TenneT informiert und diskutiert

Bürgermeister Helge Zychlinski (v. r.) leitet die Diskussionsrunde mit Dr. Wolfgang Schrödter, Karl-Heinz Müller, Dr. Christoph Thiel, Dr. Solveigh Janssen und Tjark Bartels. Foto: B. Stache
 
Die Informationsveranstaltung im Forum des Schulzentrums Mellendorf über den TenneT-Variantenentwurf SuedLink 091 ist gut besucht. Foto: B. Stache
 
Die Tennet-Informationen zu SuedLink stoßen auf reges Interesse. Foto: B. Stache
 
Dr. Christoph Thiel (2. v. l.) beantwortet viele Fragen zu SuedLink. Foto: B. Stache

Wedemärker zeigen großes Interesse am SuedLink Trassenverlauf

Mellendorf (st). Zur Informationsveranstaltung über den Variantenentwurf SuedLink 091 des Stromnetzbetreibers TenneT hatte die Gemeinde Wedemark am Donnerstagabend in das Forum im Schulzentrum Mellendorf eingeladen. Ab 17 Uhr standen TenneT-Mitarbeiter an mehreren Infoständen den zahlreich erschienenen Bürgerinnen und Bürgern Rede und Antwort zum derzeitigen Stand der Planungen für die Höchstspannungsleitung SuedLink. Um 18 Uhr eröffnete Bürgermeister Helge Zychlinski die über dreistündige Podiumsdiskussion mit Rechtsanwalt Dr. Wolfgang Schrödter, Karl-Heinz Müller (Bürger für Resse), SuedLink-Projektleiter Dr. Christoph Thiel, Dr. Solveigh Janssen von der Region Hannover sowie Tjark Bartels, Landrat von Hameln-Pyrmont und Sprecher verschiedener Landkreise sowie der Region Hannover gegenüber TenneT und der Bundesnetzagentur. Vor mehr als 300 Besuchern dankte Zychlinski zunächst der Brelinger Mitte und dem Verein Bürger für Resse für ihr Engagement in Sachen SuedLink-Information. An den Projektleiter Dr. Thiel gewandt, äußerte Zychlinski einen Wunsch: „Dass Sie das, was Sie heute hoffentlich an Erkenntnissen von unseren Bürgerinnen und Bürgern und unserem Podium mitbekommen, in Ihre weiteren Überlegungen und Planungen mit einbeziehen.“ Dr. Thiel eröffnete die Podiumsbeiträge mit einer Präsentation zu den Themen „Energiewende und SuedLink“, „SuedLink in der Region“, „Die alternative Trasse 091“ sowie „Verfahren und Beteiligung“. Er erläuterte die Ausbauziele bis 2022, die durch den Kernenergieausstieg erforderlich sind, um die Energieversorgung in Deutschland weiterhin sicherzustellen. „Wir sind noch in der Planungsphase und sehr weit weg von einer Umsetzung des Projektes. Wir können uns vielleicht in fünf bis sechs Jahren über die Bauphase unterhalten“, erklärte der Projektleiter. Sein Ziel sei es, im ersten Vorverfahren einen Untersuchungsrahmen festzulegen und zu einer Auswahl von zirka zehn bis 20 Korridoren/Trassenvarianten zu kommen, die dann etwas näher begutachtet würden. Karl-Heinz Müller beanstandete in seinem ersten Statement die Informationspolitik von TenneT und Dr. Wolfgang Schrödter hielt ein humorvolles, aber durchaus ernst gemeintes Plädoyer für den Brelinger Berg. Der Rechtsanwalt mahnte eine frühzeitige Bürgerbeteiligung auch bei den Kommunen an, die von den alternativen Trassenführungen betroffen sind. In ihrer Stellungnahme machte Dr. Solveigh Janssen deutlich, dass die Region Hannover die Energiewende grundsätzlich unterstützt. Für die Variante 091 im Bereich Brelinger Berg und Deister sehe die Region aber keine Möglichkeit, eine Lösung zu finden. Das sei ein absolutes „No-Go“, hieß es. „Wir schätzen die Variante 091 als äußerst schwierig ein.“ Keinen Zweifel ließ Landrat Tjark Bartels an seiner Bewertung. „Wir haben fachlich an der Planung etwas auszusetzen.“ Nach seiner Auffassung stehe bei der SuedLink-Planung die Wirtschaftlichkeit mittlerweile im Vordergrund, gegenüber den Faktoren Nutzungen und Umwelt. Der Antrag von TenneT an die Bundesnetzagentur sei nicht vollständig, es habe unter anderem keine Alternativtrassen gegeben und zu wenig Erdverkabelung. „Wir wollen diese Trasse in dieser Form nicht haben“, so Bartels. In der folgenden offenen und sachlichen Diskussion mit den Bürgerinnen und Bürgern wurde der Wunsch nach einer durchgängigen Erdverkabelung entlang der Bundesautobahn A7 häufiger geäußert. Projektleiter Dr. Thiel gab am Abend mehrfach zu verstehen, dass der Auftraggeber für SuedLink, der Deutsche Bundestag mit seinem Gesetz zur Energiewende, die Vorgabe gemacht habe, in erster Linie mit Freileitungen zu planen und erst bei technischen Unmöglichkeiten das Erdkabel zu erwägen. Konkrete Fakten, die gegen eine Trassenführung über den Brelinger Berg sprechen, führte Karl-Heinz Müller noch an: ein Schwarzstorchenpaar, der Eichen-Buchenwald im Naturschutzgebiet, eine Orchideenwiese sowie die Hannoversche Moorgeest. „Wir sagen in Resse ´STOP`, es geht nicht – weder Höchstspannungsleitung noch Erdverkabelung“, so Müller.


