Sanierung der Kirchenmauer dauert

Dr. Hellmuth Hahn sammelte die Knochen vor der alten Kirchenmauer ein, damit sie später würdig bestattet werden können. Foto: Privat

Ortshistoriker Hahn sammelte die Knochen verblichener Bissendorfer ein

Bissendorf (awi). Ortshistoriker Dr. Hellmuth Hahn war in den vergangenen Wochen wieder in seinem Element: Ganz in seiner Nähe ist wieder ein Teil des Kummerberges abgetragen worden, dieses Mal um die unter Denkmalschutz stehende baufällige Mauer des ehemaligen Kirchhofes aus Raseneisenstein entlang der Straße Am Kummerberg zu erneuern.
Während der Arbeiten war Hahn bemüht, die Knochen der Bissendorfer Vorfahren einzusammeln, damit sie später auf der verbliebenen Begräbnisstätte eingegraben werden können. „Der Platz um die Kirche war bis 1827 Begräbnisstätte und wurde dann wegen Überfüllung geschlossen und an den heutigen Ort verlegt“, berichtet Hahn, der direkt gegenüber wohnt. Schon 1680 habe man damit angefangen die Bergkuppe zu kappen. Als die Gastwirtschaft Knibbe (heute Haus der VGH Föst) neu gebaut wurde, habe man das Baugelände um eineinhalb Meter abgetragen. Die Gastwirtschaft, jetzt Krentler, brannte 1893 während einer Tanzveranstaltung ab. Das jetzige Haus wurde erst 1903 errichtet. Eine dritte Abtragung des Nordhanges vom Kummerberg sei erfolgt, als vor 130 Jahren die Straße am Kummerberg in Form einer Trogstrecke ausgebaut wurde, um die erhebliche Steigung dieses ehemaligen Fußweges zur Fahrstraße zu machen. In der Zwischenzeit sei ein Teil des Kummerberges abgetragen worden. An dieser Seite sind die Arbeiten an der Mauer beendet. Zurzeit wird an der Mauerseite an der Burgwedeler Straße gearbeitet. „Leider mussten wir Verzögerungen in Kauf nehmen und die Arbeiten werden zum Bissendorfer Sonntag am Wochenende nicht abgeschlossen sein“, bedauert Karin Ernst vom Kirchenvorstand. Im Frühjahr 2011 hatte das Amt für Bau- und Kunstpflege der Landeskirche sich die Mauer auf Wunsch des Bissendorfer Kirchenvorstandes angesehen. Das Ergebnis: Ausbeulungen vor allem am Kummerberg stellten die Standfestigkeit in Frage und erfordern eine umfangreiche Sanierung. Zunächst musste der Druck gemindert werden. Dafür wurde die Erde in einer Breite von 2,50 Meter rund 50 Zentimeter tief auf der Rückseite der Mauer abgetragen. Leider musste auch eine mehr als hundert Jahre alte Eibe weichen, so dass das äußere Erscheinungsbild des Kirchenaufgangs sich veränderte. In diesem Jahr wurde nun mit leichten Verzögerungen die Sanierung der kompletten Mauer in Angriff genommen. 100.000 Euro waren dafür veranschlagt. Der Kirchenkreis habe einen Zuschuss von 20.000 Euro gegeben, so Karin Ernst. Die restlichen Mittel musste die Kirchengemeinde Bissendorf selbst aufbringen, was sie durch ohnehin geplante Grundstücksverkäufe schulterte. Einerseits sei es bedauerlich, dass die Mauer bis zum Bissendorfer Sonntag nicht fertig sei, da mit den Ständen an der Burgwedeler Straße, die direkt vor der Mauer geplant seien, jetzt improvisiert werden müsse, erklärte Karin Ernst. Andererseits hätten die Besucher der Veranstaltung so aber auch die Gelegenheit, sich ein Bild vom Aufbau der Mauer zu machen. Ein spezielles Glassteingemisch wird nämlich Feuchtigkeit und Druck der Erde von der Mauer weghalten. Darauf wird eine dünne Mutterbodenschicht aufgebracht, die allerdings nicht bepflanzt wird. „Die Gesamtgestaltung des Kirchenvorplatzes steht noch nicht abschließend fest, denn wir haben im Zuge der Baumaßnahmen festgestellt, dass uns die Lampen gestohlen worden sind, die die Treppe beleuchteten“, berichtete Karin Ernst. Zurzeit erhellen Baustrahler das Gelände.