Scherenbostel will sich entwickeln

Diskussion unter einem von Scherenbostels Wahrzeichen, dem Glockenturm, am Ende der ersten Bereisung: Erik van der Vorm (von links), Jürgen Kowahl, Harald Meyer, Holger Zorn, Wolfgang Bertling, Lars Pitschmann, Marion Brüggemann-Behnke, Gero Pitschmann, Karin Bukies und Michael Wilken. Foto: A. Wiese

Ortsratsmitglieder, Vereinsvertreter und Planer setzen jetzt auf die Bürger

Scherenbostel (awi). „Der Ort Scherenbostel liegt mir immer schon am Herzen“, gestand Erik van der Vorm beim abschließenden Pressegespräch nach einer ersten „Begehung“ des Ortes per Fahrrad durch Ortsratsmitglieder, Vertreter des Planungsbüros aus Hannover, Planer Holger Zorn von der Gemeinde und interessierten Scherenbostelern. FDP-Ratsherr van der Vorm hatte die Initiative zur Dorfentwicklung in Scherenbostel bereits vor einigen Jahren in Gang gesetzt und freut sich, dass dafür im Haushalt der Gemeinde mittlerweile Mittel zur Verfügung stehen. Weitere Gelder würden die Scherenbosteler gerne als Projektzuschüsse generieren, beispielsweise über das LEADER-Programm (siehe auch Artikel auf Seite 4).
Nachdem vor Jahren bereits einmal 5.000 Euro für die Dorfentwicklung in Scherenbostel im Haushalt standen und nichts passierte, waren die Gelder herausgenommen worden. Jetzt sind sie wieder drin und jetzt muss es auch vorangehen. Das kann jedoch nicht das Projekt einer kleinen Gruppe sein, sondern darin sollen alle Einwohner der Orte Scherenbostel, Wiechendorf und Schlage-Ickhorst und natürlich auch der Siedlung Buchholz eingebunden werden. Die Auftaktbereisung mit dem Fahrrad fand jetzt allerdings zunächst einmal nur in Scherenbos-tel statt. „Wir wollten erst einmal sehen, wie ist die dörfliche Struktur gestrickt?“, erklärte van der Vorm. Ebenso wie die anderen Beteiligten Jürgen Kowahl, Michael Wilken, Wolfgang Bertling, Marion Brüggemann-Behnke sowie Lars und Gero Pitschmann setzt er jetzt darauf, dass die Initiatoren ebenso wie in Elze viele Bürger dazu bekommen, sich zu beteiligen. Das kann im Rahmen einer Vereinsgründung passieren, muss aber nicht. Auf jeden Fall muss der Willen zur Dorfentwicklung über den politischen Raum hinaus getragen werden, waren sich die Teilnehmer der Bereisung einig. „Die Bereisung ist quasi der Kickoff, jetzt warten wir gespannt, was für Vorschläge und Ideen uns aus der Bevölkerung erreichen“, sagte auch Planer Holger Zorn, der aber vorsichtshalber zu bedenken gab: „Die Gemeinde kann nicht alles bezahlen!“ Daher der Gedanke, vielleicht auch LEADER-Mittel zu akquirieren, beispielsweise für einen Nachbarschaftsladen oder die Ausschilderung des Radwegenetzes. Möglichkeiten gebe es viele, bestätigten auch Karin Bukies und Harald Meyer vom Büro Stadt-Landschaft. Ein wichtiger Stellenwert bei all diesen Überlegungen wird auch der Umnutzung landwirtschaftlicher Gebäude zukommen. In Wiechendorf gibt es noch drei Landwirte. Hören sie auf, muss die Bausubstanz erhalten und umgenutzt werden. Eine vernünftige Nachnutzung könnte durchaus Thema der Dorfentwicklung sein, natürlich immer Seite an Seite mit den Eigentümern. Dann gibt es Bestrebungen, im alten Dorf Scherenbos-tel einen Mittelpunkt zu schaffen. Auch dazu wünschen sich die Initiatoren der Dorfentwicklung Vorschläge aus der Bevölkerung. Ortsratsmitglied Marion Brüggemann-Behnke schlug vor, vor allem auch die Bürger der beiden neuen Baugebiete in Scherenbostel einzubeziehen. Immerhin seien diese Gebiete an den ursprünglichen Ort „angedockt“. Erik van der Vorm warnte allerdings davor, die Diskussion zur Dorfentwicklung letztendlich nicht auf Straßenausbauwünsche zu beschränken, zudem die Interessen der Altanlieger diesen häufig entgegenstünden. „Das gibt Krieg“, befürchtete der FDP-Ratsherr. Karin Bukies vom Planungsbüro riet davon ab, zu hohe Erwartungen auf die Förderung privater Projekte zu wecken, das sei nicht der Fokus der Dorfentwicklung. Vielmehr könne man überlegen, sich mit anderen Dörfern zusammenzuschließen und Fördermittel für eine „Dorfregion“ zu beantragen, dabei könnten diese Dörfer durchaus auch in anderen Gemeinden als der Wedemark liegen. Entscheidend sei, bestehende Gebäude, landschaftliches und touris-tisches Potential wie das Moor einzubeziehen. Dazu gehörten dann natürlich auch Radwege, zum Beispiel von Bissendorf nach Schlage-Ickhorst. Ortsratsmitglieder und Verwaltung freuen sich auf Vorschläge der Bürger.