Therapiegarten in Mellendorf als Praxisbeispiel

Gartentherapeutin Corinna Kirsch-Stracke (stehend) vom Verein Grüne Stunde erklärt Studierenden der Leibniz Universität Hannover ihr Konzept. Foto: N. Mandel
 
Gartentherapeutin Corinna Kirsch-Stracke (stehend) vom Verein Grüne Stunde erklärt Studierenden der Leibniz Universität Hannover ihr Konzept (Foto: N. Mandel)

Studierende der Leibniz Uni Hannover auf Exkursion

Mellendorf (nm). Am letzten Freitag besuchten 23 Studierende der Fakultät Architektur und Landschaft vom Institut für Umweltplanung von der Leibniz Universität Hannover den Therapiegarten in Mellendorf. Zusammen mit ihrer Dozentin Roswitha Kirsch-Stracke ließen sie sich in das gartentherapeutische Projekt des Vereins "Grüne Stunde" einweisen. „Ganz wichtig ist für unsere Studierenden die Praxiserfahrung“, so Kirsch-Stracke. Es sei zwar ein Studiengang an einer Hochschule, aber für die angehenden Landschaftsarchitekten und Umweltplaner sei dies eine wichtige Erfahrung. „Unser Studiengang ist sehr praxisorientiert, denn Ziel ist es, später die Umwelt für den Menschen planen zu können“, so die Landschafts- und Freiraumplanerin. Daher seien bis zum Bachelor-Abschluss zehn und zum bis zum Master-Abschluss weitere zehn Exkursionen nachzuweisen. Das Angebot ihrer Fakultät nahmen am letzten Freitag 18 junge Frauen und fünf junge Männer wahr. Was Gartentherapeutin Corinna Cieslik-Bischof den Studierenden während des Tages näherbrachte, war daher besonders wichtig. Sie stellte ihre gartentherapeutische Arbeit im Bauerngarten, der dem Verein vor einigen Jahren von der Familie Gudehus zur Bewirtschaftung zur Verfügung gestellt wurde, vor. Per Definition ist „Gartentherapie… ein geplanter und zielorientierter Prozess, bei dem Gartentherapeuten pflanzen- und gartenorientierte Aktivitäten und Erlebnisse nutzen, um das soziale, psychische und körperliche Wohlbefinden und die Lebensqualität von Menschen zu erhalten und zu fördern“, so beschreibt der Verein seine Arbeit auf seiner Webseite. Und dies durften die Studierenden an ihrem Exkursionstag praktisch erfahren. Bei schönem Wetter wurden auch die Theorieteile im Freien abgehandelt, dann ging es sogleich an die Arbeit. „Die Studierenden haben engagiert mitgemacht: am Vormittag wurden bereits Wege gekrautet, die Beete gejätet und am Pflanztisch der Rollstuhl ausprobiert. Sie haben mir hier richtig geholfen“, freut sich Cieslik-Bischof. Denn normalerweise bietet der Verein insbesondere demenzkranken Seniorinnen und Senioren aus Pflegeeinrichtungen stundenweise Betreuung durch Gartentherapeuten und ehrenamtlichen Mitarbeiter an. Angehörige werden dadurch entlastet und die Besucher haben die Möglichkeit, ihren Aufenthalt im Freien aktiv oder passiv zu genießen.
„Um mit der Natur in Berührung zu kommen und sie zu erleben, muss man sie wahrnehmen; das heißt die Gesamtheit der Sinne wie riechen, fühlen, sehen, hören und schmecken muss angesprochen werden“, erklärt Cieslik-Bischof. Deshalb besteht ein Hauptteil der therapeutischen Arbeit im Garten aus dem Sammeln und Bestimmen von Kräutern. Das dürfen auch die Studenten sogleich ausprobieren. Sie sammeln Kräuter in den verschiedenen Beeten und treffen sich zur Theorie wieder am dazu aufgestellten Tisch. An die zehn verschiedene Kräuter haben sie gefunden, von Pfefferminze, Maggikraut über Salbei und Wermut. Alle sehen unterschiedlich aus, haben eine unterschiedliche Haptik und vor allem zeichnen sie sich nach reiben zwischen den Fingern durch ganz charakteristische Gerüche aus. „Aus den Kräutern fertigen unsere Besucher dann Kräutersträußchen, Tee oder Geruchssäckchen an“, erklärt Cieslik-Bischof den Studierenden. Diese dürfen sie sich dann später auch mit nach Hause nehmen. „Eine gelungene Veranstaltung“, lobt Dozentin Kirsch-Stracke den Tag und plant, diese Exkursion regelmäßig wieder mit ihren Studentengruppen durchzuführen.