Verkehrssituation Wedemark vorgestellt

Jörn Janssen (stehend) und Gabriela Fröhlich vom Büro SHP Ingenieure aus Hannover stellen im Bürgerhaus in Bissendorf ihren Bericht zur Verkehrssituation in der Gemeinde Wedemark vor. Foto: B. Stache
 
Ausschussmitglieder und Einwohner zeigen im Bürgerhaus in Bissendorf ihr Interesse am Bericht zur Verkehrssituation in der Gemeinde Wedemark. Foto: B. Stache

Büro SHP Ingenieure informiert Ausschuss für Planen, Bauen und Umweltschutz

Bissendorf (st). Unter der Überschrift „Verkehrliche Situation in der Gemeinde Wedemark: Probleme, Mängel, Handlungsbedarfe“ stellten am Dienstagabend Jörn Janssen und Gabriela Fröhlich vom Büro SHP Ingenieure aus Hannover im Bürgerhaus in Bissendorf ihre Arbeitsergebnisse vor. Die Präsentation erfolgte im Rahmen der 6. öffentlichen Sitzung des Ausschusses für Planen, Bauen und Umweltschutz unter Vorsitz von Susanne Brakelmann. SHP Ingenieure ist ein bundesweit tätiges Büro und bearbeitet Projekte der Verkehrsplanung, des Straßenentwurfs und der Verkehrstechnik. „Unser Ziel ist dabei die umwelt- und sozialverträgliche Gestaltung der Verkehrssysteme. Die Konsensfindung und die praktische Umsetzung stehen dabei im Vordergrund“, heißt es auf der SHP-Webseite. Gleich zu Beginn seiner Ausführungen machte SHP-Geschäftsführer Jörn Janssen mit Hinweis auf den vorgegebenen Tagesordnungspunkt „Verkehrskonzept Wedemark“ deutlich: „Verkehrskonzept ist nicht das, was wir bearbeitet haben. Wir sollten uns mit der verkehrlichen Situation in der Wedemark und ihren Ortsteilen beschäftigen, mit Problemen und Mängeln und was leitet sich daraus ab an Handlungsbedarfen.“ Es sei Aufgabe der Gemeindevertreter, die sich daraus ergebende Diskussion weiterzuführen, gegebene Anregungen zu vertiefen und weiter zu verfolgen. Der vorliegende Bericht sei kein fertiges Planwerk, aus dem Bauaufträge abgeleitet werden könnten. Er basiere auf Gesprächen mit der Verwaltung, Politik und aus einem Workshop mit Bürgern. „Das Ganze haben wir dann ergänzt durch unseren Blick von außen“, erklärte Jörn Janssen. Aus dem so entstandenen Bericht stellten er und SHP-Mitarbeiterin Gabriela Fröhlich einzelne Passagen vor. Dort wo sie Handlungsbedarf gesehen haben, wurden drei Dringlichkeitsstufen „hoch, mäßig, gering“ formuliert. Ob die politisch Verantwortlichen in der Wedemark dieser SHP-Priorisierung folgen, werde das Ergebnis von weiteren Diskussionen sein, brachte es Jörn Janssen auf den Punkt. Zum Auftakt seiner detaillierteren Ausführungen wählte er ein Ortsteile übergreifendes Thema, den Radverkehr. Dessen Stellenwert sei in der heutigen Zeit besonders hoch zu bewerten, urteilte er. „Ein Radverkehrskonzept sollte für das gesamte Gemeindegebiet ausgearbeitet werden“, lautete seine Empfehlung. Dem Thema Schließzeiten an Bahnübergängen in der Wedemark widmete sich Gabriela Fröhlich. Im SHP-Bericht wird angeführt, dass die entsprechenden Bahnschranken drei bis sieben Mal pro Stunde jeweils zwischen einer und vier Minuten geschlossen sind. Ergebnis: zu Stoßzeiten morgens und abends gebe es keine Möglichkeit, dass sich der Rückstau im Straßenverkehr zurückbildet. Gabriela Fröhlich trug dazu vier Lösungsansätze vor – Führung des Bahnkörpers unter der Straße, Führung der Straße unter dem Bahnkörper, Bau einer Umgehungsstraße und Optimierung der Sicherungstechnik. Als Beispiel für einen Straßentunnel am Mellendorfer Bahnübergang führte sie ein Projekt aus Emden an. Das dortige Bauwerk habe zirka 5,5 Millionen Euro gekostet. In der Präsentation wurden auch Einzelbeispiele zur Eindämmung von sogenanntem Schleichverkehr vorgestellt sowie Hinweise auf zu hohe Geschwindigkeiten an Ortseingängen und notwendige Querungshilfen in Ortschaften gegeben. Schwerlastverkehr und Gefahrenschwerpunkte waren ebenfalls Thema, wie auch das Prinzip „Shared Space“. Hierbei geht es um die gleichberechtigte Nutzung des öffentlichen Verkehrsraums durch alle Verkehrsteilnehmer, ob Fahrzeuglenker, Radfahrer oder Fußgänger. Es soll zum verantwortungsvollen Miteinander im Straßenverkehr führen. Das SHP Ingenieure-Fazit zur untersuchten Verkehrssituation lautete: „Die verkehrlichen Probleme in der Gemeinde Wedemark zeigen ein sehr breites Spektrum. Zum einen liegen zahlreiche lokale Problempunkte vor, die mit ´Bordmitteln` minimiert werden können. Zum anderen werden übergreifende Themen angesprochen, die eine konzeptionelle, manchmal auch strategische Diskussion und Bearbeitung erfordern.“ Der gesamte Bericht werde den Ausschussmitgliedern der Gemeinde Wedemark Anfang kommenden Jahres in schriftlicher Form nachgereicht, hatte SHP Ingenieure-Geschäftsführer Jörn Janssen zu Beginn seiner Ausführungen mitgeteilt. In der folgenden Diskussion, an der sich auch Einwohner beteiligten, kam unter anderem das Thema „Zukunftsfähigkeit“ eines Verkehrskonzepts zur Sprache, das die Neubaugebiete der Wedemark mit einschließt. FDP-Ratsherr und Ausschussmitglied Erik van der Vorm formulierte zwei Handlungsbedarfe: „Wie bekomme ich den Verkehr aus der Wedemark heraus und wie kriegen wir das Thema Schrankenschließzeiten einigermaßen in den Griff?“ Er vermisse in der Präsentation Überlegungen zu einer Autobahnauffahrt bei Bissendorf-Wietze. Erik van der Vorm verspricht sich von einer solchen Baumaßnahme eine erhebliche Entlastung der Straßenverkehrssituation. Vor allem Einwohner ostwärts der Bahnlinie in Bissendorf würden von einer solchen Auffahrt profitieren. Dieser Vorschlag werde in den Bericht mit aufgenommen, versicherte Jörn Janssen. An der Sitzung im Bürgerhaus hatten auch der SPD-Landtagsabgeordnete Rüdiger Kauroff und Klaus Waschkewitz, Dienststellenleiter Polizeikommissariat Mellendorf, teilgenommen.