Starker Jazz in St.-Martini-Brelingen

Das Duo WAVES mit Daniel Stickan an der Orgel und Saxophonist Uwe Steinmetz spielt feinen Jazz in der Brelinger St.-Martini-Kirche. Foto: B. Stache
 
Der zweite Konzertteil wird von Pianist Achim Kaufmann, Robert Landfermann (Kontrabass) und Schlagzeuger Bill Elgart gestaltet. Foto: B. Stache

JazzGUTunterwegs präsentiert ein kontrastreiches Doppelkonzert

Brelingen (st). Die zirka 60 Konzertgäste, die sich am Sonnabend in der Brelinger St.-Martini-Kirche zum Doppelkonzert der Jazz Musiker Initiative Hannover eingefunden hatten, erlebten zwei Konzertteile unterschiedlichen Charakters. „Der Abend lebte vom Kontrast“, beschrieb ein Jazz-Kenner das besondere Ereignis. Im ersten Teil hatte das Duo WAVES seinen starken Auftritt mit Daniel Stickan an Orgel und Clavichord (Tasteninstrument mit Saiten) sowie Saxophonist Uwe Steinmetz. Die beiden starteten voluminös und melodiös zugleich mit dem Stück „The Abyss – Abgrund“. Ihr fein aufeinander abgestimmtes Spiel mit Kirchenorgel und Saxophon wirkte getragen – eher entfernt von klassischen Jazz-Rhythmen, mit teilweise mystisch anmutenden Phasen. Für das zweite Stück wechselte Daniel Stickan zum Clavichord, begleitet von Uwe Steinmetz auf der Orkon-Flöte. „The water is wide“ strahlte große Leichtigkeit und Beschwingtheit aus. Steinmetz entlockte der Flöte feinste, leiseste Töne, die gefielen. Die Konzertgäste verfolgten das Musikgeschehen von der Empore aus – von dort hatten sie freie Sicht auf das Duo und die beste Akustik. Es folgte ein Stück für Orgel und Saxophon, vorgetragen in der Jazztradition eines Wayne Shorter. Der amerikanische Jazz-Saxophonist und Komponist gehört zu den angesagtesten Saxofonisten im Modern Jazz. Das vierte Musikstück „Ghosts“ kam flirrend, mystisch daher und machte die Geister nahezu sichtbar. Von Leonhard Cohen, dem 2016 verstorbenen kanadischen Sänger und Songwriter, stammte der Song „Sisters of Mercy“, den das Duo an Clavichord und Orkon-Flöte zu Gehör brachte. Seine ganze Virtuosität als Saxophonist bewies Uwe Steinmetz beim folgenden Stück „Die unendliche Melodie“ im harmonischen Zusammenspiel mit Daniel Stickan an der Orgel – bis hin zum schon ekstatischen Finale, das den Nerv des Publikums besonders traf und zu begeistertem Applaus führte. Nach „Riverman“ und „Where Roots Grow“ beendete das Duo mit „Supernova“ seinen Konzertbeitrag, erneut im gekonnten Zusammenspiel, temperamentvoll im Hauptteil, zum Ende hin sanft verspielt mit Flöte und Ton angebender Kirchenorgel. Arne Pünter, 1. Vorsitzender der Jazz Musiker Initiative Hannover (JMI), hatte die Musiker vor ihren jeweiligen Auftritten vorgestellt. Die JMI plant die Konzerte an unterschiedlichen Spielorten, beispielsweise auf Dachböden, im umgebauten Getränkemarkt oder in Kirchen. Arne Pünter dankte den Organisatoren des WinterJazz Brelingen für die herzliche Aufnahme und gute Versorgung der Künstler. Das Jazzkonzert in der Brelinger Kirche wurde von der Stiftung Kulturregion Hannover gesponsert. Der zweite Konzertteil wurde vom Trio KAUFMANN - LANDFERMANN – ELGART im Mittelschiff der Kirche gestaltet. Pianist Achim Kaufmann eröffnete seinen Free Jazz mit dem aufrührenden Stück „Dingbats“, begleitet von Robert Landfermann (Kontrabass) und Schlagzeuger Bill Elgart. „Lost gesture“ leitete Kaufmann mit einem melodischen Klaviersolo ein, bevor sich Landfermann und Bill Elgart musikalisch dazugesellten. Temporeich vorgetragen folgte „Bright Industrial Smile“. Beim vierten Stück demonstrierten die drei Musiker, welche Vielfalt an Tönen sich Musikinstrumenten entlocken lässt: beispielsweise durch Klopfen im Innern des Konzertflügels oder auf dem Korpus des Kontrabasses. Alles mutete ein wenig verstörend an, um zum Abschluss „mit versöhnlichen Tönen“ zum lyrischen Thema des Stücks zurückzukehren. Dem österreichischen Kabarettisten Helmut Qualtinger widmete das Trio einen Jazzwalzer – natürlich im Dreivierteltakt. Als Zugabe, vom Publikum eingefordert, gab es noch „Čuk“ zum Abschluss des Doppelkonzerts der Jazz Musiker Initiative Hannover. „Unser Verein wird von der Stiftung Niedersachsen und dem Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur gefördert“, erklärte JMI-Vorsitzender Arne Pünter. Die kommenden Konzerte kündigte er ebenfalls an, darunter am Freitag, 24. November, um 20 Uhr den Auftritt des Ensembles 11 unter Leitung von Rebecca Trescher im Schloss Landestrost in Neustadt a. Rbge.