Seltene Raseneisensteine aus Gailhof

Helge Zychlinski (von links), Ursula Schwertmann, Lars Schellhase und Jörg Lehmann halten die ersten am Feldrand freigelegten Raseneisensteine in den Händen. Foto: B. Stache
 
Lars Schellhase (von links), Helge Zychlinski, Ursula Schwertmann und Jörg Lehmann auf der Suche nach Raseneisensteinen. Foto: B. Stache

Weltkulturerbe „Hohe Brücke“ im Wörlitzer Park profitiert von der Wedemark

Gailhof (st). Seit dem Jahr 2000 zählt der Landschaftsgarten Dessau-Wörlitz zum Weltkulturerbe der UNESCO, das von der Kulturstiftung DessauWörlitz betreut wird. Im Juni 2013 beschädigte Hochwasser die „Hohe Brücke“ im Gartenreich Wörlitzer Park im Landkreis Wittenberg. Diese aus Felssteinen gewölbte Bogenbrücke wurde 1786 errichtet. Ihr Inneres besteht aus Sandstein und Porphyr-Stufen, außen ist das historische Bauwerk mit Raseneisensteinen verkleidet, von denen das Hochwasser Teile mitgerissen hat. Für die Rekonstruktion der Brücke, mit der im vergangenen Herbst begonnen wurde, sind entsprechende Steine in großen Mengen erforderlich. „Die Beschaffung dieses besonderen Materials gestaltet sich sehr schwierig. Natürliche Lagerstätten von Raseneisenstein sind in ganz Deutschland nicht mehr vorhanden, da die früheren Vorkommen oft erschöpft oder nicht mehr zugänglich sind“, erklärte Julia Ott-Stolze von der Abteilung Baudenkmalpflege der Kulturstiftung DessauWörlitz. Umso erfreuter waren die Verantwortlichen für die Restaurierung der „Hohen Brücke“ über einen Zufallsfund in der Wedemark. Annette Scholtka, Leiterin der Abteilung Baudenkmalpflege Wörlitzer Park, hatte bei einem Spaziergang in der Nähe von Gailhof am Feldrain einige Steinhaufen mit Raseneisensteinen entdeckt. Die Landwirte hatten die Steine über die Jahre von ihren Feldern aufgesammelt und am Feldrand abgelegt. „Die Kulturstiftung hat von den Landwirten als Eigentümer der Raseneisensteine die Erlaubnis erhalten, diese abzutragen und für die Renovierung der ´Hohen Brücke` zu verwenden“, berichtete die Wedemärker Umweltschutzbeauftragte Ursula Schwertmann. Gemeinsam mit Bürgermeister Helge Zychlinski, dem Restaurator und Betreuer der beschädigten Brücke Lars Schellhase sowie Steinmetzmeister und Restaurator der Bauhütte Quedlinburg Jörg Lehmann hatte sie sich am Dienstag auf den Weg zu den begehrten Steinen in die Gemarkung Gailhof gemacht. Nachdem ein erster Haufen mithilfe von Spitzhacke und Harke vom Pflanzenbewuchs befreit worden war, kamen die ersten größeren Raseneisensteine zum Vorschein und wurden fachgerecht begutachtet. „Wir benötigen aktuell zwei bis drei Kubikmeter Steine ab der Größe eines Fußballs bis zirka 80 Zentimeter Durchmesser“, kündigte Lars Schellhase an. „Wir hoffen, die Brücke im kommenden Herbst fertiggestellt zu haben.“ In den kommenden Tagen werden Mitarbeiter der Bauhütte Quedlinburg, deren Firma mit den Restaurierungsarbeiten an der „Hohen Brücke“ beauftragt wurde, die Rasensteine von den Gailhofer Feldrainen aufnehmen und in den Wörlitzer Park transportieren. „Es ist schön, dass wir das Weltkulturerbe mit unserem Rohstoff Raseneisenstein unterstützen können“, freute sich Bürgermeister Helge Zychlinski.


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UNESCO Weltkulturerbe Wörlitzer Park
Die Wörlitzer Anlagen stellen den ersten englischen Landschaftsgarten auf dem europäischen Festland dar. Fürst Franz von Anhalt-Dessau ließ sie ab 1765 anlegen. Seit dem Jahr 2000 zählt der Landschaftsgarten zum Weltkulturerbe der UNESCO und ist inzwischen weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Das im Sinne des Fürsten angestrebte Schöne mit lehrhaft Pädagogischem zu verbinden ist unter anderem an seinem Brückenbauprogramm ablesbar. In einem Landschaftsgarten, in dem auch das Wasser ein wichtiges Gestaltungselement darstellt, spielen auch die Wasserquerungen eine besondere Rolle im Gartenbild. Allein 50 solcher stilistisch und technisch unterschiedlichen Brücken, darunter Holzbrücken, steinerne Massivbrücken, eiserne und bewegliche Brücken, sind in den Anlagen von Wörlitzer, Oranienbaum und dem Luisium dokumentiert. 21 dieser Brücken befinden sich in den Wörlitzer Anlagen. Weitere Fotos und Infos zum Weltkulturerbe Wörlitzer Park finden sich unter www.gartenreich.com.