Wedemark Echo Mitarbeiter Bernd Stache (st) im Gespräch mit Dr. Christoph Thiel, TenneT Projektmanager SuedLink.

st: Herr Dr. Thiel, TenneT wirbt mit dem Slogan „SuedLink – Die Hauptschlagader der Energiewende“. Ist SuedLink als direkte Antwort auf „Atomkraft? Nein Danke!“ zu verstehen?

Dr. Thiel: Ja, wenn Sie so wollen, hängt SuedLink unmittelbar mit dem Ausstieg aus der Kernenergie zusammen. Mit der beschlossenen Energiewende hat sich unser Land richtungweisende Ziele gesetzt: 2050 sollen mindestens 80 Prozent der Stromversorgung in Deutschland aus erneuerbaren Energien gespeist werden und bereits im Jahr 2022 soll das letzte Kernkraftwerk vom Netz gehen. Der Weg in eine nachhaltige Energieversorgung ist ein Jahrhundertprojekt mit immensen Anforderungen – an den Umbau der Energieerzeugung ebenso wie den Ausbau der Stromnetze. SuedLink wird Windstrom genau dorthin transportieren, wo in Kürze Kernkraftwerke vom Netz gehen. Durch ihre Abschaltung fällt in Süddeutschland bis 2022 eine Erzeugungskapazität von insgesamt 8,39 Gigawatt weg. Gleichzeitig steigen die Windenergiekapazitäten im Norden. Allein in Schleswig-Holstein sollen bis 2023 6,8 Gigawatt Strom produziert werden. So entsteht ein zunehmendes Gefälle zwischen Stromangebot und -nachfrage. Hier setzt SuedLink an – die Gleichstromverbindung wird die Energieversorgung sicherer machen.

st: Es formiert sich derzeit Widerstand gegen die bekannt gewordenen SuedLink-Trassenverläufe – auch in der Wedemark. Haben Sie damit gerechnet und wie bewerten Sie diesen Bürgerprotest?

