Trend kehrt sich um: Azubis gesucht

Andy Bednarek von VW Service (v. l.), Wirtschaftsförderer Carsten Niemann und Jürgen Hansen vom Ausbildungsverbund pro regio. Foto: A. Wiese

Zweites Ausbilder-Frühstück in der Wedemark diesmal bei Volkswagen Service

Bissendorf (awi). Zum zweiten Mal hatten die Gemeinde Wedemark und pro regio e.V. alle, die in Zukunft ausbilden wollen oder an Ausbildung beteiligt sind, zum Ausbilder-Frühstück eingeladen. Gastgeber war diesmal Volkswagen Service Deutschland, Serviceregion Mitte, in der Schlager Chaussee 20 in Bissendorf. Bei belegten Brötchen und einer Tasse Kaffee hatten die Teilnehmer Gelegenheit, andere Ausbilder und Akteure kennenzulernen und ihre Wünsche in die Einrichtung eines regelmäßigen Ausbilder-Frühstücks einzubringen. Bürgermeis-ter Tjark Bartels, Wirtschaftsförderer Carsten Niemann und Jürgen Hansen von Ausbildung im Verbund pro regio e.V. freuten sich über das Interesse und hoffen auf eine Fortsetzung. Wer das nächste Mal Gastgeber sein möchte, kann sich schon jetzt bei Carsten Niemann in der Gemeindeverwaltung melden. Zunächst stellte der diesmalige Gastgeber Andy Bednarek den VW Service mit 85 Mitarbeitern am Standort Bissendorf vor. Ausbildung habe hier einen hohen Stellenwert. VW Service beteiligte sich auch an der Ausbildungsmesse vocatium in Hannover im Juli, bot interessierten Bewerbern die Möglichkeit zum Gespräch. „Wir müssen an unserem Image arbeiten, damit wir bekannt sind“, stellte Bednarek unverblümt fest. Denn obwohl auf zwei ausgeschriebene Ausbildungsstellen in zwei Berufen immer noch 120 Bewerbungen gekommen seien, gehe die absolute Bewerberzahl deutlich zurück. Viele Bewerber seien ungeeignet, antworteten noch nicht mal auf einen zugeschickten Fragebogen. Er würde sich eine Ausbildungsmesse vor Ort wünschen, wandte sich Bednarek an die Gemeinde Wedemark. Auffällig sei ein hoher Frauenanteil bei den Bewerbungen für Ausbildungsplätze: unter sechs Bewerbern seien fünf Frauen. Die Situation habe sich gedreht, stellte auch Wirtschaftsförderer Niemann fest: Heute hätten die Firmen Mühe, dem Anforderungsprofil entsprechende Auszubildende zu finden. Eine Ausbildungsmesse sei eine gute Idee und würde zur Vernetzung beitragen, war auch seine Ansicht.
Jürgen Hansen von pro regio berichtete von einer aktuellen IHK-Umfrage, bei der Betriebe gefragt worden seien, ob sie alle angebotenen Ausbildungsplätze besetzen konnten: 17 bis 18 Prozent hätten mit Nein geantwortet. Als häufigster Grund sei angegeben, dass keine geeigneten Bewerbungen vorgelegen hätten. Sehr viele Ausbildungsplätze seien aber auch gar nicht angetreten worden. Dies sei besonders ärgerlich, weil nicht nur die Betriebe keinen Auszubildenden hätten, sondern auch andere qualifizierte Bewerber keinen Ausbildungsplatz. Ausbildungshemmnisse seien laut IHK-Umfrage eine mangelnde Ausbildungsreife und unklare Berufsvorstellungen. Nachrichten, dass Betriebe wie beispielsweise die Deutsche Bahn bereits 400 Euro „Kopfprämie“ pro Auszubildenden an Mitarbeiter zahlten sprächen für sich. Der Kampf um die Talente tobe, gab Hansen zu bedenken. Junge Menschen bräuchten Perspektiven, Unternehmen bräuchten Nachwuchs. Einen wichtigen Einfluss auf die Berufswahl hätte das soziale Netzwerk aus Freunden, Bekannten, Eltern und natürlich Internet. Bürgermeister Tjark Bartels warb für die Gewerbemesse der Wedemark im nächsten Jahr, am ersten Juni-Wochenende, bei der Betriebe erneut die Möglichkeit hätten, sich jungen Menschen als Ausbildungsbetrieb zu präsentieren und erste Kontakte aufzunehmen. Die CDU-Landtagsabgeordnete Editha Lorberg kritisierte, dass viele Unternehmen auf Praktikumsbewerbungen gar nicht antworteten und so die Motivation der Schüler dämpften. Dass Praktika für die Berufsentscheidung einen hohen Stellenwert haben – darüber waren sich aber alle einig.