Wanyoike trägt sich ins Goldene Buch ein

Als Dritter nach Fritz Sennheiser und dem haitianischen Botschafter trägt sich Henry Wanyoike ins Goldene Buch der Wedemark ein. Rechts Bürgermeister Tjark Bartels, links Wanyoikes Gastgeberin, Regina Bühne aus Bissendorf, die den blinden Marathonläufer w
 
Arne Westphal und Dirk Schwarzbach haben Henry Wanyoike beim Eilenriedemarathon über die Halbmarathonstrecke begleitet. Foto: R. Bühne

Bürgermeister Tjark Bartels wirbt im Rat um Spenden für Schule in Kenia

Bissendorf (awi). Ungewöhnlicher Besucher am Montagabend in der Ratssitzung: Bürgermeister Tjark Bartels präsentierte den Ratsmitgliedern den blinden kenianischen Marathonläufer Henry Wanyoike als besonderen Gast und bat ihn, sich als Dritter überhaupt in das Goldene Buch der Gemeinde einzutragen – nach dem mittlerweile verstorbenen Ehrenbürger Fritz Sennheiser und dem haitianischen Botschafter. Bartels rief Ratsmitglieder und Zuschauer außerdem zu Spenden für die Schule auf, die Wanyoike in seiner Heimat Kenia einrichtet: „Ich habe mir erlaubt, Ihnen Einzugsermächtigungen auf Ihre Plätze zu legen. Ein Stuhl und ein Tisch kosten 20 Euro.“ Bereits vor wenigen Monaten hatte der Bürgermeister den kenianischen Botschafter der Christoffel-Blindenmission (CBM) in der Wedemark getroffen (das ECHO berichtete). Henry Wanyoike war damals ebenfalls im Auftrag der CBM und nicht zum ersten Mal im Gymnasium Mellendorf zu Gast gewesen, hatte sich den Fragen der Schüler gestellt und war mit ihnen auf dem Sportplatz gelaufen. Er sei beeindruckt vom Schicksal und dem Engagement des blinden Kenianers, sagte Bartels bereits damals und hatte sich mit Wanyoike für den Spätsommer verabredet. Bereits am Sonnabend hatte der Bürgermeister den Wedemärkern den Ausnahme-Sportler bei der Eröffnung der Burning Stage Party in Mellendorf vorgestellt. Am Sonntag startete Henry dann wie vor zwei Jahren beim Eilenriedemarathon in der Disziplin Halbmarathon (21,0975 Kilometer) und erreichte in einer Stunde, 16 Minuten und 45 Sekunden – zwei Minuten schneller als 2007 – den zweiten Platz. Immer dabei: Henry Wanyoikes Wedemärker Gastgeberin Regina Bühne. Die Bissendorferin, die zum Freundeskreis Henry Wanyoike gehört, lief am Sonnabend sogar selbst mit ihm fünf Kilometer. Sie wird jetzt im Laufe des nächsten Jahres gemeinsam mit Bürgermeister Tjark Bartels eine Spendengala für Henry Wanyoikes Schule in Kenia vorbereiten: „Einzelheiten stehen noch nicht fest“, so Regina Bühne, „aber die Gala soll im September stattfinden, es wird viel Prominenz eingeladen, es soll einen musikalischen Teil und ein festliches Diner geben.“ Um Wanyoike besser kennenzulernen verbrachte der Bürgermeister den Montagnachmittag mit ihm.
„In Kenia ist die Situation völlig anders als hier“, informierte Bartels am Montagabend die Ratsmitglieder über das Anliegen des im Alter von 21 Jahren erblindeten Marathonläufers Henry Wanyoike, „der seit Jahren enge Beziehungen zur Wedemark hat“ (das ECHO berichtete). Wer wie Wanyoike behindert sei, erfahre in Kenia eher Ausgeschlossenheit aus der Gesellschaft statt Integration. Doch sei Wanyoike seinem Ziel treu geblieben, der schnellste Läufer zu werden. Bekanntlich schleppte er im Jahr 2000 seinen Guide (Führer) nach einem Zusammenbruch über die Ziellinie und sicherte sich bei den Paralympics auf diese spektakuläre Weise die Goldmedaille. „Dies war der Auftakt zu einer glanzvollen Karriere, die bis heute anhält“, so Bartels vor den Ratsmitgliedern. Der Läufer tue seiner Heimat Gutes, indem er die Preisgelder in Kenia investiere. So habe er eine kleine Fabrik mit Strickmaschinen für blinde Kinder eingerichtet und baue jetzt gerade das „Theresias House of Hope“, das fast fertig und für dortige Verhältnisse sogar ganz gut ausgestattet sei. 90 Kindern im Vorschulalter werde so der Einstieg in Primarschulen ermöglicht, die sonst nur Perspektivlosigkeit und oft auch Drogen vor sich hätten. „Henry Wanyoike, der auch aus den Slums kommt und noch erblindet ist, gibt mit seiner eigenen Karriere ein Zeichen“, so Bartels: „Man kann weiter kommen, wenn man an sich selber glaubt.“ Diese Botschaft habe der Sportler auch einem Wedemärker Schüler als Schlusssatz eines Interviews mit auf den Weg gegeben. Henry Wanyoike selbst trat nach seinem Eintrag ins Goldene Buch der Wedemark ebenfalls kurz ans Mikrofon und erklärte, er sei sehr erfreut, hier als Botschafter seines Landes auftreten zu können. Die Menschen in der Wedemark, die er durch seinen Freund und
Autor seiner Biografie, den vor einem Jahr verstorbenen Journalis-ten Bengt Pflughaupt schätzen gelernt habe, hätten ein großes Herz. Er bedankte sich ausdrücklich für die Unterstützung.