Vortrag und Diskussion über Integration

Erik Weckel (von links), Cornelia Blume, Ernst Pobloth und Ralph Warnke sind mit dem Verlauf des Vortrags- und Diskussionsabends im Bürgerhaus in Bissendorf zufrieden. Foto: B. Stache
 
Ernst Pobloth (von rechts), Cornelia Blume und Ralph Warnke stellen sich und Erik Weckel anlässlich des Vortrags- und Diskussionsabends im Bürgerhaus in Bissendorf vor. Foto: B. Stache

Ernst Pobloth: „Wir brauchen Menschen, die sich den Geflüchteten zugewendet fühlen“

Bissendorf (st). Der Interkulturelle Treff (IKT) kümmert sich seit Jahren um die Sprachkenntnisvermittlung für Neuangekommene und Geflüchtete in der Wedemark. Der Verein Miteinander.Wedemark engagiert sich seit einem guten halben Jahr für die finanzielle Zusatz-Unterstützung der Flüchtlinge, kümmert sich um zentrale Veranstaltungen für diese Menschen und deren Helfer – alles dank Spenden. Beide Einrichtungen hatten am Dienstagabend im Bürgerhaus in Bissendorf zu einem Vortrag mit Podiumsdiskussion eingeladen. Cornelia Blume, Beisitzerin im Verein Miteinander.Wedemark, und IKT-Mitglied Ernst Pobloth konnten mehr als 30 Zuhörer begrüßen. Als Moderator stand der Jurist Ralph Warnke, Geschäftsführer der MediTECH Electronic GmbH aus Bissendorf, zur Verfügung. Die Organisatoren hatten Erik Weckel als Gastredner gewinnen können. „Ich vertrete heute Abend die Agentur für Erwachsenen- und Weiterbildung (AEWB). Wir sind zentraler Dienstleister für die anerkannte Erwachsenenbildung in Niedersachsen. Die Volkshochschulen gehören zu diesen anerkannten Einrichtungen“, erklärte Erik Weckel. In seinen Aufgabenbereich fällt auch das Thema ehrenamtliche Arbeit. „Interkultureller Treff und der Verein Miteinander.Wedemark sind ehrenamtlich tätig. Deshalb bin ich heute hierhergekommen, um über das Thema ,Integration als Herausforderung für die Zivilgesellschaft' zu sprechen." Im ersten Teil seines Vortrags stellte Erik Weckel die niedersächsische Institution AEWB vor. Sie ist seit 2006 der zentrale Dienstleister und Service-Anbieter für die Erwachsenenbildung in Niedersachsen für alle anerkannten, öffentlich geförderten Einrichtungen und ihre Mitarbeiter. Im zweiten Teil beschäftigte sich der Vortragende zunächst mit der geschichtlichen Entwicklung von Gesellschaften – vom Nomadentum bis zur heutigen Zivilgesellschaft. Dabei formulierte er auch einige Thesen, „die möglicherweise über Ihren von Ihnen gesetzten Rahmen hinausgehen“. In seiner kulturhistorischen Rückschau verwies Erik Weckel darauf, dass der Ur-Mensch aus Afrika kommt. Nomadentum und Migration sind seitdem Normalität. In seinem anspruchsvollen Vortrag zitierte er im Kontext dazu Immanuel Kant, dass „ursprünglich aber niemand an einem Orte der Erde zu sein mehr Recht hat, als der andere“. Auch heute seien Wanderungen an der Tagesordnung – „eine tägliche Erscheinung, mit der wir umgehen müssen“, formulierte es der Vortragende. Deutschland sei ein Einwanderungsland, dass dieser Menschen bedarf. Während aktuell der Begriff der Integration von Geflüchteten die Runde macht, sei dieser langfristig durch die stärkere Inklusion zu ersetzen, erklärte Erik Weckel mithilfe von Schaubildern. Er sprach über Menschen- und Bürgerrechte, erinnerte daran, dass letztere den Geflüchteten häufig zu lange verwehrt blieben. „Die Zivilgesellschaft ist für Schaffung und Aufrechterhaltung einer öffentlichen Ordnung da. Mit Ihrer heutigen Veranstaltung tragen Sie einen Teil dazu bei“, lobte Erik Weckel seine Zuhörer. Zu Beginn der sich anschließenden Diskussion erklärte Ernst Pobloth: „Wir brauchen Menschen, die sich den Geflüchteten zugewandt fühlen.“ Die Vortragsgäste brachten sich mit eigenen Erfahrungen aus der Arbeit mit Geflüchteten in die Gesprächsrunde ein. Dabei wurde deutlich, dass viele Geflüchteten einen zentralen Wunsch haben: Arbeit zu finden und sich zu qualifizieren. Eine Teilnehmerin appellierte an alle, den Flüchtlingen mehr Zeit zur Integration zu geben, sie erst einmal zur Ruhe kommen zu lassen. „Wir brauchen einen langen Atem. Wir sollten mehr Gelassenheit an den Tag legen“, formulierte sie ihren Wunsch nach erfolgreicher Einbindung der Geflüchteten in die Gesellschaft. Thematisiert wurde auch die Anerkennung von Berufsabschlüssen und Ausbildungsnachweisen von Geflüchteten, die ihnen häufig abhandengekommen seien oder die sie nicht auf ihre Flucht mitgenommen hatten. Dazu erinnerte Erik Weckel an die oft spielerisch gestellte Frage: „Was nehmen Sie mit, wenn Sie auf eine einsame Insel müssen?“ „Ich habe auf den Antwortzetteln niemals ´eigene Zeugnisse und Berufsnachweise` gefunden“, brachte er eine gewisse Absurdität in dieser Angelegenheit auf den Punkt. Ein weiterer Teilnehmer unterstrich die Bedeutung von Beschäftigungsverhältnissen für eine gelungene Integration. „Integration funktioniert über Arbeit.“ Dies hätten beispielsweise die italienischen Gastarbeiter in Deutschland oder auch die Russlanddeutschen bewiesen. Eine weitere Frage zielte auf Maßnahmen für Geflüchtete ab, die sich nicht integrieren lassen wollten, weil sie ihre Zukunft in ihrem Heimatland sehen, in das sie zurückkehren möchten. Cornelia Blume warb zum Abschluss der Diskussion für die Mitgliedschaft im Verein Miteinander.Wedemark und um Spenden. Ernst Pobloth bedankte sich bei Erik Weckel „für den sehr zündenden Vortrag“, der bei den Zuhörern viele Anregungen ausgelöst habe und überreichte ihm ein Geschenk. „Ich fand es gut, dass wir miteinander ins Gespräch gekommen sind“, formulierte Ernst Pobloth vom Interkulturellen Treff. Er kündigte an, im Herbst weitere Vorträge zu organisieren.