Vertreter überbringen Forderungen mit Herz

Miriam Wolters (von links), Referentin des Deutschen Jugendherbergwerkes überbringt zusammen mit den auslandserprobten jungen Erwachsenen Tanja Krato (27), Sabrina Scholle (30), Mattia Stolz (20), und Benjamin Diethelm (22) Forderungen mit Herz an die Bundestagsabgeordnete Caren Marks (Mitte). Foto: N. Mandel

Bundesweiter Aktionstag zum internationalen Jugendaustausch

Wedemark (nm). Anlässlich des bundesweiten Aktionstages zum internationalen Jugendaustausch besuchten Jugendliche Abgeordnete in ihren Wahlkreisen in ganz Deutschland und diskutierten mit ihnen über die Zukunft des internationalen Jugendaustauschs. Im Gepäck hatten sie Vorschläge für die Politik, wie sie die Jugendorganisationen besser unterstützen kann. Das Aktionsbündnis Anerkennung International als trägerübergreifende Initiative von Verbänden und Organisationen der Internationalen Jugendarbeit, koordiniert von der IJAB (Fachstelle Internationale Jugendarbeit der Bundesrepublik Deutschland) hatte diese bundesweite Aktion für den 8. Juni organisiert. Die Initiative wurde durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) gefördert. Eine Online-Kampagne begleitete den Aktionstag. Die Teilnehmenden posteten in den sozialen Medien über den #internationalheart alles über ihren Besuch in den Wahlkreisbüros.
„Wir haben uns ganz bewusst an Caren Marks gewandt, denn wir wissen, dass sie sich im Ministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und in Facharbeitskreisen für unsere Sache stark macht“, so die Referentin für Kinder- und Jugendhilfe des Deutschen Jugendherbergswerkes Miriam Wolters. Zusammen mit vier aktiven jungen Erwachsenen aus der Jugendaustauschszene war sie angereist, um im Wahlkreisbüro der SPD mit den Abgeordneten über den Nutzen, den Jugendliche aus Auslandserfahrungen ziehen können, zu diskutieren. Auch Verbesserungsvorschläge brachten die Abgesandten mit.
So war eine Forderung, dass jedem jungen Menschen ein Mobilitätsgutschein für eine Austauscherfahrung zur Verfügung gestellt werden solle, um auch Jugendlichen aus bildungsferneren und ärmeren Elternhäusern eine Austauscherfahrung zu ermöglichen. Denn gerade in diesem Milieu entstehe häufig der neue Nationalismus aus dem Gefühl der permanenten Benachteiligung heraus.
„Wir möchten, dass sich die Politik stärker für den internationalen Jugendaustausch einsetzt“, sagt Tanja Krato (27), Neurowissenschaftlerin und studierte Informatikerin aus Stemmwede bei Osnabrück. Sie selber hat an einem Austausch mit Israel teilgenommen und findet: „Das Arbeiten an einem gemeinsamen Projekt überwindet alle zwischenmenschlichen und kulturellen Grenzen.“ Davon könnten Jugendliche nur profitieren. „Wenn man in einem anderen Land mit den Menschen durch die Projektarbeit in Kontakt kommt, dann wird deren Kultur Teil von einem selber“, beschreibt Mattia Stolz (20) aus Wettbergen ihre Erfahrungen. „Ich habe dadurch einen anderen Blick auf die Welt, auf mich selber und mein Leben in Deutschland bekommen“, sagt sie. Das sei die beste Prävention gegen Rechts und eine unabdingbare Voraussetzung zur Völkerverständigung. „Gerade in der heutigen Zeit, in der ständig neue schreckliche Nachrichten über Terroranschläge die Welt erschüttern, ist es umso wichtiger, eine gemeinsame Basis zu schaffen“, sagt Sabrina Scholle (30), die an der Leibniz Universität Hannover vor allem brasilianische Studierende in einem Erasmus-Programm betreut hat. Man bekomme einfach eine andere Geisteshaltung, sind sich alle einig. Noch heute halten sie Kontakt zu ihren Auslandsbekanntschaften. „Non-formale Bildung ist enorm wichtig für die Persönlichkeitsentwicklung und steigert später die Chancen auf dem Arbeitsmarkt“, findet Caren Marks, die sich im Parlament für mehr finanzielle Unterstützung der Jugendaustauscharbeit einsetzen will. Benjamin Diethelm (22), Volkswirtschaftsstudent aus Münster hat in dem Projekt I-O-U-Respect an einem Austausch mit Israel teilgenommen und ist bis heute tief beeindruckt von seinen Erfahrungen, die er gerne mit allen anderen Jugendlichen teilen möchte. „‚Pooling‘, also der Zusammenschluss gleichartiger Menschen gepaart mit dem Ausschluss von allem Andersartigen, ist der Nährboden für den Roll-back in Richtung Nationalismus, den wir heute allenthalben erleben“, sagt er.
Die Jugendlichen sehen sich als Multiplikatoren für interkulturelle Kompetenzen und fordern neben dem Mobilitätsgutschein eine bessere Vereinbarkeit von Schule und Studium mit dem Engagement sowie mehr Raum und finanzielle Mittel für die Jugendaustausche im Bildungssystem. Alle sind heute in der Flüchtlingsarbeit aktiv und sehen den interkulturellen Austausch als das Wichtigste an, um Angst und Vorbehalte gegenüber Anderen abzubauen. Wenn Jugendliche flächendeckend die Möglichkeit hätten, ihren Horizont durch Auslandsaufenthalte zu erweitern, wäre die Welt ein gutes Stück besser, so die Botschaft. Jugendliche, die sich für Auslandsaufenthalte interessieren, sind herzlich eingeladen, sich bei der Referentin des Deutschen Jugendherbergswerkes Miriam Wolters unter der Mailadresse Miriam.Wolters@jugendherberge.de und über www.jugendherberge.de Informationen dazu einzuholen.