Schüleraustausch mit Polen und Ukrainern

Die IGS-Pädagogen Joachim Kasten, Heike Schlimme-Graab und Franziska Frome-Ziegler freuen sich mit ihren zehn Schülern über die guten Erfahrungen, die sie beim trilateralen Austausch des Deutsch-Polnischen Jugendwerks in Polen gemacht haben. Foto: B. Stache

Zehn IGS-Schüler berichten über ihre Erfahrungen nach dem ersten Treffen

Mellendorf (st). „Weil dies ein so tolles Projekt ist, bin ich mit nach Polen gefahren“, begeisterte sich IGS-Wedemark-Schulleiterin Heike Schlimme-Graab. Gemeinsam mit acht Schülerinnen und zwei Schülern der 11. Klasse sowie den beiden Lehrern Franziska Frome-Ziegler und Joachim Kasten hatte sie vom 2. bis 6. November an einem trilateralen Austausch des Deutsch-Polnischen Jugendwerks (DPJW) mit einer Schule aus Polen und der Ukraine teilgenommen. Die internationale Begegnung fand im polnischen Ort Kreisau statt. Dort waren die Schüler mit ihren Lehrern auf dem Gutshof der Familie von Moltke untergebracht. In den Jahren 1942/43 fanden auf dem niederschlesischen Gut Kreisau von Helmuth James Graf von Moltke Treffen des so genannten „Kreisauer Kreises" statt, einer Gruppe von Widerstandskämpfern gegen das NS-Regime. Diese entwickelten bei ihren Zusammenkünften im Berghaus des Gutshofs Konzepte für eine grundlegende staatliche, wirtschaftliche und soziale Neuordnung Deutschlands nach dem Ende der NS-Diktatur. Viele von ihnen wurden später hingerichtet. „Bei einem Lehrerseminar des DPJW im März dieses Jahres in Kreisau kam die Idee auf, auch die Ukraine mit einzubinden. Wir haben dann Kontakt mit Schulen in Krakau und Kharkiv/Ukraine aufgenommen“, erklärte Joachim Kasten, der den Schüleraustausch gemeinsam mit Franziska Frome-Ziegler organisiert hatte, am Freitagnachmittag bei einem ersten Treffen der IGS-Gruppe nach Rückkehr aus Polen. Die erste Begegnung mit den jeweils zehn polnischen und ukrainischen Schülern in Kreisau wurde vom DPJW als Kennenlern-Seminar subventioniert. Ein zweiter Schüleraustausch ist für April 2016 in Krakau mit einem Besuch der Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau und im August in der Wedemark geplant – dann steht die Gedenkstätte Bergen-Belsen auf dem Programm. „Aus politischen Gründen finden diese Treffen derzeit noch nicht in der Ukraine statt. Das wünschen wir uns aber für die Zukunft“, hofft Franziska Frome-Ziegler. Mit großer Begeisterung riefen die IGSler beim Feedback am Freitagnachmittag ihre guten Erfahrungen noch einmal in Erinnerung. Die gemeinsame Sprache mit den polnischen und ukrainischen Schülern war Englisch. Es gab Workshops und Ausflüge. „Wir sind auch nach Breslau gefahren und haben uns dort eine Synagoge und Kirchen angesehen. Das war keine typische Touri-Tour und abends gab es Sportaktivitäten oder Lagerfeuer“, erinnerte sich die 16-jährige Lena. „Wir haben uns auch über unsere Großeltern ausgetauscht“, erzählte die gleichaltrige Mitschülerin Fiona, deren Großvater aus Breslau stammt. Vor ihrer Abreise hatte eine polnische Mutter den IGS-Schülern einige Vokabeln vermittelt und mit auf den Weg nach Polen gegeben. Am internationalen Tag hatte jede Delegation ihr eigenes Land vorgestellt. „Wir kamen mit unserer Präsentation der Wedemark sehr lustig rüber“, so Lena. Die Schülergruppe hatte sich auch mit dem Kreisauer Kreis auseinandergesetzt und das Berghaus des Gutshofs von Moltke besucht. „Es war sehr interessant, auch einmal die Meinungen von Jugendlichen aus Polen und der Ukraine zu erfahren“, sagte Marco (16). Auch die derzeitige politische Situation in der Ukraine wurde thematisiert. „Ein ukrainisches Mädchen hat dabei geweint“, erklärte Lena, die das ganz besondere Flair von Kreisau in Erinnerung behält. „Das, was die Schüler bei so einem Austausch lernen, steht in keinem Lehrbuch“, fasste Schulleiterin Heike Schlimme-Graab zusammen. Sie lobte die Schüler für ihr Engagement und bedankte sich bei den beiden Lehrern für die gute Vorbereitung des Projekts.