Schüler thematisieren ihre Angst

Die Berthold-Otto-Schüler beim Rappen mit Spax (von rechts): Tessa Höpfner, Leon Mühlfeld, Tim Werk, Leon Kerz, Tobias Kallnik und Jannick Will. Foto: A. Wiese

Rap-Workshop mit Spax an der Berthold-Otto-Schule

Mellendorf (awi). Sie haben ihre Stärken und Schwächen wie alle Schüler, die Förderschüler der Berthold-Otto-Schule. Mit Rapper Spax bekamen sie jetzt eine ganz besondere Möglichkeit, sich bei einem Workshop auszudrücken. Auf die Frage, welches Thema sie in diesen drei Tagen in den Fokus stellten wollten, einigten sich die Schüler auf das Thema „Angst“. Dieses Thema ist besonders vielfältig und ebenso schwierig ist es, ihm zu begegnen: Da gibt es die Angst vor der Angst, die Platzangst, die Angst vor Nähe, die Angst vor Hilflosigkeit und Ausgeschlossenheit, vor Verlust, Verletzungen, Einsamkeit und Tod, die Höhenangst und die Angst vor Veränderung. „Es ist irre, was aus den Kindern herauskommt, wenn sie ihre Ängste in einem Rap in Reimen ausdrücken sollen“, sagt Rapper Spax nachdenklich. Seit seinem 15. Lebensjahr steht der Sprechgesangskünstler auf der Bühne, ist seit 15 Jahren in und um Hannover und in der Welt unterwegs. In den ersten Jahren hätten die Bühnenauftritte rund 70 Prozent seiner Aktivitäten ausgemacht und die Workshops, wie man rappt, 30 Prozent. Mittlerweile habe sich das Verhältnis gedreht, so Spax, im Gespräch mit dem ECHO. Die Musikindustrie habe sich verändert, aber auch seine Motivation, mit Kindern zu arbeiten, sei immer größer geworden. „Ich könnte nicht mit Kindern arbeiten, wenn ich ein Gangsterrapper wäre“, sagt Spax und drückt damit aus, dass er bei seinen Workshops ganz auf die Bedürfnisse der Teilnehmer eingeht. Er arbeitet mit allen Schulformen, aber auch mit Kindergartenkindern, Studenten oder Senioren. „Jeder kann rappen“, ist sein Leitsatz. Wie der jeweilige Workshop sich entwickelt, was für Raps dabei herauskommen, das hänge von den Menschen ab, mit denen er arbeite, so Spax. So brächten die Förderschüler bestimmte Bedingungen mit, mit denen er arbeiten müsse, bei Gymnasiasten zum Beispiel seien das wieder ganz andere. Wesentlich mehr als woanders werde an der Berthold-Otto-Schule deutlich, dass die Kinder stigmatisiert seien. Bevor er mit ihnen arbeiten könne, müsse er zunächst einen Weg finden, ihr Selbstbewusstsein zu stärken und sie zu motivieren, ihre Stärken und Schwächen zu erkennen. „Studiert habe ich nie, weder Pädagogi k noch Psychologie. Ich glaub auch gar nicht, dass Studieren immer so gut ist. Ich mach das aus dem Bauch und mit gesundem Menschenverstand“, sagt Spax. Und er hat Erfolg: Die Schüler, auch die ganz stillen, tauen auf, bringen sich ein, reden über ihre Angst, darüber was Angst mit ihnen macht. Dass sie verändert, verhindert und Selbstvertrauen nimmt, dass sie Schockstarre, Lähmung und Krampf verursacht. „Der Weg ist das Ziel und das, was danach passiert“, sagt Spax. Er setzt auf einen liebe- und respektvollen Umgang mit seinen Workshop-Teilnehmern und erzielt damit erstaunliche Ergebnisse. „Ich kann mich auf die jeweiligen Workshops nicht vorbereiten, weiß nicht, was die Kinder für eine Laune haben an dem Tag, wie sie drauf sind. Ich muss sie einfach nehmen, wie sind sind.“ Der Rap sei für einen Workshop ideal, weil die Einstiegsschwelle so gering sei. „Haus auf Maus reimen, das kann jeder“, schmunzelt Spax, der eigentlich Raffael heißt, aber diesen Namen als unpraktisch abgelegt hat. Cognitive Dinge ständen beim Rappen im Vordergrund: Rhythmusgefühl und Timing. Er habe dabei schon die irrsten Dinge erlebt, so Spax: Ein Stotterer, der beim Rappen auf einmal überhaupt nicht mehr stottere und ein Junge, der nie ein Wort sage, der auf einmal in ganzen Sätzen reden könne. Sein Rezept: „Ich bin offen und ehrlich, aber nicht verletzend.“ Vor allem aber sei es die Rhythmik, die viele auf einer anderen Ebene als der üblichen erreiche. Jeder könne die Wörter benutzen, die er kenne, könne schwierig oder einfach reimen. Jeder kann rappen, worüber er will und hat ein Erfolgserlebnis, kriegt Respekt für das, was er macht.
Wer jetzt neugierig geworden ist und Spax einmal für einen Workshop in seiner Schule, Kindergarten, Verein oder irgendeine andere Gruppe buchen möchte, kann sich mit Raffael Szulc-Vollmann unter Telefon (01 63) 7 72 97 27 oder per E-Mail unter spax@spax-hiphop.de in Verbindung setzen.