Trafo-Turm beherbergt Vögel und Insekten

Mit einer Überlassungsurkunde ebnen Gemeindebürgermeister Helge Zychlinksi (Mitte) und Negenborns Ortsbürgermeister Peter Reuter (rechts) den Weg für die Nutzung des Trafo-Turms als Artenschutzdomizil. Karl-Hermann Ramm (von links), Heinz Linne und Peter Griemberg vom NABU können jetzt Nist- und Brutplätze einrichten.Foto: S. Birkner

Gemeinde überlässt NABU das Gebäude für den Artenschutz

Negenborn (sb). Einige bürokratische Hürden galt es zu überwinden, nun hat die Gemeinde dem Naturschutzbund Wedemark (NABU) grünes Licht für ein Großprojekt gegeben. Der ausgediente Trafo-Turm im Negenborner Ortskern soll durch vielfältige Brut- und Nistplätze zum Artenschutzdomizil werden.
Von Kommunalvertretern um Bürgermeister Helge Zychlinski mit offizieller Nutzungsurkunde übergeben, kann das entkernte Gebäude jetzt im Sinne der Natur umgebaut werden. Vornehmlich sieht der NABU die Einrichtung von Brut- und Nistplätzen für Vögel, Insekten und Fledermäuse vor.
Im Inneren des Turms planen die Naturschützer den Bau eines Schleiereulenkastens und etlicher Fledermaushangplätze. Sie sollen im oberen Drittel des Turms in getrennten Ebenen eingebaut werden und erfordern als Zugang nur kleine Außenöffnungen in den Wänden. Die Außenwände sollen Platz für Nistkästen bieten, die von verschiedensten Vogelarten wie Turmfalken und Mauerseglern genutzt werden können. Auch sollen an der freien Luft Sommerhangplätze für Fledermäuse entstehen. Es gibt Überlegungen, die die Gestaltung der umliegenden Beete in Zusammenarbeit mit dem Dorfverschönerungsverein vorsehen. Rankpflanzen könnten die Außenwände des Turms emporklettern.
„Wir können der Natur nur Angebote machen und dann abwarten und beobachten“, sagten die Vertreter des NABU bei einem Ortstermin am vergangenen Mittwoch. Ihre Zuversicht ist trotz der Unvorhersehbarkeit groß: Bei kurzer Entfernung zum Waldgebiet am Brelinger Berg ist der Turm besonders naturnah gelegen. Außerdem befindet er sich direkt zwischen dem Negenborner Wassermühlenteich und einer kleinen Quelle am Ortsrand. Damit liegt der ehemalige Trafoturm nah an feuchten Lebensräumen, die Insekten beherbergen.
Auf die NABU-Mitglieder kommt also viel Arbeit zu. Zum Beispiel könnte unter den Nistkästen eine Holzdecke mit Luke und Sprossenleiter eingebaut werden. Die Naturschützer freuen sich in diesem Zusammenhang über Zuwachs und stehen Neulingen offen gegenüber. „Wir würden gerne einige Negenbornerinnen und Negenborner als Freiwillige oder Vereinsmitglieder gewinnen und sie unter fachkundiger Anleitung in den Artenschutz einführen“, meinten Peter Griemberg, Heinz Linne und Karl-Hermann Ramm vom NABU.
Sie hatten die Gemeindeverwaltung rechtzeitig kontaktiert, als Abrisspläne bekanntwurden. Der Trafo-Turm war mit Entstehung der Gemeindewerke 2009 aus dem Besitz der Avacon AG in kommunales Eigentum übergangen und wurde mit dem Bau eines kleineren Trafo-Kastens direkt nebenan seiner Dienste enthoben. Der Fachbereich 6, in der Verwaltung für gemeindeeigene Gebäude und Flächen zuständig, ermöglichte den ehrenamtlichen Naturschützern die Nutzungsbereitstellung.