Resser Zahnarzt sucht Nachfolger

Klaus-Jochen Böning zieht sich Anfang 2018 in den wohlverdienten Ruhestand zurück. Die Praxis an der Osterbergstraße ist von Familie Grotzke vor neun Jahren extra für die Bedürfnisse eines Zahnarztes umgebaut worden. Böning hofft sehr auf einen Nachfolger, damit die zahnärztliche Versorgung erhalten bleibt. Foto: A. Wiese

Doppelschlag für Resse: Nach Hausarzt kündigt auch Zahnarzt Schließung an

Resse (awi). Resse braucht ab 2018 nicht nur einen neuen Hausarzt, sondern auch einen neuen Zahnarzt – ein Doppelschlag für das rund 2.600 Einwohner große Dorf, das noch vor wenigen Jahren bundesweit Schlagzeilen machte, weil sich seine Bürger so erfolgreich um eine funktionierende Infrastruktur für ihren Ort stark machten. Jetzt sehen sie sich jedoch völlig unvermittelt mit dem Problem konfrontiert, mit dem Jahreswechsel ohne ärztliche und zahnärztliche Versorgung dazustehen.
Zahnarzt Klaus-Jochen Böning aus Langenhagen, der seine Praxis aus Hannover 2009 nach Resse in das von Vermieter Grotzke extra dafür umgebaute Haus verlegte, sucht allerdings intensiv nach einem Nachfolger für seine Praxis mit einem Stamm von 900 Patienten. „Wir haben damals mit unserer Niederlassung vor allem die ältere Generation angesprochen, haben aber mittlerweile ein bunt gemischtes Patientenklientel“, so Böning im Gespräch mit dem ECHO. Er weiß, „dass die Resser sehr da-
ran interessiert sind, ihre zahnärztliche Betreuung im Ort zu behalten“. Wann genau der 66-Jährige seine Praxis schließt, hängt noch von einigen Formalitäten ab. „Frühestens zum 31. Dezember 2017, allerspätestens zum 31. März 2018“, so Böning. Er will jetzt Gespräche mit Kollegen führen, die möglicherweise an einer Nachfolge oder auch einer Zweigpraxis interessiert sein könnten. Auch an den Verein Bürger für Resse hat sich Klaus-Jochen Böning mit der Bitte um Unterstützung gewandt. „Doch wir stehen selbst seit wenigen Tagen vor der Situation, ab Januar ohne ärztliche Versorgung in Resse dazustehen, da die Allgemeinmediziner Harder und Maeß ihren Mietvertrag mit uns, zum 30. September nächsten Jahres gekündigt haben und die Praxis laut Aushang zum 31. Dezember schließen. Die ärztliche Versorgung wäre dann über die Praxis in Bissendorf sichergestellt, aber das ist es nicht, was wir wollen“, sagt Renate Kolb, zurzeit kommissarische Vorsitzende des Vereins Bürger für Resse, im Gespräch mit dem ECHO. Der Verein, so Kolb, sei doppelt betroffen. Er ist Eigentümer des Ärztehauses, das er 2008 von der Sparkasse erwarb und aufwändig zu einer modernen Arztpraxis umbaute, um die ärztliche Versorgung in Resse aufrecht zu erhalten, nachdem Allgemeinmedizinerin Kolb mit Erreichen der Altersgrenze in den Ruhestand gehen und ihre Praxis schließen musste. Mit der Kündigung von Harder und Maeß nach neun Jahren droht nicht nur der Wegfall der ärztlichen Versorgung vor Ort, sondern zugleich auch der Mietausfall, wenn es dem Verein nicht gelingen sollte, einen Nachfolger für die Praxis zu finden. Renate Kolb hat sich bereits mit der Kassenärztlichen Vereinigung in Verbindung gesetzt, um abzuklären, ob der Verein bei der Suche nach einem Nachfolger möglicherweise auch mit rechtlichen Hürden zu rechnen hat. Der Verein sei von der Kündigung „kalt erwischt worden“, bestätigt Kolb, der die aktuelle Entwicklung als Vorgängerin der Hausärzte auch persönlich sichtlich nahe geht. Die Kündigung des Mietvertrages sei ohne vorherige Gespräche letzte Woche bei dem Verein eingegangen, zeitgleich mit der Kündigung der Vereinsmitgliedschaft der Ärzte und deren Genossenschaftsanteile in der „Infrastruktur Resse“.