Tragischer Unfall mit zwei Todesopfern

Die Auffindesituation des Unfallfahrzeuges am Baum in der Böschung über dem Bahnhof gegenüber der Häuser Schaumburger Straße 10: Die Feuerwehr hat das Wrack am Baum gesichert, damit es nicht abrutscht.
 
Rund vier Stunden dauerte der Einsatz der Freiwilligen Feuerwehr Mellendorf, die dabei unter hoher psychischer Belastung stand. Zunächst mussten die Unfallforscher ihre Arbeit machen, erst nach zwei Stunden konnten die Helfer das Auto mit Hilfe einer Seilwinde die Böschung hochziehen und mit der schwierigen Bergung der beiden Opfer aus dem völlig zerstörten Autowrack beginnen. Foto: A. Wiese

19-Jähriger missachtete Stoppzeichen der Polizei – Viele Fragen bleiben offen

Mellendorf (awi). In der Nacht zum Sonntag gegen 3.40 Uhr sind der 19-jährige Maxim K. und die 20-jährige Lea H. aus der Wedemark auf der Schaumburger Straße in Mellendorf in Höhe des Bahnhofs tödlich verunglückt. Der auf den Vater der jungen Frau zugelassene Audi A 3 war offenbar mit deutlich überhöhter Geschwindigkeit unterwegs, als der 19-Jährige in einer Rechtskurve die Gewalt über das Fahrzeug verlor, das nach links von der Fahrbahn abkam, auf mehreren Metern das Geländer wegriss und mit der Beifahrerseite gegen einen Baum prallte.
Die beidenInsassen waren sofort tot. Zwei Polizeibeamte aus Mellendorf, die zuvor vergeblich versucht hatten, den Fahrer des Audi zum Anhalten zu bewegen und das Fahrzeug dann aus den Augen verloren hatten, kamen direkt auf den Unfall zu, konnten den Opfern jedoch nicht mehr helfen. Der sehr schnell am Unfallort eintreffende Notarzt konnte nur noch den Tod der beiden jungen Leute feststellen. Der Audi war kurz zuvor in Meitze der Streifenwagenbesatzung aufgefallen, da er auf der Gailhofer Straße in Richtung Norden erkennbar deutlich zu schnell unterwegs war. Nachdem der Sichtkontakt abgebrochen war, gelang es den 41 und 51 Jahre alten Beamten, dem Audi – mittlerweile in Hellendorf – trotz deutlicher Entfernung optische Anhaltesignale durch Blaulicht und Stopp-Zeichen zu geben. Doch anstatt darauf zu reagieren, gab der 19-Jährige hinter dem Steuer weiter Gas und fuhr auf der Sommerbosteler Straße in Richtung Mellendorf davon. Ganz bewusst hätten sich die Polizeibeamten zurückfallen und den Sichtkontakt erneut abreißen lassen, um eben nicht im Sinne einer klassischen Verfolgungsfahrt Druck aufzubauen, erklärte in der Unfallnacht vor Ort der Dienstschichtleiter des Verkehrsunfalldienstes Hannover, Martin Tamkus. Daher hätten sie den Hergang des Unfalls auch nicht beobachtet, sondern erst das verunglückte Fahrzeug entdeckt. Die Ermittlungen vor Ort wurden an den Verkehrsunfalldienst übergeben, der die Identität der im Fahrzeugwrack eingeklemmten Opfer erst nach deren Bergung nach über zwei Stunden feststellen konnte. Eine alle technischen und mentalen Kräfte fordernde Aufgabe für die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Mellendorf unter der Einsatzleitung von Ortsbrandmeister Cord Hanebuth. Nachdem die Helfer das Autowrack vor dem Abrutschen auf der Böschung amBaum gesichert hatten, waren sie so lange zur Untätigkeit verurteilt, bis die Unfallforschung ihre Arbeit beendet hatte.
Es gestaltete sich schwieriger als erwartet für die Feuerwehrkameraden, das Stahlseil für die Seilwinde sicher am Wrack zu befestigen und den Wagen rückwärts die Böschung hochzuziehen. Dazu
musste unter anderem der Stumpf eines abgebrochenen Baumes entfernt werden. Zudem verkeilten sich beim Anziehen die Geländerteile unter dem Wrack. Als das Fahrzeug auf der Straße stand, öffneten die Helfer mit Spreizer und Schere zunächst die Fahrertür, um an den 19-Jährigen heranzukommen. Wesentlich schwieriger gestaltete sich die Bergung der Beifahrerin, da der Audi A 3 mit dieser Seite gegen den Baum geprallt war. Lange dauerte es, bis es der Feuerwehr gelang, Ansatzpunkte für den Rettungszylinder zu finden und den Vorderwagen so weit auseinanderzudrücken, dass die eingeklemmten Füße der Beifahrerin befreit werden konnten. Ein schrecklicher Unfall und furchtbar für Angehörige, Freunde und ehemalige Schulkameraden der beiden früheren Wedemärker Realschüler. Doch auch für die Kameraden der freiwilligen Feuerwehr war dieser Einsatz eine extreme Belastung, die diese nach außen hin souverän meisterten. Einmal mehr stellte sich heraus: So intensiv die technische Hilfeleistung auch geübt wird, mit den Gegebenheiten bei einem realistischen Einsatz ist dies nie vergleichbar. Ortsbrandmeister Cord Hanebuth und sein Stellvertreter Jens Tauber setzten an vorderster Front bewusst sehr erfahrene Kameraden ein und hatten im Vorfeld, nachdem über das Kennzeichen der Halter des Wagens ermittelt worden war, nachgefragt, ob der Name den Kameraden bekannt war. In diesem Fall wären sofort andere zum Einsatz gekommen. Nach dem Einsatz gab es eine Nachbereitung im Feuerwehrgerätehaus. Die Feuerwehrkameraden haben hierbei auch die Möglichkeit seelsorgerischen Beistand in Anspruch zu nehmen, erklärten vor Ort Gemeindebrandmeister Maik Plischke und sein Stellvertreter Jens Kahlmeyer. Eine Nachbereitung dieses belastenden Einsatzgeschehens passierte jedoch nicht nur bei der Feuerwehr. Auch die beiden Mellendorfer Polizeibeamten, die das Fahrzeug hatten anhalten wollen und die Opfer später entdeckt hatten, wurden von einer polizeiinternen Beratungsstelle betreut. Kommissariatsleiter Klaus Waschkewitz traf ebenfalls am frühen Sonntagmorgen in Mellendorf ein und sprach mit seinen Beamten. Unbeantwortet bleiben wird wohl die Frage, warum der 19-Jährige vor der Polizei davongefahren ist. Auch am Dienstag stand nach Auskunft der Polizeipressestelle in Hannover noch nicht endgültig fest, ob eine Blutuntersuchung zur Ermittlung von Alkohol oder Drogen im Blut des Fahrers veranlasst würde. Angeordnet wurde jedoch am Montag von der Staatsanwaltschaft die technische Untersuchung des Autowracks.