Wanderung als Siegesfeier und Protest

Peter Völcker (rechts) erweist sich als profunder Kenner der Flora und Fauna am Brelinger Berg beim Ausflug der gleichnamigen Bürgerinitiative. Foto: B. Stache
 
Georg Pfeiffer (fünfter von links) begrüßt die Teilnehmer zur Wanderung der BI-Brelinger Berg. Foto: B. Stache

Bürgerinitiative Brelinger Berg gegen geplante Erweiterung des Sand- und Kiesabbaus

Negenborn (st). Die Bürgerinitiative (BI) Brelinger Berg, die durch ihren Widerstand gegen die Suedlink-Stromtrasse bekannt geworden ist, hatte am Sonnabend zu einer informativen Wanderung zum westlichen Teil des Brelinger Bergs eingeladen. Bei seiner Begrüßung der Teilnehmer auf dem Hof von Carola Wienhöfer und Jochen Riediger in Negenborn gab BI-Sprecher Georg Pfeiffer erste Erläuterungen zur Wanderaktion. „Nachdem wir erfahren hatten, dass die Firma Papenburg Pläne zur Erweiterung ihres Abbaugebiets nach Norden zum Brelinger Berg in einer Größenordnung von 28 Hektar hat, wurden Jens Lindenburger und ich bei Bürgermeister Helge Zychlinski vorstellig.“ Dort erfuhren beide, dass der Gemeinde Wedemark entsprechende Planungen bekannt seien. „Herr Papenburg habe angeboten, seine Abbaurechte in der Müllerschen Kiesgrube (ehem. Kieswerk Egon Müller in Duden-Rodenbostel, Anm. d. Red.) einzuschränken und diese zu renaturieren. Im Gegenzug wünscht er sich die Freigabe der 28 Hektar am Nordrand seiner Negenborner Grube“, führte Georg Pfeiffer aus. Mit der Wanderung wolle die BI einerseits ihr erfolgreiches Engagement in Sachen Südlink-Stromtrasse feiern, andererseits sich gegen die geplante Ausweitung des Kiesabbaus durch die Firma Papenburg wenden. „Die Politik sollte sich bei ihren Entscheidungen darüber im Klaren sein, ob sie den Brelinger Berg auch weiterhin als Naherholungsgebiet für ihre Bürger sieht“, brachte es BI-Mitglied Wolfgang Baustian auf den Punkt. An der Wanderung nahm auch Peter Völcker als profunder Kenner des Brelinger Bergs, seiner Flora und Fauna, teil. Im November 2015 erhielt er den Umweltpreis für engagierte Naturschützer der Gemeinde Wedemark. Der Brelinger setzt sich seit Jahrzehnten tatkräftig für den Naturschutz in der Gemeinde ein. Sehr engagiert kümmert er sich um Streuobstwiesen, Hecken und Windknicks sowie Feuchtbiotope zum Schutz der heimischen Artenvielfalt und als Rückzugsort für die Tiere – er hat Pflanzungen angelegt und betreibt deren Pflege. So wurde eine Biotopvernetzung von der Reithalle in Brelingen bis zum Brelinger Berg geschaffen. Peter Völcker führt mit großem Engagement Schulklassen durch die Wedemark und sein Jagdrevier, um auch das Interesse der Kinder an ihrer Heimat zu wecken. Dank seiner Anpflanzungen gibt es im Frühjahr viele Blüten mit Schmetterlingen zu bestaunen, im Herbst dienen die reifen Früchte als Nahrungsgrundlage für viele Tiere – das ist gelebter Umwelt- und Naturschutz. Peter Völcker hat sich auch bei den Bergrettungen 1 und 2 (Rettet den Brelinger Berg) hervorgetan. Er setzte sich besonders für die Rekultivierung der durch Sand- und Kiesabbau verletzten Landschaft ein. „Was unsere Altvorderen mit viel Mühe in Handarbeit am Brelinger Berg aufgeforstet haben, verdient unseren Respekt. Das darf nicht so ohne Weiteres des Geldes wegen vernichtet werden“, mahnte BI-Mitglied Peter Völcker. Den Teilnehmern an der BI-Wanderung überreichte er eine Baumpflanzordnung aus dem Jahr 1739. Unter 3. steht dort geschrieben: „Weilen die Frevel an denen gepflantzten Bäumen überhand genommen, ist die … gesetzte Straffe, nebst Bezahlung des Baums, auf eine viertel jährige Zuchthaus-Straffe erhöhet worden. Wer aber nachhero jedennoch hierinnen fortfähret, komt an den Pranger und wird mit Ruthen des Landes verwiesen.“ Die Wandergruppe fuhr zunächst mit einem Treckergespann zum Rand des Negenborner Kiesabbaugebiets. Nach Erläuterungen von Peter Völcker ging es zu Fuß weiter Richtung Brelinger Berg.