Warnstreik gestern bei RegioBus

„Für gleiche Arbeit gleichen Lohn“ fordern die Fahrer bei RegioBus mit Blick auf ihre Kollegen bei der Üstra und deshalb blieben gestern auch im Betriebshof Mellendorf – bis auf wenige Ausnahmen – die Busse stehen. Foto: A. Wiese

Fahrer streikten für „gerechten Lohn“ – Streikbrecher nur in Mellendorf

Mellendorf (awi). Wer gestern zur Arbeit oder zur Schule wollte,
musste auf Auto oder Fahrrad zurückgreifen, die Busse der RegioBus blieben gestern für fast 24 Stunden im Depot. Es gab allerdings Ausnahmen und über die ärgerten sich die streikenden Fahrerkollegen: Denn Mellendorf war der einzige Betriebshof, der Streikbrecher zu verzeichnen hatte, berichtete Rainer Weber, Betriebsratsvorsitzender der RegioBus. Von 450 RegioBus-Busfahrern bestreikten gestern acht den Streik und das ausgerechnet in Mellendorf.
Die Betriebshöfe in Burgdorf, Neustadt, Wunstorf und Eldagsen waren dagegen wirklich zu 100 Prozent stillgelegt. Dennoch verzichteten die Mellendorfer Kollegen nach kurzer Diskussion darauf, das Tor zu schließen und die Kollegen mit Gewalt am Verlassen des Betriebshofes zu hindern. Die vereinzelten Busse schmälern den Effekt des Streiks nicht, waren sie sich einig. Ihnen war vor allem wichtig, dass ihre Fahrgäste verstehen, wofür sie kämpfen: Für gleichen Lohn für gleiche Arbeit. Die Region Hannover ist Auftraggeber sowohl für die RegioBus als auch für die Üstra. Doch die Fahrer bei der Üstra bekommen einen Euro pro Stunde mehr, erläuterte Rainer Weber. Und auch bei den Zulagen sei es bei allen Gruppen rechnerisch ein Euro Differenz. Nach monatelangen Verhandlungen waren die Gespräche ins Stocken geraten. Die Gewerkschaft ver.di hatte die Busfahrer daher am gestrigen Dienstag zu einem eintägigen Warnstreik aufgerufen. Seit März verhandelt ver.di über höhere Löhne für die Fahrer des kommunalen Nahverkehrsunternehmens. Bei der RegioBus gilt seit ihrer Gründung der Tarifvertrag ETV, die Lohntabelle der Busfahrer ist jedoch gleich zu Anfang aus Kostengründen abgesenkt worden. Nach Auskunft von ver.di liefen die Gespräche zunächst vielversprechend, man habe sich schnell auf eine gemeinsame Stoßrichtung geeinigt. Verhandelt werden sollte eine Angleichung an das Niveau der üstra in drei aufeinanderfolgenden Schritten. Laut ver.di bietet die Arbeitgeberseite jedoch bisher nur einen Schritt an, über die weitere Entwicklung soll erst 2014 verhandelt werden. Auch bei der Bestimmung der bei einer Angleichung an die üstra-Löhne zu erreichenden Lohnhöhe sei man weit auseinander. „Die Arbeitgeber benennen angebliche Vorteile, die die Fahrer bei RegioBus gegenüber den Regelungen bei der üstra hätten. Unserer Ansicht nach bestehen diese Vorteile so nicht“, so Mira Ball vom ver.di Fachbereich Verkehr. Ver.di habe in den Verhandlungen im Wesentlichen seit Beginn an immer wieder dasselbe Angebot mit leichten Abweichungen in der Struktur erhalten, zuletzt am 4. Oktober. „Auf dieses Angebot hatten wir unsere letzte Hoffnung gesetzt. Aber die Arbeitgeber zünden Nebelkerzen und treten auf der Stelle, anstatt sich nach vorn zu bewegen,“ so Ball weiter und bedauert: „Wir sehen derzeit leider keine andere Möglichkeit, als den Warnstreik, um vorwärts zu kommen.“ Von den Fahrgästen habe es bereits nach der Ankündigung am Montag überwiegend verständnisvolle Reaktionen gegeben, berichteten die Busfahrer, die in der Nacht zu heute um 2 Uhr ihren Dienst wieder aufnehmen wollten. Die frühzeitige Information der Öffentlichkeit hatte es den Schülern und Pendlern ermöglicht, sich auf den Streik einzustellen. Und so gab es denn auch an den Schulen der Wedemark so gut wie keine Probleme. Das Gymnasium hatte auch auf seiner Homepage darauf hingewiesen, dass der Transport der Kinder zur Schule von den Eltern zu organisieren sei und auch die angesagten Klausuren in der Oberstufe stattfinden würden. „Hier fehlen nur ganz wenige Schüler, und die wohl krankheitsbedingt“, erklärte Andreas Schmidt, Konrektor am Gymnasium auf Nachfrage. Offensichtlich seien die Schüler mit dem Fahrrad gekommen oder von den Eltern gebracht worden. Von den Politiklehrern werde der Warnstreik auch thematisiert, bestätigte Schmidt.
„Keine Auffälligkeiten“, hieß es auch in der IGS. Eltern hätten nachgefragt, aber sonst sei alles wie immer. In der Konrad-Adenauer-Schule sah das allerdings ein bisschen anders aus. „Hier sind einige nicht gekommen“, erzählte Stundenplaner Martin Märker und schätzte die Zahl der fehlenden Schüler auf Grund des Streiks auf „rund ein Drittel“.