Waffenbeschlagnahme mit Hintergrund

Kriminalermittlungsdienstleiter Kai-Uwe Bebensee und Waffensachbearbeiter Michael Gerlich mit den Waffen, die die Polizei in Plumhof in Verwahrung nahm. Nur für neun der 33 Waffen lag eine Waffenbesitzkarte vor. Foto: A. Wiese
 
Kriminalermittlungsdienstleiter Kai-Uwe Bebensee und Waffensachbearbeiter Michael Gerlich mit den Waffen, die die Polizei in Plumhof in Verwahrung nahm. Nur für neun der 33 Waffen lag eine Waffenbesitzkarte vor. Foto: A. Wiese

Polizei stellt bei zwei voneinander unabhängigen Durchsuchungen 44 Waffen sicher

Wedemark (awi). Wilde Gerüchte um zwei Waffenbeschlagnahmungen erschüttern seit Mittwoch die Wedemark. Von der Aushebung illegaler Waffenarsenale ist die Rede, von Razzien und in einem überörtlichen Presseartikel sogar von der „Entwaffnung eines wilden Jägers“. Tatsache ist, dass die Polizei am Mittwochnachmittag bei zwei Hausbesitzern in Gailhof und Plumhof insgesamt 44 Waffen sichergestellt hat, außer dem zeitlichen Zusammenhang haben diese beiden Fälle aber überhaupt nichts miteinander zu tun. Die Hintergründe sind in beiden Fällen rein familiärer Art.
Die Polizei Mellendorf hatte die beiden Häuser am Mittwoch auf Anordnung des Amtsgerichts Burgwedel durchsucht, da die Region in beiden Fällen den Hausbesitzern die waffenrechtlichen Genehmigungen aberkannt hat. Dazu geführt hatten ebenfalls in beiden Fällen Hinweise von Familienangehörigen. Im Gailhofer Fall handelt es sich nach Informationen des ECHO um häusliche Gewalt. Der 52-jährige Gailhofer soll nach Informationen dieser Zeitung bereits mehrfach tätlich gegenüber Familienangehörigen geworden sein. Nachdem er zuletzt seine Lebenspartnerin verprügelt und auch seinen 19-jährigen Stiefsohn angegriffen und ihm die Nase gebrochen habe, ermittelt die Polizei wegen Körperverletzung. Da der 52-Jährige Jäger und im Besitz vonWaffen ist, stellte die Region in diesem Zusammenhang die charakterliche Eignung zum Führen von Waffen in Frage, so dass das Amtsgericht die Erlaubnis zum Führen von Waffen ebenso wie den Jagdschein aberkannte. Bei der Durchsuchung des Anwesens in Gailhof, an denen auch die zwei Sprengstoffspürhunde Pepper und Castor der Reiter- und Hundestaffel der Polizeidirektion Hannover beteiligt waren, konnte die Polizei alle elf bei der Region Hannover angemeldeten Waffen sowie die Waffenbesitzkarte und den Jagdschein sicherstellen. Entgegen anderslautender Meldungen in der überregionalen Presse habe der 52-jährige seine Familienangehörigen jedoch nicht mit den Waffen bedroht oder „auf einen Arzt geschossen“. Die Waffen bleiben auf jeden Fall solange bei der Region, bis das Verfahren wegen Körperverletzung gegen den Gailhofer abgschlossen ist. Von dem Ergebnis wird abhängen, ob der Jäger noch einmal eine Waffe führen und einen neuen Antrag stellen darf. Im Plumhofer Fall stellt sich Sachlage ganz anders dar: Es ist korrekt, dass die Beamten in dem Einfamlienhaus insgesamt 33 Waffen vorgefunden haben, von denen 24 bei der Waffenbehörde nicht registriert waren. Einige Waffen waren Sportgewehre und angemeldet, denn der 65-Jährige und seine Frau waren aktive Sportschützen. Die anderen Waffen sind vor allem Sammlerstücke, teilweise Vorderlader aus dem 30-jährigen Krieg und Duellierpistolen, Kurz- und Langfeuerwaffen – eine mit viel Sachverstand und Liebe zum Detail zusammengetragene Sammlung, aber nicht korrekt bei der Region gemeldet. Denn auch historische Sammelstücke sind von der Regis-trierpflicht nicht ausgeschlossen. Hintergrund, dass die Polizei überhaupt auf den Sammler aufmersam wurde, ist eine Familientragödie. Als seine todkranke Frau vor wenigen Tagen ins Krankenhaus gebracht wurde, wollte der völlig verzweifelte Rentner seinem eigenen Leben wohl ein Ende setzen. Während des Hantierens mit einer Waffe löst sich unbeabsichtigt ein Schuss, woraufhin der erwachsene Sohn des Paares den Vater an seinem Vorhaben hindern konnte. Während der 65-jährige in eine psychiatrische Klinik gebracht wurde, bat der Sohn die Polizei, sämtliche Waffen aus dem Haus mitzunehmen. In diesem Zusammenhang stellte sich dann heraus, dass für einen großen Teil der Waffen keine amtliche Genehmigung vorlag.