Viele Argumente gegen Mastställe

Dr. Claudia Preuß-Überschär (von links), Tierärztin, Christiane Hussels, Sprecherin LAG Landwirtschaft, und Miriam Staudte, Landtagsabgeordnete der Grünen und Sprecherin für Agrarpolitik, Ernährung und Tierschutz bei der Diskussion der Wedemärker Grünen am Donnerstagabend im „Herzblut“ in Mellendorf. Foto: A. Wiese

Grüne hoffen auf viele Einwendungen bei der Region gegen Erweiterung

Wedemark (awi). Wesentlich mehr Resonanz als vermutet hatten die Wedemärker Grünen am Donnerstagabend auf ihre Einladung zur Informationsveranstaltung zur industriellen Tierhaltung. Der Clubraum des „Herzblut“ in Mellendorf war mit rund 50 Besuchern so überfüllt, dass einige vor der Tür standen. Am Ende des Abends war dennoch nicht das herausgekommen, was einige sich erhofft hatten, nämlich die Gründung einer Bürgerinitiative gegen die Verdoppelung der Hähnchenmastställe um 85.000 auf dann 174.000 Mastplätze. Allerdings trugen sich viele Teilnehmer in eine Liste ein, um eine Vorlage für eine Mustereinwendung gegen den geplanten Stallbau zugeschickt zu bekommen.
„Wir müssen dem Landwirt Druck machen und das geht nur mit Öffentlichkeit“, waren sich Angela Klingrad von den Wedemärker Grünen, Moderatorin Christiane Hussels als Sprecherin der LAG Landwirtschaft, die Grüne Landtagsabgeordnete Miriam Staudte, Tierärztin Dr. Claudia Preuß-Überschär und BUND-Geschäftsführerin Sabine Littkemann einig. Druck ausgeübt werden soll aber auch durch zahlreiche Einwendungen an die Adresse der Region Hannover als Genehmigungsbehörde. Und wer eine Einwendung geschickt hat, darf dann auch zum Erörterungstermin kommen. Darauf setzen die Grünen jetzt, ließen aber auch ehrlich durchblicken, dass eine Verhinderung der Aufstockung der Mastplätze nicht wirklich realistisch sei, weil für ein privilegiertes Bauvorhaben im Außenbereich rechtlich alles im grünen Bereich sei. Aber diese Rechtsgrundlagen müsse man zur Diskussion stellen, forderten die Referentinnen Staudte, Littkemann und Überschär. BUND-Geschäftsführerin Littkemann zweifelte beispielsweise die Rechtmäßigkeit der Ausbringung von Gülle auf den Flächen in Elze an. Laut Verordnung sei dies eigentlich untersagt. Überprüft werden müsse laut Littkemann auch, ob nicht Flächen, die bereits für die Ausbringung des Hühnertrockenkots aus den ersten beiden Mastställen angegeben worden seien, jetzt erneut angeführt würden. „Wir müssen Stimmung machen, Leute mobilisieren wie bei den Logistik-Hallen in Gailhof. Da ist die Gemeinde auch eingeknickt. Rein juristisch ist die Stallerweiterung nicht zu kippen“, so Littkemann. Landwirte saßen am Donnerstagabend nicht auf dem Podium. Man habe sie eingeladen, aber nur Absagen bekommen“, so Angela Klingrad bei der Begrüßung. Die Referenten waren sich unabhängig voneinander einig, dass alle Angaben des antragstellenden Landwirts hinterfragt werden müssten. Sie begegneten seiner Darstellung, die Hühner könnten sich in den Ställen „normal bewegen“ und „staubbaden“ mit großer Skepsis. Auch dass keine großen Emissionen durch Ammoniak zu erwarten seien, wurde als nicht glaubhaft dargestellt.
Leider spiele kein Argument, das das Tierwohl betreffe, im Verfahren eine Rolle, bedauerte Littkemann, kriegen könne man den Landwirt höchstens damit, dass Schutzgüter wie das Wasser tangiert seien. Die Flächen, wo die beiden zusätzlichen Hähnchenmastställe errichtet werden sollen, lägen im Wasserschutzgebiet Fuhrberger Feld, und zwar in der Wasserschutzgebietzone 3a, ganz eng an der Grenze zu Zone 2. Dem BUND lägen die Ergebnisse von zumindest zwei Messstellen vor und mindestens ein Brunnen weise deutlich zu hohe Nitratwerte auf. Leider werde offiziell nur mit Jahresmittelwerten gearbeitet „und so ist am Ende alles schön ganz nach dem Spruch ,Patient tot, aber im Mittel war er gesund“, kritisierte Littkemann. Ihrer Ansicht nach müsste das Aufbringen von Geflügelkot in der Schutzzone 3a unzulässig sein, sie kündigte an, diesbezüglich noch einmal Kontakt mit der Wasserbehörde aufzunehmen und die gemessenen Nitratwerte dabei anzuführen. Sie selbst habe sich extra noch einmal auf den betroffenen Flächen umgesehen und da habe es „unfassbar nach Gülle gestunken“, so Littkemann am Donnerstag. Dr. Claudia Preuß-Überschär widmete sich vor allem dem
Thema Anitbiotikagaben und multiresistente Keime. Aufgrund der Enge in den Ställen udn der Krankheitsanfälligkeit der Reassen sei Antibiotikagaben häufig unvermeidlich. Jede Antibiotikagabe führen zu neuen Resistenzbildungen. Multiresistente Keime könnten in wenigen Jahrzehnten die Haupttodesursache für den Menschen sein. Zwar sei in den lezten Jahren der Einsatz von Antibiotika in der Tiermast in Deutschlandumn 50 Prozent gesenkt worden, Doch die wesentlich potenteren Reserveantibiotika würden gleichbleibend oder sogar verstärkt in der Tiermast verwendet, obwohl sie in der Humanmedizin als Ultima Ratio verwendet würden. So würden nach wie vor noch mehr als 60 Tonnen Colistin in der Schweine- und Geflügelmast verwendet, was angesichts der weltweit zunehmenden Todesfälle durch multiresistente Keime unverantwortlich sei.
Die Grüne Landtagsabgeordnete Miriam Staudte kritsierte ebenso wie Preuß-Überschär, dass es in Deutschland bereits eine Überversorgung mit Hähnchenfleisch gebe. Vor allem Brustfleisch sei gefragt. Die weniger nachgefragten Fleischteile würden zu Billigpreisen nach Afrika geliefert und machten dort den lokalen Markt kaputt. Es kam die Frage auf, ob man den Landwirt nicht bewegen könne, auf Bio umzusteigen, Sabine Littkemann bezweifelte jedoch, dass er die Vorgaben dafür erfüllen könne. Positiv wurde angemerkt, dass der Landwirt auch bei den bestehenden Ställen auf freiwilliger Basis Filteranlagen eingebaut und dies auch für die neuen Ställe angekündigt habe.