jörg Woldenga (M.), CDU-Fraktionssprecher Gerd Kaufmann (r.) und Dirk Rapke vom Telecom Service Center sammeln Interessensbekundungen als Verhandlungsbasis mit einem Anbieter – egal welcher. Foto: A. Wiese

Ortsrat sammelt Unterschriften und fordert Verwaltung zu Verhandlungen auf

Resse (awi). „Wir werden hier bezüglich DSL immer noch auf einem Esel durch die Gegend reiten, wenn die anderen schon lange Porsche fahren“. Mit diesem Synonym brachte Kai Tschentscher von der SPD auf den Punkt, was den Resser mächtig stinkt: Dass sie nämlich, was das Internet betrifft, mittlerweile so gut wie die einzige Gemeinde in der Wedemark sind, die nicht locker mit 50.000 mbit/s im Netz surfen können. Massiv forderte der Ortsrat am Montagabend – initiiert durch einen Antrag der SPD-Fraktion – den Einsatz der Gemeindeverwaltung in dieser Sache ein. Interessensbekundungen sollen wie in den anderen Gemeinden auch das entscheidende Druckmittel sein.
Wer schnelles DSL in Resse möchte, muss also unterschreiben. 1.280 Haushalte sind registriert. „Um Resse für einen Telekommunikationsanbieter interessant zu machen, müssen wir mindestens halb so viele Interessensbekundungen nachweisen können“, sagte Ortsbürgermeister Jörg Woldenga am Montagabend. Er und andere Ortsratsmitglieder sammeln zusammen mit Dirk Rapke vom Telecom Service Center inoffiziell schon seit einiger Zeit, die Resonanz ist jedoch mit bisher 230 Unterschriften nicht berauschend. Der Ortsrat will jetzt Gas geben: Am Freitag, 15. November, stehen Mitglieder den ganzen Tag am Frischmarkt Pagel und nehmen Interessensbekundungen entgegen. Natürlich kann man sich auch außerhalb dieses Termins mit den Ortsratsmitgliedern oder dem Telecom Service Center in Mellendorf in Verbindung setzen, beziehungsweise Dirk Rapke privat in Resse kontaktieren. Am Montagabend kam deutlich zur Sprache: Das Problem ist nicht nur, dass wer DSL hat, maximal 16.000 Mbit/s zur Verfügung hat. Entscheidend ist, dass gar keine neuen DSL-Anschlüsse mehr eingerichtet werden können. Wer also neu nach Resse zieht oder auch nur innerhalb Resses umzieht, guckt in die Röhre, denn es gibt bereits Wartelisten. Auch das Neubauvorhaben für barrierefreies Wohnen neben dem Frischmarkt, das Karl-Heinz Müller am Montagabend vorstellte, und das aktuell von der Gemeinde ausgeschrieben wird, ist davon betroffen: So wie die Situation jetzt ist, werden die Eigentümer der neuen Seniorenwohnungen zunächst keinen DSL-Anschluss bekommen, erfuhr Müller, der sich zusammen mit der Firma Wiebe aus Wietze um den Zuschlag für das Projekt bewirbt. Einstimmig stellte sich der Ortsrat hinter den von Marion Lenz vorgetragenen SPD-Antrag: „Die Gemeindeverwaltung wird aufgefordert, mit dem derzeitigen und alternativen Telekommuni-kationsanbietern Verhandlungen aufzunehmen, mit dem Ziel einer optimierten und zukunftsweisenden DSL-Versorgung in Resse.“ Derzeit gebe es in Resse nicht genügend freie Anschlussmöglichkeiten für alle DSL-Interessenten, so Lenz in ihrer Begründung. Da genügend freie Steckplätze vorhanden seien, wären weitere freie Ports mit relativ geringem technischen Aufwand zu realisieren. In Resse werde derzeit nur DSL 16.000 angeboten, obwohl durch das vorhandene Glasfaserkabel ebenfalls mit geringem technischen Aufwand VDSL realisierbar wäre, trug Lenz vor. Weitere Möglichkeiten gebe es ansonsten nur noch über LTE. Der Ortsrat stimmte in seiner Sitzung am Montag gerade der Vertragsverlängerung für die Mobilfunkantenne auf der Schule zu, die um 1,80 Meter erhöht werden soll. Allerdings müsse der Punkt LTE noch im Vertrag verankert und eine entsprechende Frist gesetzt werden, betonte Ortsbürgermeister Jörg Woldenga.
