Tatverdächtiger richtet sich selbst

Gegen 19 Uhr hat die Tochter von Monika K. die Leiche ihrer Mutter in deren Haus im Richard-Schöne-Weg entdeckt. Doch erst um kurz vor 1.30 Uhr nachts gibt die Polizei grünes Licht, dass die Mitarbeiter des Bestattungsunternehmens den Leichnam in die Rechtsmedizin überführen dürfen. IFoto: A. Wiese/Polizei
 
Seit Freitagmittag fahndeten Polizei und Staatsanwaltschaft mit diesem Foto offiziell nach Klaus Kiemstedt. Er sei dringend tatverdächtig, seine Exfrau Monika K. in deren Haus in Resse erschossen zu haben. Am Nachmittag fanden die Ermittler den Mann nach einem Hinweis in einer verschlossenen Garage in Kirchrode. Er hatte sich erschossen.

Klaus Kiemstedt erschoss erst seine Exfrau und dann sich

Resse (awi). Nachdem Polizei und Staatsanwaltschaft öffentlich nach Klaus
Kiemstedt - er ist dringend verdächtig, seine 72-jährige Exfrau Monika
in ihrem Einfamilienhaus am Richard-Schöne-Weg in Resse erschossen zu haben -
gesucht haben, ist der 77-Jährige am Freitag gegen 16.45 Uhr an der
Lange-Feld-Straße im hannoverschen Stadtteil Kirchrode tot
aufgefunden worden.
Eine Zeugenaussage führte die Beamten auf die Spur des Gesuchten,
sodass er am Freitagnachmittag tot - bisherigen Erkenntnissen
zufolge hat er sich selbst das Leben genommen - in einer
verschlossenen Garage gefunden werden konnte. In dieser stand auch
der ebenfalls gesuchte PKW, der rote Suzuki Baleno des Opfers.
Damit hat die Polizei ein Verbrechen schnell aufklären können, das die Bewohner von Resse seit Mittwoch abend schockiert und erschüttert hatte:
Die 72-jährige Rentnerin Monika K. ist am Mittwoch gegen 19 Uhr tot in ihrem Haus am Richard-Schöne-Weg gefunden worden. Die Friseurmeisterin, die lange Jahre einen Friseursalon in Engelbostel führte und daher auch in Langenhagen bekannt ist, wurde erschossen. Seit Freitagmittag fahndeten Polizei und Staatsanwaltschaft nach dem Exmann der Toten: Klaus Kiemstedt sollte vermutlich mit dem gestohlenen Fahrzeug der Getöteten, einem roten Suzuki Baleno mit dem Kennzeichen H-XY 1042, unterwegs sein.
Umfangreiche Ermittlungen hätten die Polizei auf die Spur des Tatverdächtigen gebracht, heißt es in der gemeinsamen Pressemitteilung von Polizei und Staatsanwaltschaft, die die Bevölkerung dringend um Hinweise zu dem Gesuchten und dem Verbleib des Suzuki Baleno baten und auch umgehend bekamen. Die Polizei warnte dringend davor, selbst an den Gesuchten heranzutreten, der bewaffnet sein könnte. Über den Wohnort von Klaus Kiemstedt, die Art der tödlichen Schussverletzung, den Tatzeitpunkt und die konkrete Auffindesituation machten Polizei und Staatsanwaltschaft keine näheren Angaben. Sie fragten jedoch: Wer hat die von Nachbarn als nett, zurückhaltend und unauffällig beschriebene 72-Jährige, die bei den Kunden des Friseursalons in der Kirchstraße in Engelbostel sehr beliebt war, wann zuletzt gesehen
„Irgendwer hat meine Mutter erschossen“, sagte die Tochter von Monika M. zu Nachbarn, als sie am Mittwochabend dort klingelte und darum bat, die Toilette benutzen zu dürfen. Zu diesem Zeitpunkt war die Polizei in dem schlichten, etwas zurückliegenden Einfamilienhaus im Richard-Schöne-Weg bereits mit der Spurensicherung beschäftigt. Die Tochter, die selbst nicht in Resse wohnt, hatte nach ihrer Mutter sehen wollen, die 72-Jährige leblos im Haus liegend gefunden und die Rettungskräfte verständigt. Der Notarzt konnte jedoch nur noch den Tod der Rentnerin feststellen. Erst am Donnerstag bestätigte die Polizei nach einer Obduktion, dass die Frau erschossen worden sei. Alle weitergehenden Fragen blockte Oberstaatsanwalt Thomas Klinge ebenso wie Holger Hilgenberg von der Pressestelle der Polizei bis Freitagmittag ab: „Wir wissen noch gar nichts.“ Tatsache ist jedoch, dass sich die Hinweise auf dem Exmann als möglichen Täter recht schnell verdichtet haben müssen. Am Haus wurden keine Einbruchspuren festgestellt, die 72-jährige hatte ihren Mörder also ganz offensichtlich ins Haus gelassen. Nach Informationen des ECHO fehlte neben dem Auto auch der Haustürschlüssel. Beim Dorfgespräch am Donnerstagmorgen im Frischmarkt war man sich schon schnell einig, „dass das bestimmt kein Einbrecher war, sondern alles nach einer Beziehungstat aussieht“. Ein Mord in Resse – es gab am Donnerstag und Freitag noch kaum ein anderes Thema im Dorf. Monika K. war zweimal verheiratet und wurde wieder geschieden. Seit sie im Ruhestand gewesen sei, habe sie ab und zu Besuch gehabt, habe mit Männern ihres Alters in ihrem gepflegten Garten zwischen den blühenden Rosen gesessen und Kaffee getrunken, erzählen die Nachbarn, die die Friseurmeisterin, die sich erst spät von ihrem Geschäft habe trennen können, unisono als nette, zurückhaltende, stets gepflegte und modisch gekleidete Frau beschreiben, die viel jünger als 72 Jahre gewirkt habe. Das Gewaltverbrechen in dem unauffälligen Haus in der ruhigen Wohnstraße hat die Resser sichtlich schockiert. Dass die Tat jedoch so schnell aufgeklärt werden konnte, erleichtert die Dorfbewohner jedoch, auch wenn die Betroffenheit, "dass so etwas in unserem Dorf passiert" groß ist.