Steffi‘s Laden hat dicht gemacht

Die Schaufenster sind mit Folie verhängt, die Ladeneinrichtung wird in einen Anhänger verladen. Ein Schild an der Tür verkündet, dass Steffi‘s Laden am Natelsheideweg seit 25. Oktober geschlossen ist. Foto: A. Wiese

Bissendorf-Wietzer haben ihre letzte Chance auf Vor-Ort-Versorgung vertan

Bissendorf-Wietze (awi). „Es hat sich einfach nicht gerechnet. Ich musste die Notbremse ziehen“, sagt Stefanie Schneider traurig, aber gefasst. Vor genau einem Jahr öffnete sie als Nachfolgerin von Monika Kärgels kleinem Lebensmittelgeschäft am Natelsheideweg hochmotiviert die Türen des letzten „Tante-Emma-Ladens“ in der Wedemark. Am 25. Oktober schloss sie sie wieder und begann mit dem Ausräumen. Ab 1. November sind die Geschäftsräume neu vermietet, aber nicht mehr als Lebensmittelladen. Wofür genau, weiß Stefanie Schneider nicht.
Oft genug hatte sie in den letzten Monaten auf ihre Situation aufmerksam gemacht, zuletzt bei der Sommertour von Bürgermeister Helge Zychlinski, der bei ihr Station machte und dort eine öffentliche Sprechstunde anbot. „Wenn ihr Bissendorf-Wietzer eure Einkaufsmöglichkeit vor Ort erhalten wollt, müsst ihr sie auch nutzen. Nur vom Becher Kaffee für den Handwerker und der Zeitung für 90 Cent kann ich nicht leben“, hatte Stefanie Schneider oft genug mahnend anklingen lassen. Einige treue Stammkunden habe sie gehabt und für die tue es ihr auch ausgesprochen leid, dass sie die Reißleine habe ziehen müssen, so die gelernte Einzelhandelskauffrau, die vor einem Jahr ihre feste Anstellung aufgab, um den Sprung in die Selbstständigkeit zu wagen. Sie war guten Mutes, immerhin gab es den kleinen Laden unter Monika Kärgels Führung seit vielen Jahrzehnten und großartig ändern wollte Stefanie Schneider das offensichtlich erfolgreiche Konzept ja gar nicht. Hatten ihr doch Ortsbürgermeister Daniel Leide und andere auch versichert, wie wichtig diese letzte Einkaufs- und Kommunikationsmöglichkeit für den Ort sei. Auch jetzt, als das Schild im Schaufenster hing, hätten die, die ihre Zeitung oder mal ein Brötchen dort geholt hätten, mit großem Bedauern „Das ist ja schade“ gesagt. „Bissendorf Wietze hat 2.500 Einwohner. Wenn nur ein Zehntel von ihnen täglich fünf Euro bei mir umgesetzt hätte, hätte es klappen können“, meint Stefanie Schneider, denn immerhin musste sie anders als Monika Kärgel Miete für den Laden bezahlen und investiert hatte sie auch. Doch nicht einmal 100 Kunden pro Tag habe sie gehabt. Am Anfang habe sie viel zu viel Frischware vorgehalten, die dann selber verbraucht, dann habe sie sich auf die geringe Nachfrage eingestellt und weniger vorgehalten, um nichts wegwerfen zu müssen. Das habe natürlich auch eine geringere Auswahl bedingt. Dennoch probierte Stefanie Schneider immer wieder was aus, hielt beispielsweise im Sommer hochwertiges Grillfleisch von Otto Gourmet in der Gefriertruhe bereit. Sie hatte Spaß an ihrer Arbeit, liebte den Kontakt mit den Leuten, belegte Brötchen frisch und individuell nach Wunsch und schaffte sogar eine neue moderne Kaffeemaschine an, um dieser Nachfrage gerecht zu werden. Dass nach einem Jahr die Entscheidung fallen werde, hatte sie frühzeitig angekündigt und konsequent durchgezogen. Und jetzt? „Jetzt mache ich erst einmal Urlaub“, sagt sie und bedankt sich bei allen, die sie unterstützt haben.