fühlen sich die Resser ganz offensichtlich auf dem Abstellgleis. Auch was die Wasserversorgung betrifft, fordert der Ortsrat die Gemeinde auf, in seinem Sinne tätig zu werden, bisher jedoch ohne Erfolg. „Als einzige Gemeinde der Wedemark ist Resse Mitglied im Wasserverband Garbsen-Neustadt“, begründete Ortsbürgermeister Jörg Woldenga den Wunsch zum Wechsel in den Wasserverband Nordhannover: „Dann wäre die ganze Gemeinde Wedemark in einem Wasserverband.“ Resse, das was die Versorgung mit Wasser und Telefon betreffe, nach Garbsen orientiert sei, wolle raus aus dem Status „Niemandsland“, so Woldenga. Doch von Joachim Rose von der Gemeindeverwaltung habe er eine „eigenartige Antwort mit dem Tenor ,zu teuer‘ bekommen“, berichtete Woldenga am Montagabend. Angeblich seien riesige Investitionen notwendig. „Ich bin der Vertreter für Resse im Wasserverband Garbsen-Neustadt und über Kos-ten hier im Ort hat noch keiner gesprochen. Das Netz ist in Ordnung, wir haben keine Rohrbrüche. Es geht höchstens mal ein Schieber kaputt und das ist schnell repariert“, so Woldenga weiter. Es stehe allerdings eine Wasserpreis-erhöhung bevor, und der Preis sei jetzt schon wesentlich höher als beim Wasserverband Nordhannover. „Uns fehlt eine detaillierte
Kostenaufstellung“, stellte der Ortsbürgermeister fest. Jochen Pardey von der SPD regte an, die Gemeinde möge bitte von einem einschlägigen Fachjuristen eine Rechtsauskunft zu einem mög-
lichen Austritt aus dem Wasserverband Garbsen-Neustadt einholen. Prüfen soll die Gemeinde auf Wunsch des Ortsrates auch den Status eines Grünstreifens in Verlängerung der Leipziger Straße. In der Einwohnerfragestunde hatte eine Anwohnerin die massive Verschmutzung mit Hundekot bemängelt. Ob das Problem jetzt baurechtlich angegangen werden oder versucht werden soll, eine Initiative mit Kotbeutelspendern ins Leben zu rufen, soll thematisiert werden, versprach Ortsbürger-meister Jörg Woldenga. Als „Mediator“ trat er auch bei einem anderen Thema der Einwohnerfragestunde auf: Eine Initiatorin von beim DRK angesiedelten Kindertanzkursen beschwerte sich, dass ihre Gruppen keine Hallenzeiten mehr bekämen. Das habe ihr der Sportverein mitgeteilt. Woldenga ließ sich die Situation von ihr und anderen Beteiligten im Zuschauerraum erläutern und regte das Gespräch der direkt Betroffenen untereinander an. Im Raum stand schließlich der Anschluss der Kindertanzgruppen an den Sportverein als eigene Sparte. Gespräche dazu werden demnächst im kleinen Kreis erfolgen.
Aufgeworfen wurde im Ortsrat noch die Frage, ob das Ortsschild für Resse an der Osterbergstraße bereits am Vorwerk platziert werden soll, da hier definitiv das Dorf beginne. Die Ortsratsmitglieder zeigten sich von dieser Möglichkeit überzeugt. „Wenn es sich um eine gewidmete Gemeindestraße in der Ortslage handelt, würde das auch bedeuten, dass auf der gesamten Straße Tempo 30 gilt“, führte Kai Tschentscher (SPD) als weiteres Argument an.