Trauerbegleitung und Kabarett

Matthias Brodowy präsentiert als Schirmherr der Veranstaltungsreihe vom Bundesverband für Trauerbegleitung Kabarett im Campus W. Foto: N. Mandel

Kabarettist Matthias Brodowy spielt im Campus W.

Wedemark (nm). Für den Kabarettisten Matthias Brodowy schließen sich Trauer und Kabarett nicht aus. Im Gegenteil: Als Schirmherr für eine Konzertreihe des Bundesverbands Trauerbegleitung gastiert er selbst mit einem Soloprogramm und Höhepunkten aus achteinhalb Stunden Programm im Campus W. des Schulzentrums Mellendorf.
Möglich gemacht hatten diesen Auftritt die Organisatoren Nicole Friedrichsen vom Bundesverband Trauerbegleitung und Karen Drews vom Förderverein des Gymnasiums, die sich um die Abstimmung des Events mit der Gemeinde gekümmert hatten.
Mit dem Abend richtet Brodowy sich ganz besonders an alle, die einen lieben Menschen verloren haben und deswegen immer noch traurig sind. Denn gerade in der heutigen Leistungs- und Spaßgesellschaft habe Trauer oft keinen Raum. Dabei sei es wichtig, in dieser Zeit nicht alleine zu sein. Mit dem Programm wirbt er für Spenden an den Bundesverband Trauerbegleitung, auch die Einnahmen aus dem Kartenverkauf kommen diesem Zweck zu Gute. Der 2010 gegründete Fachverband versteht sich als Sprachrohr für Trauernde, Trauerbegleitende und Menschen, die zum Themenbereich „Trauern“ forschen und lehren.
Wie nahe Lachen und Weinen beieinander liegen, das wird den zahlreichen Zuschauern im Laufe des Abends schnell klar: Denn Matthias Brodowy bietet Kabarett vom Feinsten. Die Ur-Deutschen Eigenschaften nimmt er genauso auf die Schippe wie er sich den (a-)sozialen Netzwerken kritisch nähert, deren verbale Gewaltexzesse die Meinungsmache von Pegida befeuern und so in echte körperliche Gewalt auszuarten drohen. Der typische jammernde Deutsche wäre eben kein Deutscher, wenn er nichts zu jammern hätte. Die „Ja-Aber-Mentalität“ sei beim Fröhlichsein im Weg. Aber wie Umgehen mit diesem Zustand? „Lassen Sie die Leute da stehen, wo sie hingehören“, schlägt er in Kabarettisten-Manier vor. Das kommt an, das Publikum amüsiert sich.
Werte der Demokratie werden reflektiert und auch der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan kommt – wie zurzeit in allen Kabarettformaten – nicht ungeschoren davon: Ein Seitenhieb auf die Humorlosigkeit von Diktaturen wie zum Beispiel Nordkorea lässt in den Köpfen der Zuschauer wie unbeabsichtigt Assoziationen entstehen, derer sie sich nicht erwehren können. Ganz großes Kino also im Forum des Schulzentrums.
Brodowy sieht sich dabei als Vertreter für gehobenen Blödsinn, in Anglizismen gesprochen als „chief director for high level bullshit“. Der Förderverein des Gymnasiums Mellendorf übernahm an dem Abend den Getränkeausschank.