Schnelles Fahren nervt Bissendorfer Bürger

Christa Bogenschütz verpflichtet Reinhard Fischer als neues Ortsratsmitglied. Foto: B. Stache

Ortsrat setzt auf viele Aktionen und Appell „Freiwillig 40“

Bissendorf (st). Es sei einen Versuch wert: „Wir verlieren relativ wenig“, erklärte Ortsbürgermeisterin Christa Bogenschütz während der 9. Ortsratssitzung am Dienstagabend in der Bibliothek Bissendorf, nachdem sie das in Offenburg erfolgreich gestartete Projekt zur Verkehrsberuhigung „Freiwillig 40“ vorgestellt hatte. Die bisherigen Regulierungen hätten in Bissendorf zu keiner Verbesserung der Verkehrssituation geführt, ließ Bogenschütz die Ortsratsmitglieder sowie Bürgerinnen und Bürger wissen, die schon in der Einwohnerfragestunde engagiert ihre Sorgen und Nöte um den starken und schnellen Straßenverkehr im Ort vorgetragen hatten. Die Ortsbürgermeisterin berichtete von dem Offenburger Projekt, das sie für Bissendorf, auch aufgrund der geringen Kosten von zirka 7000 Euro, zur Nachahmung vorschlug. Mit Unterstützung der Landesregierung von Baden-Württemberg wurden in Offenburg farbige Haltelinien auf Fahrbahnen quer zur Fahrtrichtung aufgezeichnet, um Autofahrern ein optisches Zeichen für zu schnelles Fahren zu vermitteln. Dialogdisplays, Banner oder ovale Schilder, die gegenüber regulären Straßenschildern herausstechen, gehören ebenfalls zur Verkehrsberuhigungs-Aktion, so Bogenschütz. „Ganz wichtig ist die aktive Einbindung der Bevölkerung“, berichtete sie. In Offenburg gab es hierzu Programme in Kindergärten, eine Sprayaktion mit einer Jugendgruppe, ein Straßenfest und auch Veranstaltungen in Altersheimen oder Aufkleber, um möglichst viele Bürgerinnen und Bürger für die Idee „Freiwillig 40“ zu gewinnen und in die Aktion einzubinden. In Tempo 50-Bereichen habe sich in Offenburg aufgrund dieser Aktion die Geschwindigkeit um 5 bis 8 km/h reduziert: „Erstaunlicherweise ging das Tempo in 30er-Zonen um 10 bis 14 km/h zurück“, informierte Ortsbürgermeisterin Bogenschütz. Auch sei eine geringe Lärmreduzierung gemessen worden. Das Projekt sollte mit einer Informationsveranstaltung in Bissendorf beginnen, kündigte Christa Bogenschütz an, die offensichtlich auf die Unterstützung des Ortsrates zählen kann. Aus der Gemeinde habe sie bereits ein positives Signal zur Mitfinanzierung erhalten. Während der Ortsratssitzung gab die Ortsbürgermeisterin eine Reihe von Mitteilungen bekannt: Der DSL-Ausbau in Bissendorf ist abgeschlossen, mit der Eröffnung des Wertstoffhofes sei Mitte Dezember zu rechnen, mit dem Beginn der Baumaßnahmen an der Schlager Chaussee nach Angaben der beauftragten Baufirma Ende Oktober. Der Schmutzwasserspeicher Südeschfeld sei fertig gestellt und in der Schlittenkuhle in Bissendorf könne im kommenden Winter auch wieder gerodelt werden, so Christa Bogenschütz. Sie gab noch den Hinweis auf die Senioren-Weihnachtsfeier am Samstag, 7. Dezember, dankte allen Helfern, die zum großen Erfolg beim Fest „50 Jahre Schule“ beigetragen hatten, berichtete vom 10. Platz des Ortsrates beim Dorfpokalschießen sowie dem bereits erfolgten Abbau der Telefonzelle an der alten Post. Max Hüsken vom Team Zentrale Dienste der Gemeinde Wedemark teilte mit, dass an der Mellendorfer Straße, Ostseite, die Haltestelle mit Fördermitteln des Landes erneuert wird: mit Fahrplanvitrine, Sitzgelegenheit und einem Papierkorb. „Gleichzeitig wird die Wartehalle verlegt, damit die Haltestelle näher am Einstiegsbereich liegt“, erklärte Hüsken. Die 1. Änderung der Straßenreinigungssatzung vom 8.10.2012 war ein weiteres lang diskutiertes Thema während der Ortsratssitzung. Ihren Abschied aus dem Ortsrat Bissendorf nahm am Abend Christiane Killig, die ihren Wohnsitz nach Mellendorf verlegte. „Es hat Spaß gemacht, ich habe viel über Kommunalpolitik gelernt“, erzählte sie, nachdem der Ortsrat der Beendigung ihrer Mitgliedschaft zugestimmt hatte. Ortsbürgermeisterin Bogenschütz dankte ihr für die siebenjährige Zusammenarbeit: „Zum Glück bleibst du uns im Rat und privat erhalten.“ Glückwünsche und Geschenke gab es auch von den Fraktionen. Reinhard Fischer, seit 1967 Mitglied der SPD und seit 2010 wohnhaft in Bissendorf, wurde von Christa Bogenschütz als Nachfolger verpflichtet. „Ich freue mich über die Berufung in den Ortsrat. Dies sehe ich als Ehre an, für die Bürgerinnen und Bürger auch in diesem Gremium tätig zu sein. Ich freue mich darauf, mit allen Ortsratsmitgliedern zusammenzuarbeiten – unabhängig von Parteizugehörigkeiten“, machte das neue Ortsratsmitglied deutlich.