Dr. Thiel: SuedLink ist eines der zentralen Netzausbauprojekte der Energiewende. Umso wichtiger war es für TenneT, diese Leitung von Anfang an transparent und unter Einbeziehung aller relevanten Akteure zu planen. Schon im Februar 2014 und damit lange vor dem Beginn des formellen Genehmigungsverfahrens haben wir den ersten Trassenkorridorvorschlag vorgestellt und einen umfassenden Projektdialog gestartet. Aus über 3000 Hinweisen konnten wir gemeinsam mit Bürgern 112 Korridorvorschläge erarbeiten, von denen wir 98 mit in die ersten Planungen aufgenommen haben. Aufgrund der guten Erfahrungen im vergangenen Jahr werden wir den Dialog mit den Bürgern in der Bundesfachplanung noch weiter intensivieren. Und nach wie vor gilt: Jeder, der uns einen qualifizierten Hinweis gibt, bekommt eine detaillierte Antwort, wie das SuedLink Team diesen Hinweis mit in die Planungen aufnimmt oder wie er in das formale Verfahren mit eingebracht werden kann. Dass man bei einem Projekt mit den Ausmaßen von SuedLink nicht immer gleicher Meinung mit allen Akteuren ist, liegt auf der Hand. Genau deswegen ist es umso wichtiger, sich mit allen Beteiligten auszutauschen, um am Ende einen optimalen Leitungsverlauf herausarbeiten zu können.


st: Ist die Erdverkabelung eine machbare und finanziell tragbare Alternative zu den Höchstspannungsmasten für die Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung (HGÜ)?

Dr. Thiel: Zur Stromübertragung auf der Höchstspannungsebene werden überwiegend Freileitungen verwendet. Sie haben eine hohe Übertragungsleistung und lassen sich vergleichsweise schnell errichten. Zudem schreibt der Gesetzgeber vor, dass Übertragungsnetze auf der Höchstspannungsebene als Freileitung errichtet werden müssen. Im Sommer 2014 wurde dann zusätzlich die Grundlage für die Teilerdverkabelung aller HGÜ-Leitungen geschaffen. Der Bau von Erdkabeln ist eine machbare Alternative, sie ist allerdings aufwendiger. Die Trasse muss nicht nur komplett von Gebüschen und Wäldern befreit werden. Mit einer Erdverkabelung sind auch einige logistische Herausforderungen verbunden. Durch das hohe Gewicht der Kabeltrommel und dem darauf aufgespulten Erdkabel sind Sondertransporte im öffentlichen Verkehr notwendig. Hinzu kommt, dass die einzeln angelieferten Kabel über Muffen miteinander verbunden werden müssen. Nach dem Bau kann die Trasse jedoch wieder landwirtschaftlich genutzt werden. Was die finanzielle Seite angeht, so fallen bei HGÜ-Kabeln signifikant höhere Investitionskosten als bei Freileitungen an. Diese sind unter anderem auf die Tiefbauarbeiten, Bodenbeschaffenheit, Rohstoffpreise, Materialkosten, den logistischen Aufwand mit Spezialtransportern und die vorhandene Infrastruktur zurückzuführen. Gleichzeitig sind Erdkabel oft eine tolle technische Option, um eine akzeptable Lösung vor Ort zu schaffen. Wir freuen uns deshalb, dass wir bei SuedLink in Teilabschnitten eine Erdverkabelung realisieren dürfen.

st: Sehen Sie die Versorgungssicherheit in Deutschland gefährdet, sollte sich der Bau von SuedLink erheblich verzögern oder gar scheitern? Gibt es einen Alternativplan?

Dr. Thiel: Um die Versorgungssicherheit der Bürger und der Industrie in Süddeutschland zu erhalten und die elektrische Energie aus dem Norden abzutransportieren, ist der Ausbau der Strominfrastruktur dringend erforderlich. Laut Netzentwicklungsplan 2014 müssen in den nächsten zehn Jahren insgesamt 3500 Kilometer neue Leitungen gebaut werden, davon sind 2000 Kilometer HGÜ-Korridore wie die großen Nord-Süd-Verbindungen, zu denen SuedLink gehört. Wenn Deutschland seine Stromversorgung immer mehr auf erneuerbare Energien umstellen möchte – und darüber herrscht ja Konsens –, muss Windenergie aus der Nord- und Ostsee sowie aus den windreichen nördlichen Bundesländern wie Schleswig-Holstein eine zentrale Rolle spielen. Damit die Energiewende gelingt, sind daher HGÜ-Verbindungen wie SuedLink notwendig, die den Windstrom aus dem Norden nach Süddeutschland transportieren, wo durch die Abschaltung der Kernkraftwerke eine Importlücke entsteht. Bayern und Baden-Württemberg werden im Jahr 2023 zirka 30 Prozent ihres Jahresverbrauchs importieren müssen.

st: Ich danke Ihnen für das Gespräch.