Siegel feierlich an Gemeinde verliehen

Der Kinderchor Sternenfänger war die passende Umrahmung für die Verleihung des Siegels „Kinderfreundliche Kommune“ am Montagnachmittag im Forum des Campus W. an die Gemeinde Wedemark, vertreten auf der Bühne durch Bürgermeister Helge Zychlinski (Dritter von rechts). Foto: A. Wiese

Die Wedemark ist jetzt ganz offiziell „kinderfreundliche Kommune“

Wedemark (awi). Als dritte Kommune in Niedersachsen hat die Gemeinde Wedemark am Montag-nachmittag im Forum des Campus W. das Siegel „Kinderfreundliche Kommune“ erhalten. Damit wird der engagierte Einsatz der Kommune für die Umsetzung der UN-Konvention über die Kinderrechte ausgezeichnet. Gemeinsam mit Kindern und Jugendlichen hat die Wedemark innerhalb eines Jahres einen herausragenden Aktionsplan für Kinderfreundlichkeit erarbeitet, der in den kommenden drei Jahren umgesetzt werden soll.
Mit dem Erhalt des Siegels stellt sich die Wedemark einem regelmäßigen Prüfverfahren. Das Siegel vergibt der von UNICEF Deutschland und dem Deutschen Kinderhilfswerk getragene Verein „Kinderfreundliche Kommunen“, erklärte Holger Hofmann, Bundesgeschäftsführer des Kinderhilfswerks, das gemeinsam mit Unicef Träger des Vereins „Kinderfreundliche Kommune“ ist, der die Zertifizierung nach der Begutachtung des Aktionsplanes durch eine Sachverständigenkommission vorgenommen hat. „Kinder sind keine kleinen Erwachsenen, sie haben eigene Rechte, die international verankert sind. Starke Kinderrechte stärken Kinder, Jugendliche und ihre Familien, sie wirken sich positiv auf ihr Leben aus“, betonte die Parlamentarische Staatssekretärin bei der
Bundesjugendministerin, Caren Marks. „Es freut mich besonders, dass meine Heimatgemeinde Wedemark zu den Vorreitern für eine kinderfreundliche Kommunalpolitik gehört. In der Wedemark sind Kinderrechte strukturell verankert und so entfalten sie Wirkung in allen Bereichen, die Kinder betreffen. Auch auf Bundesebene stärken wir die Kinderrechte, machen sie bekannter und wollen sie dort festschreiben, wo die Werte für unser Zusammenleben geregelt sind: im Grundgesetz“, so Marks. „Die Wedemark erhält heute das Siegel ‚Kinderfreundliche Kommune‘ für einen ambitionierten Aktionsplan, der maßgeblich dazu beitragen wird, Kinderrechte vor Ort kreativ und beispielgebend umzusetzen. Der Aktionsplan verfolgt engagierte Ziele: so will die Gemeinde als
erste Kommune bundesweit ein Kinderrathaus errichten. Kinder und Jugendliche wirkten schon bei der Entwicklung der Maßnahmen mit und werden zukünftig auch ihre Umsetzung verfolgen – ein herausragendes Beispiel konsequent umgesetzter Teilhabe“, so Hofmann vom Kinderhilfswerk bei seiner Gratulation.
Der Sachverständige des Vereins „Kinderfreundliche Kommunen“, Richard Schröder, begrüßte „den Aktionsplan Wedemark, der mit einer erfreulich starken Betonung von Strukturen in Politik und Verwaltung eine langfristige und nachhaltige Auseinandersetzung mit dem Thema Kinderfreundlichkeit ermöglicht und absichert. Der vorgelegte Katalog mit 19 Maßnahmen macht deutlich, dass unter anderem mit der Einrichtung eines hauptamtlichen Kinder- und Jugendbeauftragten, der thematischen Schulung von Verwaltungsmitarbeitern und der Beteiligung der politisch Verantwortlichen die inhaltliche Umsetzung des Themas Kinderfreundlichkeit als wichtige Querschnittsaufgabe des kommunalen Lebens gesehen wird. Kindern und Jugendlichen würden dabei an verschiedenen Stellen Beteiligungsmöglichkeiten eingeräumt. Erfreulich sei, dass diese Beteiligung nicht nur bei ‚einfachen‘ Themen wie Spielplatzplanungen, sondern sogar bei komplexeren Themen wie der Bauleitplanung vorgesehen wird. Aktions- und Bürgermeistertage sowie Planspiele bieten Kindern und Jugendlichen zudem gute Möglichkeiten, kommunale Politik und kommunales Handeln kennen zu lernen und daran mitzuwirken.“
„Das Stärken von Kinderrechten gehört in der Wedemark schon seit langer Zeit zu den Leitmotiven unseres Handelns. Der Arbeitskreis ‚Kinderrechte Wedemark‘ ist mit Beteiligung der Kommune sehr aktiv in der Gemeinde Wedemark tätig. Die Projekte ‚Straße der Kinderrechte‘ und ‚Kinderrechte x 16‘ sind Zeichen des Engagements und mahnende Erinnerung Kinderrechte aktiv zu schützen“, erläuterte Bürgermeister Helge Zychlinski: „Mit der Bewerbung für das Siegel ‚Kinderfreundliche Kommune‘, dem Prozess, der daraufhin in unserem Aktionsplan mündete und der Siegelverleihung, dokumentieren wir, dass wir Kinderrechte ernst nehmen und auch die Partizipation von Kindern und Jugendlichen in der Gemeinde stärken wollen. Ich danke allen Beteiligten, die uns auf diesem Wege begleitet und unterstützt haben und freue mich auf eine gemeinsame Umsetzung der Maßnahmen, die in dem Aktionsplan beschlossen wurden.“
Das Siegel basiert auf der Child Friendly Cities Initiative, für die das UNICEF-Forschungszentrum Innocenti Research in Florenz internationale Standards und Instrumente entwickelte. Kernelemente sind: die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen, eine kinderfreundliche Rahmengebung, ein übergreifender Aktionsplan, eine Interessenvertretung für Kinder, der Vorrang des Kindeswohls, ein ausgewiesener Kinder- und Jugendetat, ein regelmäßiger Bericht der Kommune, sowie die Information über Kinderrechte und die Unterstützung von Kinderrechtsorganisationen. Das Siegel wird für drei Jahre an die Wedemark vergeben und kann danach mit einem neuen Aktionsplan verlängert werden.
Eingebettet war die feierliche Siegelverliehung im Forum des Campus W. mit Gästen aus Rat, Verwaltung, den beteiligten Institutionen sowie dem Leiter des famila-Marktes, Jens Luxat, als großzügiger Sponsor für das Projekt Pimp your town, in ein interessantes Programm: die Band Starkstrom gab einen beeindruckenden Einblick in ihr Repertoire und animierte die Zuhörer zum Mitmachen. Carolin Maaß und Jasmin Wojke führten das Publikum in die Welt des Poetry Slam ein und Felix Fleischmann, Komponist des Kinderrechte-Songs „Du hast Recht“ hatte sich außer Marius Lührig auch Melanie Weißkichel und den Chor Sternenfänger auf die Bühne geholt. Im Kreise sämtlicher Kinder erhielt Bürgermeister Helge Zychlinski dann schließlich das begehrte Siegel im Groß- und auch im Kleinformat, fotowirksam auf einem symbolischen Ortsschild drapiert.