Uwe Kinzel recherchiert in Tschintau

Uwe Kinzel hat sich bereits umfassend über Tschingtau informiert. (Foto: A. Wiese)

Wedemärker können sich schon jetzt auf spannenden Vortrag freuen

Wedemark (awi). Uwe Kinzels reich bebilderte Vorträge aus fernen Ländern sind vielen Wedemärkern ein Begriff. Jahrelang war Kinzel bei den Diatagen dabei, und seit es die nicht mehr gibt, organisiert er selbstständig Vorträge. Der nächste ist am 25. Februar 2011 geplant unter dem Titel „Tokio – mit Uwe Kinzel unterwegs in der Mega-City. Solche gehaltvollen Vorträge müssen von langer Hand vorbereitet werden und so macht sich Kinzel in wenigen Tagen auf den Weg ins ferne China, um dort fü seinen Vortrag im Jahr 2012 zu recherchieren. Ende Oktober startet er nach Tschingtao. Zweieinhalb Wochen lang will er dort auf den Spuren seines eigenen Urgroßvaters wandeln und vorher noch der Expo in Shanghai einen Besuch abstatten. Tschingtau an der Ostküste Chinas ist ein natürlicher Buchthafen, der ins gelbe Meer ragt. Es gehört zur Provinz Shandong – zur deutschen Kolonialzeit hieß sie Shantung – und hat etewa zwei Milliionen Einwohner. Das Besondere an Tschingtau ist seine koloniale Vergangenheit, deren Anfänge in die Zeit Kaiser Wilhelms II. zurückreichen. „Die Deutschen liebäugelten Ende des 19. Jahrhunderts ebenfalls mit einem Kolonialbereich, hatten weltpolitische Ambitionen“, erzählt der historisch interessierte Uwe Kinzel: „Sie wollten mit ihrer Flotte in der Lage sein, überall zu operieren. 1897 gelang es ihnen dann, mit Druck und Verhandlungen, dem chinesischen Kaiserreich Tschingtau abzupressen. Sie behielten es bis 1914. Da verloren sie es zu Beginn des ersten Weltkrieges.“ Während Tschingtau deutschler Kolonialbereich war, gab es dort eine Bunkerstation für den Flottenstützpunkt. „Die Schiffe führen damals mit Kohle. Kohle brauchte viel Platz und verfeuerte sich schnell. Daher war die Reichweite der Linienschiffe begrenzt und man brauchte weltweit Häfen, wo man Kohle bunkern konnte“, erklärt Kinzel. Sehr agil in Tschingtau seien in dieser Zeit auch die deutschen Missionare gewesen, der Kaiser begründete daher seine Präsenz in Tschingtau auch mit dem Schutz der Missionare. „Und zu dieser Zeit war mein Urgroßvater auf der Marinewerft in Wilhelmshaven und wurde für zwei bis drei Jahre nach Tschingtau geschickt“, schlägt Uwe Kinzel schließlich den Bogen zu seiner eigenen Geschichte. Er möchte sich nämlich jetzt auf die Spuren seines Vorfahren begeben, sich die Häuser aus der deutschen Kolonialzeit ansehen, die sich völlig von der chinesischen Bauweise unterschied, den berühmten Bahnhof aus der deutschen Gründerzeit und evangelische und katholische Kirchen, die von den deutschen Missionaren errichtet wurden. Um diese Tour auszuarbeiten, hat sich Kinzel an ein spezielles Reisebüro in Hannover gewandt, dessen Inhaber Chinesen in ganz Europa betreut und fließend Mandarin spricht. Er hat ihm Führer für zwei geplante Touren vermittelt, zum Beispiel ins Lao Shan-Gebirge, ein Stück weiter östlich von Tschingtau, mit einer Höhe von 1200 Metern, wo Kinzel wandern und ebenfalls auf historischen Spuren wandeln möchte. Hier hat nämlich Chinas erster Kaiser, der ewig leben wollte, ein Lebenselixier gesucht. Sein Leibarzt hatte ihm gesagt, er finde es „ganz im Oste,n wo die Sonne aufgeht in einem Gebirge. Der Kaiser fand tatsächlich eine Quelle mit einem besonders guten Mineralwasser, doch das ewige Leben bescherte es ihm auch nicht. Diese und noch viele andere Geschichten wird Uwe Kinzel dann in seinem Vortrag über Tschingtau und das, was er dort erleben wird, zu Gehör bringen. 20 Diafilme hat er eingepackt und „meine gute alte analoge Spiegelreflexkamera“. Rund 700 Dias will er machen „und zur Not kann ich ja dort nachkaufen“. Denn einen Abstecher in die Provinz Shandong, zum Taishan, einem der fünf heiligen Berge, und zum Grab des Konfuzius in Quju plant er natürlich auch noch.