Sie verloren ihre Heimat und fanden sich

Auch nach 60 Jahren Ehe sind Hella und Günther Lentz noch ein Herz und eine Seele und würden sich „glatt noch einmal heiraten“. Foto: A. Wiese

Hella und Günther Lentz aus Hellendorf feiern heute diamantene Hochzeit

Hellendorf (awi). Hella und Günther Lentz sind beide 84 Jahre alt. Beide kamen mit demselben Zug 1945 als Teenager aus Pommern – wenn auch dort aus verschiedenen Gegenden – und beide fanden auf Bauernhöfen in Hellendorf Zuflucht. Beim regelmäßigen Herausstellen der Milchkannen der gegenüberliegenden Höfe kamen sie sich später näher und wurden Anfang der 50er Jahre ein Paar. Zum Heiraten reichte das Geld zunächst nicht, doch am 24. Juni 1955 gaben sich Hella und Günther Lentz dann endlich das Ja-Wort. Heute, 60 Jahre später, feiern sie das seltene Fest der diamantenen Hochzeit. Und noch immer leben sie gemeinsam und eigenständig in dem Haus in Hellendorf, das sie in ihrem Hochzeitsjahr eigenständig mit Hilfe ihrer Familie aufbauten und nach und nach vergrößerten. Ihr Vater hatte, als er aus dem Krieg kam, das Grundstück am Ortsrand erworben und für sich und seine Frau ein Behelfsheim errichtet sowie eine winzige Landwirtschaft betrieben, um seine Familie zu ernähren. Schließlich war er auch in Pommern Landwirt gewesen. Die damals 14-jährige Hella war bereits in ihrer Heimat Pommern konfirmiert worden, somit nicht mehr schulpflichtig und musste sich ihren Unterhalt bei einem Kleinbauern im Dorf selbst verdienen. Doch als sie später ihren Günther heiraten wollte, der sein Brot ebenfalls selbst verdienen musste und auf dem größeren Hof Karsten-Meier untergekommen war, und das junge Paar keine Wohnung finden konnte, entschied ihr Vater: Jetzt wird richtig gebaut. „Es war eine harte Zeit“, erinnert sich Günther Lentz. Er hatte seine Ausbildung bei der Bahn als Schlosser gemacht und war übernommen worden. Nach seinem langen Arbeitstag ging es zuhause weiter. Doch es lohnte sich. Das Haus wuchs im Laufe der Jahre, auch ein Stall kam noch dazu – und bot später nicht nur Günther und Hella Lentz mit ihren vier Kindern, sondern auch ihren Eltern, seiner Mutter und einem Onkel Platz. „Wir haben teilweise mit neun Leuten hier gewohnt“, erzählt Hella Lentz, die neben der Erziehung ihrer Kinder und der Pflege der Eltern und der Schwiegermutter auch noch in der Firma Wagner in Vinnhorst gearbeitet hat. Heute leben die beiden alten Leutchen allein in ihrem Haus in Hellendorf, doch die Kinder sind in der Nähe geblieben: in Bennemühlen, Mellendorf, Brase bei Neustadt und in Langenhagen. Acht Enkel gehören ebenfalls zur Familie. In diesem Kreis wird am Wochenende das Ehejubiläum im Gasthaus Zum Eichenkrug gefeiert. Am heutigen Tag erwarten die Jubilare einen Vertreter aus Rat und Verwaltung, den Ortsbürgermeister, den Pastor und Vertreter der Ortsfeuerwehr, wo Günther Lentz viele Jahre aktiv war und gerade im vergangenen Jahr für 60-jährige Mitgliedschaft geehrt worden ist. Ihre 84 Jahre merkt man beiden kaum an, halten sie sich doch seit jeher mit Arbeit fit. „Urlaub brauchten wir nicht“, schmunzelt Hella Lentz, „wir haben stattdessen unseren Wintergarten angebaut“. Ihren Haushalt versorgt sie alleine und beide haben ihren großen Garten ganz wunderbar in Schuss und zeigen stolz ein kleines Gewächshaus mit Tomatenpflanzen, Salat und grünen Bohnenranken, und auch der Blumengarten ist top gepflegt. Ihr Hobby sind außerdem die Kaninchen im Stall hinter dem Haus, die sie mit viel Liebe versorgt und die schließlich immer einen guten Braten abgeben. Da haben es Katze Susi, 14 Jahre alt, und Kater Paul, 13 Jahre, besser. Sie sind reine Schmusetiere und haben bei dem diamantenen Hochzeitspaar eine Sonderstellung. Das hofft seine Selbstständigkeit noch lange genießen zu können. „Wir haben schon soviel mitgemacht, wir sind hart im Nehmen“, sagen beide, die auch beide bereits einen Herzinfarkt hinter sich haben und übereinstimmend sagen: „Klar, manchmal zoffen wir uns auch, aber Versöhnen ist das Schönste daran!“